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14. Mai 2019, 09:30 Uhr

Schwache Geschäftszahlen

Thyssenkrupp macht nach gescheitertem Konzernumbau auch noch Verlust

Thyssenkrupp kämpft mit Gewinnrückgängen. Der operative Gewinn schrumpfte laut neuesten Geschäftszahlen in sechs Monaten um 27 Prozent. Das dürfte nach dem gescheiterten Konzernumbau den Reformdruck verstärken.

Die Stahlfusion mit dem indischen Konkurrenten Tata scheiterte - genauso wie die Spaltung des Traditionsunternehmens in zwei Teile: Thyssenkrupp hat nach dem missglückten Konzernumbau nun auch noch ein schwaches Ergebnis im zweiten Geschäftsquartal verzeichnen müssen.

Eine nachlassende Nachfrage im Komponentengeschäft und in der Stahlsparte sowie steigende Verluste im Anlagenbau hätten das operative Ergebnis in den Monaten Januar bis März sinken lassen, teilte das Unternehmen in Essen mit. Unter dem Strich stand ein Verlust - auch wegen höherer Rückstellungen für eine erwartete Kartellstrafe im Stahlbereich.

Nur noch 1,1 bis 1,2 Milliarden Euro Jahresgewinn angepeilt

Thyssenkrupp hatte am Freitag sowohl die geplante Stahlfusion mit Tata Steel als auch die vorgesehene Aufteilung des Konzerns für Werkstoffe und für Industriegüter abgesagt. Das Dax-Unternehmen hatte keine Chance mehr gesehen, von der EU-Kommission die nötige Genehmigung für die Stahlfusion zu erhalten. Thyssenkrupp will seine Strategie daher nun radikal ändern - und 6000 der rund 160.000 Arbeitsplätze streichen, davon 4000 allein in Deutschland. Die Börse reagierte auf die Ankündigung positiv, die Aktien des Unternehmens legten stark an Wert zu. Vorstandschef Kerkhoff erwägt, andere Konzernsparten für neue Investoren zu öffnen.

Das Ergebnis der wieder im Konzern integrierten Stahlsparte brach dem Konzern zufolge in den ersten sechs Monaten des Geschäftsjahrs ein. Mit der Wiedereingliederung würden künftig jedoch auch die derzeit ausgesetzten planmäßigen Abschreibungen auf die Sparte wieder auf Konzernebene wirksam, teilte Thyssenkrupp mit. Diese würden sowohl das Ergebnis im ersten Halbjahr des laufenden Geschäftsjahres als auch den Vorjahreszeitraum nachträglich belasten.

Auch die vor einem Teilbörsengang stehende Aufzugssparte entwickelte sich in den vergangenen Monaten schlechter. Insgesamt schrumpfte der operative Gewinn des Konzerns (bereinigtes Ebit) seit letztem Abschluss Ende September um 27 Prozent auf 685 Millionen Euro. Er soll im Geschäftsjahr insgesamt zwischen 1,1 und 1,2 Milliarden Euro liegen. Unter dem Strich werde Thyssenkrupp einen Verlust einfahren.

apr/Reuters/dpa

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