Angeschlagener Stahlkonzern Thyssenkrupp lotet Fusion mit Salzgitter aus

Die Industrie-Ikone Thyssenkrupp steckt in ihrer wohl tiefsten Krise. Die neue Chefin Martina Merz strebt eine Fusion mit einem Konkurrenten an - und will die profitable Aufzugssparte verkaufen, um den Konzern zu retten.
Thyssenkrupp-Chefin Martina Merz plant in Kürze ein Treffen mit dem langjährigen Salzgitter-Chef Hans Jörg Fuhrmann

Thyssenkrupp-Chefin Martina Merz plant in Kürze ein Treffen mit dem langjährigen Salzgitter-Chef Hans Jörg Fuhrmann

Foto: Rolf Vennenbernd/ dpa

Das Management des Industriekonzerns Thyssenkrupp erwägt einen alten Plan neu zu beleben und seine Stahltochter mit dem niedersächsischen Konkurrenten Salzgitter zu fusionieren. Die neue Thyssenkrupp-Chefin Martina Merz will sich nach SPIEGEL-Informationen in Kürze mit dem langjährigen Salzgitter-Chef Hans Jörg Fuhrmann treffen. Bei dem Gespräch könnten entsprechende Möglichkeiten ausgelotet werden.

Nach der gescheiterten Fusion mit dem indischen Stahlkocher Tata unter ihrem Vorgänger Guido Kerkhoff sucht Merz nach neuen Strategien, um den Konzern mit seinen rund 160.000 Mitarbeitern aus der Krise zu führen. Ein Zusammenschluss mit Salzgitter könnte ein erster Schritt dabei sein. Eine deutsche Stahlfusion zwischen Salzgitter und Thyssenkrupp war bereits mehrfach, auch unter Merz' Vorgängern, angedacht worden. Bislang scheiterte sie am Widerstand Fuhrmanns und der Gewerkschaften.

Zudem will der Aufsichtsrat des Konzerns in den nächsten beiden Wochen auch über die Zukunft der Aufzugsparte entscheiden. Konkret geht es um die Frage, ob die ertragreiche Sparte mit einem geschätzten Wert von bis zu 15 Milliarden Euro ganz oder nur zum Teil an die Börse gebracht oder verkauft wird. Nach SPIEGEL-Informationen gibt es im Thyssenkrupp-Vorstand verschiedene Auffassungen über den einzuschlagenden Weg. Wahrscheinlich ist derzeit der Verkauf eines Mehrheitsanteils. Im Rennen sind noch mehrere Bieter, darunter auch der finnische Aufzughersteller Kone.

Thyssenkrupp braucht das Geld für die Sanierung des Unternehmens. Neben Finanzschulden in Höhe von rund 6,5 Milliarden Euro nehmen Pensionsverpflichtungen von fast neun Milliarden Euro dem Konzern die Luft zum Atmen. Das Eigenkapital ist auf historischem Tiefstand. Aus dem deutschen Börsenindex Dax wurde das Unternehmen bereits im September verbannt.

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