Ertragsperle Thyssenkrupp verkauft Aufzugsparte an Finanzinvestoren

Der Industriekonzern Thyssenkrupp hat seine Ertragsperle verkauft: Die Aufzugsparte geht an ein Konsortium, zu dem auch die Essener RAG-Stiftung gehört.
Fahrstuhl in Thyssenkrupps Testturm: Der Konzern will sich rückbeteiligen

Fahrstuhl in Thyssenkrupps Testturm: Der Konzern will sich rückbeteiligen

Foto: Michaela Rehle/ REUTERS

Die Aufzugsparte des angeschlagenen Stahl- und Industriekonzerns Thyssenkrupp geht vollständig an ein Konsortium um die Finanzinvestoren Advent und Cinven sowie der Essener RAG-Stiftung. Der Kaufpreis beträgt 17,2 Milliarden Euro. Das teilte Thyssenkrupp in Essen mit.

Für einen Teil des Verkaufspreises in Höhe von 1,25 Milliarden Euro will Thyssenkrupp wieder Anteile am verkauften Aufzuggeschäft erwerben. Die Transaktion stehe unter dem Vorbehalt fusionskontrollrechtlicher Genehmigungen, man erwarte aber keine Bedenken der zuständigen Behörden, heißt es in der Mitteilung weiter. Mit dem Geld will das Unternehmen Schulden abbauen und den geplanten Konzernumbau finanzieren.

Den Konzern drücken Nettofinanzschulden von sieben Milliarden Euro und Pensionsverpflichtungen von neun Milliarden Euro. Thyssenkrupp hatte daher im vergangenen Jahr einen Börsengang oder Verkauf des Aufzuggeschäfts angekündigt - der einzigen Ertragsperle des Konzerns.

Weltweit beschäftigt Thyssenkrupp Elevator rund 53.000 Mitarbeiter, fast ein Drittel aller Beschäftigten. Während die Stahlsparte tief in den roten Zahlen steckt, erzielte Thyssenkrupp mit dem Verkauf und der Wartung von Aufzügen und Rolltreppen allein im ersten Quartal des laufenden Geschäftsjahres einen operativen Gewinn von 228 Millionen Euro.

Fotostrecke

Thyssenkrupp: Abstieg eines Giganten

Foto: Marcel Kusch / DPA

Thyssenkrupp hatte zunächst einen Börsengang der Aufzugsparte vorbereitet, der mit dem Verkauf an die Finanzinvestoren abgesagt wird. Zuletzt war neben dem nun erfolgreichen Konsortium noch eine Gruppe aus Blackstone, Carlyle und dem Canada Pension Plan Investment Board im Rennen. Der finnische Konkurrent Kone war in der vergangenen Woche ausgestiegen. Dieser hatte rund 17 Milliarden Euro geboten. Die Finanzinvestoren hatten Insidern zufolge knapp 16 Milliarden offeriert.

Bei Thyssenkrupp hat sich in den vergangenen Monaten die Lage immer stärker zugespitzt. Die lange vorbereitete Fusion der Stahlsparte mit dem europäischen Zweig des indischen Stahlkonzern Tata war von der EU-Kommission untersagt worden. Eine Aufspaltung des Konzerns in zwei Aktiengesellschaften wurde darauf abgesagt. Vorstandschef Guido Kerkhoff musste nach nur gut einem Jahr sein Amt abgeben. Im Oktober wechselte dann die Aufsichtsratsvorsitzende Martina Merz als Interimschefin an die Spitze des Vorstands. Nach dem Verkauf der Aufzugsparte soll der traditionsreiche Stahl wieder zum Kerngeschäft von Thyssenkrupp werden.

brt/dpa/Reuters
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.