Gescheiterter Konzernumbau Thyssenkrupp will 6000 Arbeitsplätze streichen

Kündigungen möglich: Der Industriekonzern Thyssenkrupp will 6000 Stellen abbauen - 4000 davon in Deutschland. Das sagte Vorstandschef Guido Kerkhoff, nachdem eine Aufspaltung des Unternehmens gescheitert ist.
Hochöfen von Thyssenkrupp in Duisburg-Bruckhausen

Hochöfen von Thyssenkrupp in Duisburg-Bruckhausen

Foto: Arnulf Stoffel/ DPA

Nach dem Platzen der Stahlfusion mit dem indischen Konkurrenten Tata hat der Industriekonzern den Abbau Tausender Arbeitsplätze angekündigt. 6000 Stellen sollten wegfallen, 4000 davon in Deutschland, sagte Vorstandschef Guido Kerkhoff. Statt der Aufteilung des Traditionsunternehmens in zwei Teile hat der Vorstand dem Aufsichtsrat nun einen Börsengang des lukrativen Aufzuggeschäfts vorgeschlagen.

Thyssenkrupp-Chef Kerkhoff will mit dieser radikalen Kehrtwende den kriselnden Konzern stabilisieren. "Thyssenkrupp wird sich stattdessen grundlegend neu ausrichten, um die operative Leistungsfähigkeit entscheidend zu verbessern", teilte der Konzern nach der gescheiterten Aufspaltung mit.

Die Holding soll schlanker aufgestellt und die Verwaltungskosten deutlich gesenkt werden. Da es sich um "tiefgreifende Einschnitte" handle, könnten betriebsbedingte Kündigungen nicht ausgeschlossen werden, sagte Personalvorstand Oliver Burkhard. In der Gesamtzahl der zu streichenden Arbeitsplätze seien 2000 Stellen enthalten, die auch bei der Stahlfusion mit Tata gestrichen werden sollten. "Es ist ein recht tiefgreifender Einschnitt", sagte Burkhard.

Überkapazitäten in der Stahlbranche und schwierige Gemengelage im Konzern

Thyssenkrupp hatte zuvor erklärt, dass die Fusion wegen Bedenken der EU-Kommission wohl nicht genehmigt worden wäre - und hat die geplante Aufspaltung des Unternehmens abgesagt. Kerkhoff zeigte sich enttäuscht und sprach von einem Rückschlag. Bei Thyssenkrupp gibt es nach Unternehmensangaben 27.000 Stahlarbeiter, die Fusion mit Tata hätte ihnen eine Perspektive gegeben.

Nun muss Thyssenkrupp wohl allein mit den Problemen klarkommen: Die Branche brauche eine Konsolidierung, sagte Konzernchef Kerkhoff. So leide die Stahlindustrie unter erheblichen Überkapazitäten. Zu der Geschäftslage deutete er bereits an, diese liege unter den Erwartungen und sprach von einem "schwachen ersten Halbjahr". Thyssenkrupp will seine Zahlen für das zweite Quartal am Dienstag vorlegen.

Die Gemengelage im Unternehmen macht durchgreifende Veränderungen schwer. Neben den mächtigen Arbeitnehmervertretern und der IG Metall sind der Finanzinvestor Cevian mit einem Anteil von rund 18 Prozent und die Krupp-Stiftung mit 21 Prozent wichtige Player, die in Fragen der Strategie nicht immer einer Meinung sind.

Aktienkurs schießt in die Höhe

Die Thyssenkrupp-Aktie   schoss nach Bekanntgabe des Stopps der Aufspaltung in der Spitze um mehr als 20 Prozent in die Höhe. Die Aufzugsparte, an der der finnische Konkurrent Kone Interesse angemeldet hatte, werde höher bewertet als der ganze Thyssenkrupp-Konzern, sagte Kerkhoff.

Die Arbeitnehmervertreter fordern nun ein klares Zukunftskonzept. "Herr Kerkhoff hat die Strategie der Teilung vor acht Monaten selbst vorgeschlagen. Wenn das jetzt nicht mehr funktionieren soll, dann muss er uns das schon erklären", sagte Vize-Aufsichtsratschef und IG Metall-Sekretär Markus Grolms. Eine grundlegende Neuausrichtung sei nun unausweichlich. "Der Weg nach vorne muss endlich tragfähig sein, aber es muss fair zugehen. Die Beschäftigten haben dieses ganze Hick Hack nicht zu verantworten."

Guido Kerkhoff

Guido Kerkhoff

Foto: Rolf Vennenbernd/ dpa

Durch den Zusammenschluss wäre Europas zweitgrößter Stahlkonzern mit rund 48.000 Mitarbeitern und Werken in Deutschland, Großbritannien und den Niederlanden entstanden. Ziel von Thyssenkrupp war es, sich von dem stark schwankungsanfälligen Stahlgeschäft weitgehend zu verabschieden. Erwartet wurden jährlich wiederkehrende Einsparungen in Höhe von 400 bis 500 Millionen Euro.

apr/Reuters/dpa