Kartellrecht Thyssenkrupp klagt gegen Verbot der Stahlfusion mit Tata

Die EU-Kommission hat Thyssenkrupps Stahlsparte den Zusammenschluss mit dem indischen Wettbewerber Tata Steel verboten. Zu Unrecht, meint der Konzern und klagt. Die Fusion wird das aber wohl nicht retten.

Das Stahlwerk von Thyssenkrupp in Schwelgern
Marcel Kusch / DPA

Das Stahlwerk von Thyssenkrupp in Schwelgern


Thyssenkrupp hat vor dem Gericht der Europäischen Union (EuG) in Luxemburg Klage gegen das Nein der EU-Kommission zur Stahlfusion mit dem indischen Konkurrenten Tata Steel eingereicht. Die Kommission habe den Rahmen des geltenden Wettbewerbsrechts über Gebühr ausgedehnt, sagte Vorstand Donatus Kaufmann zur Begründung. Thyssenkrupp-Chef Guido Kerkhoff hatte diesen Schritt zuvor angekündigt.

Die EU-Kommission hatte im Juni den geplanten Zusammenschluss der Stahlsparte von Thyssenkrupp mit dem europäischen Geschäft von Tata Steel untersagt, weil sie den Wettbewerb bei bestimmten Stahlsorten für gefährdet hielt. Die Fusion hätte ihrer Einschätzung zufolge zu steigenden Preisen geführt. Zugeständnisse von Thyssenkrupp und Tata hatten den Wettbewerbshütern für eine Freigabe des Zusammenschlusses nicht gereicht.

Durch die Fusion wäre Europas zweitgrößter Stahlkonzern mit rund 48.000 Mitarbeitern und Werken in Deutschland, Großbritannien und den Niederlanden entstanden. Thyssenkrupp wollte dadurch die Abhängigkeit vom schwankenden Stahlgeschäft verringern.

Thyssenkrupp: "Kritische Marktsituation"

Der Industriekonzern misst der Klage, die in der ersten Instanz zwei bis drei Jahre in Anspruch nehmen dürfte, grundsätzliche Bedeutung bei. "Die Konsolidierung der europäischen Stahlindustrie ist nach wie vor richtig und notwendig, das zeigt auch die aktuell für die Stahlhersteller kritische Marktsituation", sagte Thyssenkrupp-Vorstand Kaufmann. "Die Überkapazitäten und der hohe Importdruck aus Asien schaffen ein Umfeld, in dem das geplante Joint Venture mit Tata Steel den Wettbewerb nicht beeinträchtigt hätte."

Die Entscheidung der Kommission sei deshalb falsch. In Branchenkreisen wird darauf verwiesen, dass die EU-Kommission im vergangenen Jahr dem weltgrößten Stahlkonzern ArcelorMittal erlaubt habe, die italienische Stahlfirma Ilva zu übernehmen. ArcelorMittal hatte sich verpflichtet, eine Reihe von Stahlwerken zu verkaufen.

Für Thyssenkrupp hatte das Platzen des Geschäfts mit Tata unmittelbare Folgen: Der Konzern kündigte den Verlust von Tausenden Arbeitsplätzen an - auch wenn das Management sich verpflichtet, diese so weit wie möglich ohne Kündigungen abzubauen.

Konzernchef Kerkhoff musste einen Strategieschwenk vornehmen und die geplante Aufteilung des Unternehmens in zwei Gesellschaften absagen. Die Abhängigkeit vom wechselhaften und kapitalintensiven Stahlgeschäft ist damit wieder gestiegen. Kerkhoff verfolgt jetzt einen umfassenden Umbau des Konzerns und sucht für verschiedene Industriegeschäfte neue Partner. Um Geld in die Kasse zu bekommen, soll das Aufzugsgeschäft zumindest teilweise an die Börse gebracht werden.

kko/dpa

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