Tiefrote Bilanz Commerzbank leidet unter Hellas-Anleihen

Der geplante Schuldenschnitt für Griechenland hat die Commerzbank im abgelaufenen Quartal tief in die Verlustzone gerissen. Das Institut schrieb fast 800 Millionen Euro auf Anleihen ab. Das Gewinnziel für das kommende Jahr ist kein Thema mehr.
Commerzbank-Zentrale in Frankfurt am Main: Griechen-Krise reißt Loch in die Bilanz

Commerzbank-Zentrale in Frankfurt am Main: Griechen-Krise reißt Loch in die Bilanz

Foto: Arne Dedert/ dpa

Frankfurt am Main - Selbst Experten hatten nicht mit einem so hohen Verlust gerechnet: Die Commerzbank hat im dritten Quartal unterm Strich ein Minus von 687 Millionen Euro verbucht. Vor allem neue Abschreibungen auf Griechenland-Anleihen rissen das Loch in die Bilanz, teilte das Institut mit. Die Commerzbank   schrieb ihre griechischen Staatsanleihen nochmals um 798 Millionen Euro ab, sie stehen nun noch mit 1,4 Milliarden Euro - das sind 48 Prozent des Nominalwerts - in der Bilanz.

Angesichts der tiefroten Zahlen kassierte das Institut sein Gewinnziel für 2012 auf. Die Bank werde die angepeilten vier Milliarden Euro Gewinn vor Steuern " aufgrund der Marktgegebenheiten noch nicht im nächsten Jahr erreichen können", sagte Vorstandschef Martin Blessing.

Bereits im zweiten Quartal hatte das Institut ein Viertel des Werts der Griechenland-Anleihen abgeschrieben und dafür eine Belastung von 760 Millionen Euro verbucht. Grund für die neue Abwertung ist der Plan des Euro-Gipfels der vergangenen Woche, wonach Banken Griechenland freiwillig die Hälfte der Schulden erlassen sollen.

Vor einem Jahr hatte die zweitgrößte deutsche Bank noch 113 Millionen Euro verdient. Inzwischen bekommt sie die Turbulenzen an den Märkten aber auch im Kerngeschäft zu spüren. Vor allem im Investmentbanking läuft es schlecht.

Commerzbank streicht risikoreiche Geschäfte

Nach der Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers musste die Commerzbank in der Finanzkrise mit Milliarden Steuergeldern gerettet werden. Vorstandschef Blessing sagte angesichts der aktuellen Krise, die Bank wolle trotz der verschärften Eigenkapitalanforderungen der EU ohne Staatshilfen auskommen. Um die härteren Kapitalauflagen zu erfüllen, sollen nicht zum Kerngeschäft gehörende Finanzierungen so schnell wie möglich abgebaut werden und Finanzbeteiligungen verkauft werden.

Das Kreditneugeschäft der Bank ohne Verbindung zu Deutschland beziehungsweise Polen sowie beim Immobilienfinanzierer Eurohypo soll zeitweise eingestellt werden. "Jetzt beschleunigen wir die Risikoreduzierung noch einmal", sagte Finanzvorstand Eric Strutz. Der Online-Broker Comdirect und die polnische BRE Bank stünden aber nicht zur Disposition, hieß es. Zuletzt wurde darüber spekuliert, ob sich die Bank von den beiden profitablen Töchtern trennen könnte, um schnell an Geld zu kommen.

Neben der Zurückhaltung beim Neugeschäft will die Bank die Gewinne weiter einbehalten und die Kosten weiter drücken. "So werden beispielsweise auch alle externen Beratungsleistungen und eingekaufte Serviceleistungen auf den Prüfstand gestellt", teilte die Bank mit.

Bank hat 13 Milliarden Euro in Schuldenstaaten investiert

Zudem will die Commerzbank Risiken mindern, indem sie Staatsanleihen von Schuldenstaaten abbaut. Seit Jahresbeginn habe sie das Engagement in Anleihen von Griechenland, Italien, Irland, Portugal und Spanien um mehr als 20 Prozent auf 13 Milliarden Euro gesenkt, teilte die Bank mit. Der Abbau solle in den kommenden Monaten fortgesetzt werden.

Ende September hatte die Bank noch 7,9 Milliarden in italienischen Staatspapieren investiert, drei Monate zuvor waren es noch 8,7 Milliarden. Das Engagement in Portugal blieb hingegen bei 900 Million Euro, in Spanien ging es nur leicht auf 2,8 Milliarden zurück. In Irland hat die Commerzbank kein Risiko.

mmq/Reuters/dpa-AFX
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