Produktion von Tischtennisbällen Ostfriesland fordert China heraus

Eigentlich stellt die Weener Plastik GmbH Deo-Roller her. Doch nun will die Firma aus Ostfriesland im großen Stil in die Produktion von Tischtennisbällen einsteigen - und greift damit Konkurrenten in China an.

Tischtennisball aus Weener: China bekommt Konkurrenz
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Tischtennisball aus Weener: China bekommt Konkurrenz


In Sachen Tischtennis lassen sich Sportler aus China nichts vormachen. Gegen die Top-Spieler aus der Volksrepublik haben die deutschen Tischtennis-Profis kaum Chancen. Doch beim Material droht nun Konkurrenz aus Deutschland - genauer gesagt aus Ostfriesland. Denn die Weener Plastik GmbH will im großen Stil in die Herstellung der kleinen weißen Bälle einsteigen.

Die Firma aus Niedersachsen will dabei das Ende der Ära der Zelluloid-Bälle nutzen, um in den bislang chinesisch dominierten Markt einzusteigen. Die Kugeln aus Zelluloid sind leicht entflammbar und werden als Gefahrgut ausgeliefert. Sie werden nur noch in China gefertigt. Der Tischtennis-Weltverband ITTF setzt langfristig auf Plastikbälle.

Und hier kommt das Unternehmen aus Weener mit weltweit 2000 Mitarbeitern ins Spiel. Die Kunststoff-Firma will in ihrem Werk nahe der niederländischen Grenze bald die Serienproduktion der Plastikbälle starten. Dass das Unternehmen überhaupt auf die Idee mit den Tischtennisbällen kam, liegt an einem anderen Produkt: dem Deo-Roller. Der Verpackungsspezialist stellt unter anderem die dafür nötigen Teile her, indem zwei Plastik-Halbkugeln miteinander verbunden werden.

"Tischtennisbälle sind natürlich komplexer als eine Deo-Kugel", räumt Matthias Prox von Weener Plastik ein, "die müssen ja auch vernünftig fliegen". Doch in beiden Fällen seien eine gleichmäßige Form und Materialstärke wichtig.

Tischtennisball neben Deo-Roller-Kugel: Eine neue Idee aus einem alten Produkt
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Tischtennisball neben Deo-Roller-Kugel: Eine neue Idee aus einem alten Produkt

Unter einer eigenen Marke ließ das Unternehmen beim Tischtennis-Weltverband ITTF einen Ball zertifizieren, vor vier Monaten kam die Anerkennung. Der Weltverband listet Weener Plastik als derzeit einzigen europäischen Hersteller neben einem japanischen und drei chinesischen. Laut der ITTF-Materialkommission sind mittlerweile rund 40 Prozent der zugelassenen Bälle aus Plastik.

Während die technischen Herausforderungen bei der Herstellung offenbar überwunden sind, muss das Unternehmen aber noch einen juristischen Kampf ausfechten. Die Firma hat im März 2013 ein Patent für einen zelluloidfreien Tischtennisball angefochten, eine Entscheidung liegt jedoch noch nicht vor. Die unklare Situation hält aber keinen der weltweit fünf großen Hersteller vom Produzieren ab. "Zur neuen Saison sind unsere Bälle am Markt", zeigt sich Weener-Plastik-Manager Prox zuversichtlich.

Bedarf dürfte es geben. Laut einer Einschätzung des Deutschen Tischtennisbunds (DTTB), wird der Plastikball die Zelluloidkugel in etwa zwei Jahren verdrängt haben. Auf internationaler Ebene wird seit Juli 2014 nur noch mit dem Plastikball Tischtennis gespielt.

Peter Ringel, dpa



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leser008 14.07.2015
1. Kranke Patente
Dass man sich sowas wie einen Plastikball überhaupt als Patent eingetragen bekommt, zeigt wie überzogen der Schutzbegriff mittlerweile angewandt wird. Tischtennisbälle gibts wohl seit 100 Jahren. Da gibts nichts mehr zu schützen. Und das Material ist wohl eher eine Frage der Zertifizierung, Haltbarkeit. Und Zelluloid gehört einfach verboten.
QPDO 14.07.2015
2. Kranke Leser
Der Zwang zu nörgeln scheint so groß zu sein, dass das essentielle patentrechtliche Problem verkannt wird. Das Patent beschreibt, ich stelle hier eine Vermutung an, einen Ball aus ungefährlichem Kunststoff, der geeignete Eigenschaften für eine internationale zertifizierung hat, und das Verfahren diesen Ball herzustellen. wie im artikel erwähnt, wird der Ball ja aus zwei Hälften kombiniert. Wer schon mal gelötet, geschweisst oder genäht hat, weiß, dass das Material, welches eine Verbindung herstellt, meistens dafür sorgt, dass die Verbindugnstelle dicker oder dichter ist als die Umgebung. Dies führt zu einer Unwucht, die eben vermieden werden soll. Aber leser008 kann ja gerne mal das Verfahren erläutern, wie er eine Hohlkugel aus Plastik mit gleichmäßig dicker Wandung herstellen würde.
ingenieur-aus-überzeugung 14.07.2015
3. Siehe da.....
hat jemand keine Ahnung von Patenten. Aber mal nen Komentar raushauen. Patente sind dafür da, geistiges Eigentum zu schützen. Nur durch Patente ist sichergestellt, dass Firmen in Neuentwicklungen investieren. Ein erteiltes Patent zeigt, das es einen Erfinder gab. Jemand hat also ein Lösung gefunden, häufig einen Wiederspruch aufgelöst. Und ich bin sicher bei der Herstellung eines TT-Ball gibt es zig Wiedersprüche aufzulösen. Schön, dass es Ingenieure gibt. Den diese Berufsgruppe ist da ganz vorne. Dem Erfinder winken dann ordentliche Erträge aus der Vermarktung des Patentes. Gut so. Den bezahlt wird man für ein Leistung. Erfindungen kann man nicht Erarbeitet nennen. Zum Glück haben wir in D das Arbeitnehmererfindergesetzt, der das vernünftig regelt.
horace_h 14.07.2015
4.
@leser008: Sie wissen doch gar nicht, worum es in diesem Patent geht, es könnte auch ein Herstellungsverfahren für Plastikbälle sein, durch welches die Flugeigenschaften positiv beeinflusst werden oder der Herstellungsaufwand reduziert wird. Klingt erstmal vielleicht komisch, aber Schutzrechte haben einen Volkswirtschaftlichen Sinn, auch wenn es Ihnen vielleicht nicht auffällt.
Beauregard 14.07.2015
5. krankes Sicherheitsbedürfnis
Zelluloid ist möglicherweise wesentlich umweltfreundlicher als Plastikbälle, die wahrscheinlich auch noch aus PVC gefertigt werden. Das sie leicht brennen, meine Güte, vielleicht sollte man Streichhölzer gleich mit verbieten?
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