Gerüchte über Stahl-Fusion mit Tata ThyssenKrupp-Aktie legt fünf Prozent zu

Der Bericht über einen möglichen Zusammenschluss des Stahlgeschäfts von ThyssenKrupp mit Teilen des indischen Konzerns Tata Steel sorgt an der Börse für Aufsehen. Die Aktien von ThyssenKrupp legten zu.

Plakat von Stahlarbeitern bei einer Demo
AFP

Plakat von Stahlarbeitern bei einer Demo


Fusionsspekulationen um ThyssenKrupp treiben die Aktie des Industrie- und Stahlkonzerns an. Die "Rheinische Post" meldete, die Gespräche über einen Zusammenschluss des Stahlgeschäfts des Unternehmens mit Teilen des indischen Konzerns Tata Steel nähmen konkrete Formen an.

Beide Unternehmen lehnten Kommentare ab, doch an der Börse sorgte die Meldung für Aufsehen. Die Aktien von ThyssenKrupp Chart zeigen kletterten zeitweise um fünf Prozent und zählten damit zu den Spitzenreitern im Dax. Mit einem Kurs über 20 Euro notieren die Papiere aktuell wieder auf dem Niveau von Anfang Dezember. Zum Vergleich: Die Krise in der Stahlindustrie, ausgelöst durch chinesische Billigimporte, hatte die Aktie Mitte Februar bis auf 12,56 Euro fallen lassen.

Angesichts des andauernden Preisdrucks stehen die Stahlunternehmenin Europa stark unter Druck. Zuletzt hatte sich die Situation durch einen deutlichen Anstieg der Einfuhren aus Chinanoch verschärft. Am Montag waren bis zu 45.000 Arbeiter auf die Straße gegangen, um auf den drohenden Verlust ihrer Arbeitsplätze aufmerksam zu machen.

Die "Rheinischen Post" berichtete, ThyssenKrupp und Tata Steel spielten auf höchster Ebene verschiedene Szenarien für eine Kombination durch. Auch am verlustreichen ThyssenKrupp-Stahlwerk in Brasilien haben die Inder demnach großes Interesse. Eine Einigung stehe aber nicht unmittelbar bevor.

"Wir haben diese Berichte gegenüber den Medien nicht kommentiert, weil dazu aus unserer Sicht kein Anlass besteht", erklärte ThyssenKrupp-Chef Heinrich Hiesinger in einem Schreiben an die Mitarbeiter. Der Manager betonte, dass angesichts der weiter schwierigen Lage der Branche eine Konsolidierung der europäischen Stahlindustrie "ein möglicher Schritt nach vorne" sein könne. "Ob, wann und unter Beteiligung welcher Unternehmen es aber zu einer solchen Konsolidierung kommt, ist völlig unklar", schrieb Hiesinger weiter. "Wenn es dazu kommt, dann wollen wir bei ThyssenKrupp in der Lage sein, uns aktiv und aus einer Position der Stärke heraus daran zu beteiligen."

Betriebsrat pocht auf Mitsprache

"Ich halte das immer noch für eine Spekulation", sagte der Gesamtbetriebsratschef von ThyssenKrupp Steel Europe, Günter Back, der Nachrichtenagentur Reuters zu dem aktuellen Bericht. "Wer glaubt, in irgendwelchen Hinterzimmern an der Belegschaft vorbei Fusionen planen zu können, der wird eines Besseren belehrt." Sollte es Überlegungen zu einem Zusammenschluss geben, müssten der Betriebsrat und der Aufsichtsrat im Zuge der Mitbestimmung eingebunden werden. "Wir müssen wissen, welche Risiken auf uns zukommen."

Eine Variante für einen Zusammenschluss sieht der "Rheinischen Post" zufolge vor, die europäischen Stahlgeschäfte von ThyssenKrupp und Tata an einem Gemeinschaftsunternehmen zu beteiligen und dieses an die Börse zu bringen. Gewerkschaften und Politik seien in die Gespräche eingebunden. Denkbar sei auch eine Dreier-Allianz mit Salzgitter.

Angesichts von Konkurrenz und Überkapazitäten laufen in der Branche dem Vernehmen nach diverse Gespräche über mögliche Allianzen, etwa um Kosten zu sparen.

Immer wieder tauchen dabei auch Spekulationen über einen Zusammenschluss der beiden größten deutschen Stahlhersteller ThyssenKrupp und Salzgitter auf. Manager von Salzgitter Chart zeigen haben solche Gerüchte erneut zurückgewiesen. Auch Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) steht einem solchen möglichen Zusammenschluss skeptisch gegenüber. "Ich gebe offen zu: Ich bin kein großer Freund der Idee einer "Deutschen Stahl AG", weil die Konsequenz vermutlich wäre, dass Arbeitsplätze in unserer Industrie wegfallen, obwohl die ineffizienten Stahlwerke im Ausland stehen", sagte er der "Westdeutschen Allgemeinen Zeitung".

mmq/Reuters/dpa



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