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20. September 2017, 07:46 Uhr

Fusionspläne

ThyssenKrupp schmiedet neuen Stahlkonzern mit Tata

Nach langen Verhandlungen haben ThyssenKrupp und der indische Konzern Tata zusammengefunden: In Europa wollen sie ihre Kräfte zum dann zweitgrößten Stahlhersteller bündeln. Die Pläne bedrohen Tausende Jobs.

Eineinhalb Jahre verhandelten ThyssenKrupp und der indische Konzern Tata, um ihre Stahlsparten zu bündeln. Nun bringen die Unternehmen eine Fusion auf den Weg. Die Konkurrenten haben sich auf einen Zusammenschluss ihrer europäischen Stahlgeschäfte geeinigt und eine Absichtserklärung für eine Gemeinschaftsfirma unterzeichnet. Das gaben beide Unternehmen bekannt, die je die Hälfte an dem neuen Joint-Venture halten wollen.

Gemeinsam wollen die Konzerne ein neues Stahlschwergewicht schmieden. Die neue Firma wäre der zweitgrößte europäische Stahlkonzern nach ArcelorMittal. "Ziel ist es, einen führenden europäischen Flachstahlanbieter zu schaffen", so die Konzerne. Der Sitz des neuen Unternehmens soll in den Niederlanden liegen.

"Mit dem geplanten Joint Venture geben wir den europäischen Stahlaktivitäten von ThyssenKrupp und Tata eine nachhaltige Zukunftsperspektive", sagte ThyssenKrupp-Chef Heinrich Hiesinger. "Wir haben mit Tata einen Partner gefunden, der strategisch und kulturell sehr gut zu uns passt."

Das Unternehmen mit dem Namen ThyssenKrupp Tata Steel soll rund 48.000 Mitarbeiter beschäftigen. Es komme auf einen Pro-forma-Umsatz von 15 Milliarden Euro.

Thyssen und Tata versprechen sich Synergieeffekte von 400 bis 600 Millionen Euro. Durch den Bund der zwei Konzerne könnten bis zu 4000 Jobs wegfallen - an die 2000 Jobs in der Verwaltung und möglicherweise 2000 weitere Stellen in der Produktion. Die Lasten sollen beide Partner etwa zu gleichen Teilen tragen.

Die Verhandlungen wollen Thyssen und Tata bis Anfang 2018 abschließen, die gesamte Transaktion soll bis Ende 2018 nach Zustimmung der Kontrollbehörden komplett über die Bühne gebracht werden.

Am Freitag wollen die Stahlkocher von ThyssenKrupp in Bochum gegen die Pläne demonstrieren. Die IG Metall erwartet mehrere Tausend Teilnehmer. Die IG Metall und die Betriebsräte hatten am Dienstag eine Zustimmung zu einer Fusion nicht mehr grundsätzlich ausgeschlossen. Sie fordern allerdings unter anderem Garantien für die Sicherung der Arbeitsplätze und der Standorte der Stahlsparte. Diese beschäftigt rund 27.000 Mitarbeiter.

"Wir wollen Sicherheit mit Blick auf die Risiken. Wir fordern Garantien für die Beschäftigten. Wenn das nicht passiert, dann wird das nichts", warnte Detlef Wetzel, IG Metall-Vertreter im Kontrollgremium von ThyssenKrupp Steel Europe. Eine Absichtserklärung könne er ohne Zustimmung des Aufsichtsrats unterzeichnen. "Herrn Hiesinger muss aber klar sein, dass er am Ende für die Umsetzung einer Fusion die Zustimmung des Aufsichtsrates braucht."

kig/Reuters/dpa

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