Tiger Woods Wissenschaftler errechnen Milliardenverluste für Sponsoren

Der Rückzug von Golf-Ikone Tiger Woods vom aktiven Geschäft könnte seine Sponsoren viel Geld kosten. Wissenschaftler an der Universität Berkeley taxieren allein die Börsenverluste seiner Vertragspartner in diesem Zusammenhang auf bis zu zwölf Milliarden Dollar.

Golf-Ikone Woods mit Elin Nordegren: Zugpferd für eine ganze Zunft
Getty Images

Golf-Ikone Woods mit Elin Nordegren: Zugpferd für eine ganze Zunft


Berkeley - Ihrer Rechnung legten die Wissenschaftler der Universität von Kalifornien eine einfache Formel zugrunde: Sie beobachteten den Verlauf der Börsenkurse der Sponsoren an 13 Handelstagen nach dem ominösen Autounfall des legendären Golfers und dem anschließenden Geständnis auf seiner Homepage, seine Frau wiederholt betrogen zu haben.

Die Werte wurden in Relation zur allgemeinen Marktentwicklung und gewöhnliche Kursschwankungen gesetzt. Dass die Sponsoren zum Teil Tochterfirmen größerer Konzerne sind, berücksichtigten die Forscher, indem sie eine weite Spanne wählten, in der der wahre Wert liegen könnte. Das Ergebnis: Der teuerste Sportler der Welt könnte durch den Verlust seines Saubermann-Images zwischen fünf und zwölf Milliarden Dollar an Börsenwerten der Sponsoren vernichtet haben.

Der Weltranglistenerste hatte am 27. November mit seinem nächtlichen Autounfall vor seiner Haustür in Florida Spekulationen über sein Privatleben ausgelöst, die er am 11. Dezember mit einem Untreue-Geständnis gegenüber seiner Frau Elin Nordegren und seinen zwei Kindern beendete. Seitdem hat sich Woods nicht mehr in der Öffentlichkeit präsentiert und eine unbegrenzte Auszeit vom Golf genommen.

Woods dominiert nicht allein auf dem Platz

Zwar stellt sich mit Fug und Recht die Frage, wie es den Ökonomen in Berkeley gelungen ist, die unzähligen Faktoren, die den Verlauf von Börsenkursen beeinflussen, auseinanderzusortieren und diejenigen auszuwählen, die in einen eindeutigen Zusammenhang mit dem öffentlichen Geständnis Woods' stehen. Der verbliebenen Unsicherheit tragen sie zwar mit der weiten Spanne der Verlustschätzung Rechnung, doch ein Restzweifel bleibt.

Gleichwohl sollte man die Studie nicht voreilig als akademische Spinnerei abtun. Denn die Rolle, die der Supersportler für den Golfsport spielt, liefert immerhin einen Hinweis für die Plausibilität der Rechnung. Denn Woods dominiert nicht allein auf dem Platz. Dank seiner charismatischen Persönlichkeit gilt er als Zugpferd für seine Zunft schlechthin. In keiner anderen Disziplin lässt sich das gewaltige Zuschauerinteresse so eindeutig auf einen Sportler zurückführen. Entsprechend groß ist auch die Bedeutung Woods' als Werbeträger für seine Sponsoren.

Wie massiv die Auswirkungen wären, wenn Woods endgültig aufhörte, zeigt schon der Zuschauerverlust in den neun Monaten nach seiner verletzungsbedingten Pause nach den US Open 2008: Die Schläge der anderen wollten in dieser Zeit lediglich noch 45 Prozent der Golffans verfolgen.

Golffinals mit Rekordquoten

Umgekehrt erreichten die Einschaltquoten von CBS und NBC in den vergangenen Jahren im Schnitt einen Anstieg um 111 Prozent, wenn Woods am Schlusstag eines Turniers um den Sieg mitspielte. Das Finale bei den US Open im Jahr 2008 schlug in seinen Quoten sogar das zeitgleich stattfindende Finale der amerikanischen Basketballliga NBA. Kein Wunder also, dass die Sender, die mit von der Partie sein wollten, Unsummen für die Übertragungsrechte bezahlten.

Nach dem Abschied von Woods dürfte die Zeit der Pokerspieler in den Sendeanstalten anbrechen. So mancher Verantwortliche, der jetzt zu günstigen Bedingungen einsteigt, hofft wahrscheinlich auf ein baldiges Comeback - ganz nach dem Vorbild des Serien-Formel-1-Weltmeisters Michael Schumacher.

Dazu gehört auch der deutsche Bezahlsender Sky. Die Münchner einigten sich mit der US PGA Tour über einen Dreijahresvertrag von 2010 bis 2012. Er beinhaltet nach Sky-Angaben Live-Übertragungen von jährlich mehr als 40 Golfveranstaltungen.

mik/dpa



insgesamt 92 Beiträge
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Klapperschlange 05.12.2009
1.
Zitat von sysopTiger Woods, seit Jahren Inbegriff der aussterbenden Gattung Gentleman-Sportler, ist nach privaten Turbulenzen plötzlich Freiwild in den Niederungen des Boulevards. Ein Mann, dem die Privatsphäre alles gilt, soll nun Details seines Ehelebens öffentlich machen. Wird die Affäre seinem Ruf nachhaltig schaden?
Eindeutiges nein! Nach wie vor und jetzt vielleicht sogar verstärkt gilt er als der Welt bester "Einlocher"!
saul7 05.12.2009
2. Eine
Zitat von sysopTiger Woods, seit Jahren Inbegriff der aussterbenden Gattung Gentleman-Sportler, ist nach privaten Turbulenzen plötzlich Freiwild in den Niederungen des Boulevards. Ein Mann, dem die Privatsphäre alles gilt, soll nun Details seines Ehelebens öffentlich machen. Wird die Affäre seinem Ruf nachhaltig schaden?
Gegenfrage: Hat der Seitensprung des amerikanischen Präsidenten Bill Clinton und seine Schwindeleien darum dem Präsidenten geschadet, hat die "Besenkammer-Affaire" von uns "Bobele" dem BumBum-Becker geschadet ? Wohl kaum. Beide geniessen heute immer noch ihre ungebrochene Publizität.
Brieli 05.12.2009
3.
Zitat von saul7Gegenfrage: Hat der Seitensprung des amerikanischen Präsidenten Bill Clinton und seine Schwindeleien darum dem Präsidenten geschadet, hat die "Besenkammer-Affaire" von uns "Bobele" dem BumBum-Becker geschadet ? Wohl kaum. Beide geniessen heute immer noch ihre ungebrochene Publizität.
Oder die gefühlten 34 Ehen der Herren Schröder, Beckenbauer, Fischer ... Das interessiert letztendlich keinen.
ray4901 05.12.2009
4. Und Roger?
Zitat von sysopTiger Woods, seit Jahren Inbegriff der aussterbenden Gattung Gentleman-Sportler, ist nach privaten Turbulenzen plötzlich Freiwild in den Niederungen des Boulevards. Ein Mann, dem die Privatsphäre alles gilt, soll nun Details seines Ehelebens öffentlich machen. Wird die Affäre seinem Ruf nachhaltig schaden?
Vergesst nicht, dass für die Gillette Rasierer nach dem Absturz von Tiger und Henry mindestens der Roger übrig bleibt. Der versucht sauber zu bleiben. Seine Familie begleitet ihn im Privatjet überall hin.
attila123 10.12.2009
5.
Zitat von saul7Gegenfrage: Hat der Seitensprung des amerikanischen Präsidenten Bill Clinton und seine Schwindeleien darum dem Präsidenten geschadet, hat die "Besenkammer-Affaire" von uns "Bobele" dem BumBum-Becker geschadet ? Wohl kaum. Beide geniessen heute immer noch ihre ungebrochene Publizität.
Na, ja. Bei Clinton vielleicht. Aus dem geliebten Bobbele wurde aber mit jeder neuen Wohstandsnutte irgendwann der abgehalfterte Porno-Becker und mein Respekt ging flöten. Prinzipiell ist ja nichts dagegen einzuwenden, dass man als wohlhabender Sportsmann alles flachlegt, was bei 3 nicht auf den Bäumen ist und mitnimmt was geht. Aber warum muss das immer in der Öffentlichkeit geschehen und warum legt man sich dann eine Familie zu?
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