Protest gegen Fleischfabrik Aktivisten besetzen Tönnies-Schlachthof

Nach dem Corona-Ausbruch im Tönnies-Werk in Rheda-Wiedenbrück reißt die Kritik an dem Fleischverarbeiter nicht ab. Am Samstag haben Aktivisten den Hauptstandort für mehrere Stunden besetzt.
Aktivistinnen vom Bündnis "Gemeinsam gegen die Tierindustrie" in der Einfahrt der Firma Tönnies in Rheda-Wiedenbrück, Nordrhein-Westfalen

Aktivistinnen vom Bündnis "Gemeinsam gegen die Tierindustrie" in der Einfahrt der Firma Tönnies in Rheda-Wiedenbrück, Nordrhein-Westfalen

Foto: Guido Kirchner/ dpa

Knapp 100 Aktivistinnen und Aktivisten haben am Hauptstandort des Fleischverarbeiters Tönnies in Nordrhein-Westfalen gegen Massentierhaltung protestiert. Vier Teilnehmer besetzten zeitweise das Dach des Betriebs und brachten dort ein Transparent mit der Aufschrift "Shut Down Tierindustrie" an. Außerdem blockierten sie die Hauptzufahrt der Fleischfabrik und verlangten auf Transparenten die Schließung von Schlachthäusern sowie ein "Ende der Ausbeutung von Mensch, Tier, Natur". Zu dem Protest hatte das Bündnis "Gemeinsam gegen die Tierindustrie" aufgerufen.

In einer Erklärung forderte das Bündnis, der aktuell stillgelegte Schlachthof müsse dauerhaft geschlossen bleiben.

Der Fleischverarbeiter Tönnies hatte in den vergangenen Wochen Schlagzeilen gemacht, weil dort mehr als 1500 Mitarbeiter mit dem Coronavirus infiziert worden waren. Die Bevölkerung in den Kreisen Gütersloh und Warendorf hatte deshalb erneut weitgehende Einschränkungen des Alltags hinnehmen müssen. Die Einschränkungen im Kreis Gütersloh gelten noch bis zum 7. Juli.

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Foto: Guido Kirchner/ dpa

Söder fordert "mehr Agrar-Ökologie"

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) forderte derweil mehr Geld für die Landwirtschaft, "aber für eine Wende hin zu mehr Agrar-Ökologie" statt "Agrar-Kapitalismus". Die Landwirte müssten mehr Möglichkeiten bekommen, ihre Ställe und das Tierwohl zu organisieren und trotzdem wirtschaftlich zu bleiben. Viele Bürger seien auch bereit, dann mehr Geld auszugeben. "Es soll so sein, dass Fleisch nicht unendlich teuer wird, es soll für jeden erschwinglich sein."

Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) kündigte gegenüber der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" erneut an, gegen Fleischbilligangebote vorgehen zu wollen. "Es gibt kein Recht auf tägliches Billigfleisch", sagte Klöckner. Sie lasse derzeit juristisch prüfen, inwieweit es möglich ist, der Werbung mit Lockangeboten beim Fleisch Einhalt zu gebieten.

Tierschützer zweifeln jedoch an der Ernsthaftigkeit dieser Ankündigungen. Zuletzt sorgte etwa eine Novelle der Tierschutz-Nutztierverordnung für Kritik, die dazu führt, dass die grausame Kastenstandhaltung von Zuchtsauen acht weitere Jahre stattfinden darf. Der Bundesrat stimmte der Novelle zu, Klöckners Vorschlag hatte noch längere Übergangsfristen vorgesehen.