Weiteres Sparprogramm ThyssenKrupp streicht bis zu 2500 Jobs

ThyssenKrupp will in den kommenden drei Jahren mindestens jede neunte Stelle in der Verwaltung streichen. In Deutschland sollen etwa 1000 Jobs betroffen sein.

Konzernzentrale von ThyssenKrupp in Essen
DPA

Konzernzentrale von ThyssenKrupp in Essen


Der Industriekonzern ThyssenKrupp verschärft den Sparkurs und will in den kommenden drei Jahren bis zu 2500 Stellen in der Verwaltung abbauen. Die Hälfte davon entfalle auf Deutschland, erklärte ThyssenKrupp am Dienstag.

Bis zum Ende des Geschäftsjahres 2019/20 will das Unternehmen bis zu 400 Millionen Euro in der Verwaltung einsparen. Derzeit sind dort 18.000 Menschen beschäftigt. Die aktuellen Verwaltungskosten bezifferte der Konzern auf 2,4 Milliarden Euro pro Jahr. Diese seien "deutlich zu hoch".

Betriebsbedingte Kündigungen sollen nach Möglichkeit vermieden werden, sagte eine Unternehmenssprecherin. Vorher sollten "alle anderen Instrumente der Personalplanung" ausgeschöpft werden.

Konzernbetriebsratschef Wilhelm Segerath warnte den Vorstand vor einem Kahlschlag. Verwaltungskosten auf den Prüfstand zu stellen, sei zwar unternehmerisch nachvollziehbar. "Jedoch muss der ThyssenKrupp-Konzern den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern eine Zukunftsperspektive bieten."

Der nordrhein-westfälische IG Metall-Chef Knut Giesler kritisierte das Vorgehen des Vorstands. "Fast im Wochentakt wird bei ThyssenKrupp nur noch über Restrukturierungen und Fusionen gesprochen." Dies führe zu einer erheblichen Verunsicherung der Beschäftigten. "Wir wollen Konzepte und Lösungen, mit denen die Arbeit an den Standorten gesichert werden kann - durch Innovation und Wachstum."

Sparprogramme beim Stahl und Anlagenbau

In den vergangenen Monaten hatte das Unternehmen bereits massive Einsparprogramme bei den kriselnden Sparten Stahl und Anlagenbau angekündigt. Die Stahlsparte soll in den kommenden drei Jahren 500 Millionen Euro einsparen - unabhängig davon, ob es zu einem Zusammenschluss mit dem indischen Konzern Tata kommt oder nicht. Derzeit laufen Fusionsverhandlungen. Auch der Anlagenbau soll seine Kosten um einen dreistelligen Millionenbetrag senken.

Im laufenden Geschäftsjahr hatten bereits Abschreibungen auf ein verlustreiches Stahlwerk in Brasilien negative Auswirkungen auf die Bilanz des Unternehmens. ThyssenKrupp rechnet für das Gesamtjahr mit roten Zahlen.

Die Einsparungen sollen helfen, die gesetzten Ziele im operativen Geschäft zu erreichen, wie ThyssenKrupp erklärte. Der Konzern hat sich generell einen bereinigten Gewinn - vor Zinsen und Steuern (Ebit) - von mindestens 2 Milliarden Euro zum Ziel gesetzt. Im laufenden Jahr rechnet ThyssenKrupp hier mit 1,8 Milliarden Euro.

ThyssenKrupp-Chef Heinrich Hiesinger hatte bei seiner Amtsübernahme 2011 ein Programm aufgelegt, um die Leistung des Konzerns zu erhöhen und die Kosten zu senken. Mit dem Programm "Impact" hat ThyssenKrupp in den vergangenen Jahren seine Kosten zwischen 800 Millionen und 1 Milliarde Euro jährlich gesenkt. Das derzeitige Ergebnisniveau reiche nicht aus, erklärte ThyssenKrupp.

sun/dpa/Reuters



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