Gescheiterter Konzernumbau Thyssenkrupp hält Ausschau nach neuen Partnern

Nach der gescheiterten Fusion der Stahlsparte sucht Thyssenkrupp-Chef Kerkhoff nach neuen Geschäftspartnern. Arbeitnehmer drängen angesichts des geplanten Stellenabbaus auf verbindliche Zusagen.

Thyssenkrupp-Stahlwerk in Duisburg
REUTERS/Ina Fassbender

Thyssenkrupp-Stahlwerk in Duisburg


Guido Kerkhoff erwägt nach der gescheiterten Fusion der Stahlsparte Thyssenkrupps andere Sparten des Industriekonglomerats für neue Investoren zu öffnen. "Wenn wir sehen, dass sich die Geschäfte in Partnerschaften oder anderen Strukturen besser entwickeln können, dann werden wir uns dem öffnen", sagte der Chef des Traditionsunternehmens dem "Handelsblatt".

Bereits am Freitag war bekannt geworden, dass als einer der ersten Schritte das profitable Aufzugsgeschäft an die Börse soll. Am kriselnden Stahlgeschäft will der Konzern dagegen langfristig festhalten. "Bei der aktuellen Haltung der EU-Kommission sehe ich da keine Möglichkeiten für große Zusammenschlüsse", sagte Kerkhoff der Zeitung. "Deshalb werden wir da in einer Mehrheitsposition bleiben."

Was wird aus den Sparten Autoteile, Schiffbau, Anlagenbau?

Wegen eines erwarteten Vetos der EU-Kommission war die Stahlfusion mit dem Rivalen Tata Steel Europe abgesagt worden. Auch die geplante Aufspaltung in zwei eigenständige, börsennotierte Unternehmen für Werkstoffe und für Industriegüter wurde gekippt. Thyssenkrupp will seine Strategie daher nun radikal ändern - und 6000 der rund 160.000 Arbeitsplätze streichen, davon 4000 allein in Deutschland. Die Börse reagierte auf die Ankündigung positiv, die Aktien des Unternehmens legten stark an Wert zu.

Ein möglicher weiterer Kandidat für eine Ausgliederung könnte laut "Handelsblatt" die Fertigung von Autokomponenten sein. "Hier sind wir nicht so groß und müssen in einigen Bereichen Restrukturierungen vornehmen. Wenn wir hier künftig eine Partnerschaft eingehen, dann müssen wir nicht unbedingt die Mehrheit halten", sagte Kerkhoff dem Blatt.

Auch im Anlagenbau könnte sich Thyssenkrupp von Teilen des Geschäfts trennen, berichtete das "Handelsblatt" unter Berufung auf Konzernkreise. Zum Verkauf dürfte demnach auch die Werftensparte stehen, die zuletzt einige Großaufträge hatte verbuchen können.

IG Metall: Restrukturierungsplan steht noch aus

Die Gewerkschaft IG Metall drängt auf rasche Klarheit für die Beschäftigten. "Ich erwarte ein neues Zukunftskonzept für den Stahlbereich", sagte Stahl-Gesamtbetriebsratschef Tekin Nasikkol der "Westdeutschen Allgemeinen Zeitung" - und forderte: "Betriebsbedingte Kündigungen hat es bei uns noch nie gegeben und darf es auch in Zukunft nicht geben." Zwischen IG Metall und Konzern war am Wochenende eine Grundlagenvereinbarung bekannt gegeben worden, wonach Kündigungen vermieden werden sollen.

"Die Vereinbarung ist ein wichtiger Schritt", sagte der Bezirksleiter der Gewerkschaft, Knut Giesler, der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung". "Es gibt aber noch keinen Restrukturierungsplan", sagte er - und verlangte von Vorstandschef Kerkhoff rasche und verbindliche Planungen.

Der Essener Bischof Franz-Josef Overbeck äußerte "Verständnis für jetzt erneut aufkommende Sorgen vieler Beschäftigter". Er vertraue jedoch darauf, dass sich die Sozialpartnerschaft von Arbeitgeber- und Arbeitnehmerseite bewähren werde und notwendige Anpassungen möglichst sozialverträglich gestaltet würden.

apr/dpa/Reuters



insgesamt 3 Beiträge
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auweia 13.05.2019
1. Tkms?
Gibt es schion Informationen zu möglichen Kandidaten für die Übernahme des Marineschiffbaus von Thyssen Krupp (TKMS)? In Deutschland bleibt wohl nur Lürssen. Auf euroüpäischer Ebene wären da die Franzosen (Naval Group), Italiener (Fincatieri) oder deren gemeinsames Kind STX. Weitere Alternativen: Damen Group (NL) oder Saab/Kockums (Schweden) Der aktuelle Thyssen-Krupp Investor Cevian ist nominell ein schwedisches Unternehmen.....Spanier und Briten werden sich wohl nicht interessieren (zu viele Defizit im eigenen Schiffbau) und an die Saudis verkauft man wohl nach politischem Druck nicht. Finanzinvestor? Also, ich würde auf die Franzosen tippen. Muster Krauss-Maffei/Nexter ...Wenn man dann noch den Fall Hoechst/Sanofi im Kopf hat, kann man den Werftmitarbeitern nur alles Gute wünschen...
micbrazil 13.05.2019
2. Passt doch
Anzunehmen war doch eh, dass der unter Heinrich Hiesinger begonnene Wandel zum Engineering- Konzern nur wenig Freunde bei thyssenkrupp hatte. Für diese Fraktion läuft es jetzt wunderbar: Der Stahl Teil verbleibt im Konzern, und die anderen Teile werden verkauft um den Kern zu stabilisieren. Happy sind auch diejenigen Teilhaber, die eine Zerschlagung forderten, denn versilbert wird was Geld bringt. Alles gut..
bommipit 14.05.2019
3. Seit...
mehreren Jahren wird Personal bei Thyssenkrupp abgebaut. Es waren Mal 230000 Menschen dort beschäftigt. Und was den Abbau von 4000 Beschäftigen angeht wird es Sozialverträglich laufen. Es gibt viele ältere die gerne gehen würden. Ich denke da wird die Firma schon was anbieten. Und sind wir Mal ehrlich,in 6 Jahren wenn die Geburtenstarken Jahrgänge in Rente gehen macht man sich über Abbau von Personal keine Gedanken mehr. Betrifft aber nicht nur Thyssenkrupp. Und noch was zu dem Foto an die Redaktion. Muss man Duisburg immer mit einem dunklen Himmel darstellen? Als wenn alle dort nur mit russgeschwärzten Gesichtern rumlaufen.
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