Bloomberg-Bericht Familie Tönnies prüft angeblich Verkauf ihres Fleischkonzerns

Wollen die Fleischbarone Clemens und Robert Tönnies ihren Konzern verkaufen? Laut einem Medienbericht könnten Konkurrenten wie Tyson Foods oder JBS ein Milliarden-Angebot abgeben.
Clemens Tönnies, einer der Haupteigentümer des Fleischkonzerns Tönnies

Clemens Tönnies, einer der Haupteigentümer des Fleischkonzerns Tönnies

Foto: Rolf Vennenbernd/ picture alliance/dpa

Die Tönnies-Eignerfamilie prüft laut einem Agenturbericht einen milliardenschweren Verkauf ihres Fleischkonzerns. Dieser könnte dabei mit rund vier Milliarden Euro bewertet werden, berichtete die Nachrichtenagentur Bloomberg am Donnerstag unter Berufung auf mit dem Vorgang vertraute Personen.

Gespräche mit möglichen Bietern könnten in den nächsten Wochen beginnen, so der Bericht. Unter anderem würden die Konkurrenten Tyson Foods, JBS SA und die chinesische WH Group als Interessenten angesehen. Eine endgültige Entscheidung gebe es demnach aber noch nicht. Haupt-Eigner des Konzerns sind Clemens und Robert Tönnies, die sich bei einem Verkauf von ihren Anteilen trennen wollten, hieß es.

Kein Kommentar von Tönnies

»Wir werden solche Marktgerüchte nicht kommentieren«, erklärte ein Tönnies-Sprecher gegenüber dem SPIEGEL. »Der Markt ist in Bewegung«, sagte ein Brancheninsider gemäß der Nachrichtenagentur Reuters. Es sei kein Geheimnis, dass der US-Konzern Tyson in Europa expandieren wolle.

Tönnies hatte eigenen Angaben zufolge mit mehr als 16.000 Mitarbeitern im Jahr 2019 einen Umsatz von 7,3 Milliarden Euro eingefahren. Im Kerngeschäft befasst sich das 1971 gegründete Unternehmen mit der Schlachtung, Zerlegung sowie Verarbeitung von Schweinen und Rindern. Tönnies mit Sitz in Rheda-Wiedenbrück in Nordrhein-Westfalen war nach einem Corona-Ausbruch im Stammwerk im vergangenen Jahr in die Schlagzeilen geraten. Über 1500 Mitarbeiter hatten sich mit dem Virus infiziert. Auch das Prinzip der Leiharbeit  geriet daraufhin wieder verstärkt in die Kritik.

Clemens Tönnies war daraufhin Ende Juni 2020 von seinem Posten als Aufsichtsratschef des Fußball-Bundesligisten Schalke 04 zurückgetreten. »Meine Hauptaufgabe ist es, mich aktuell voll und ganz auf mein Unternehmen zu konzentrieren, es erfolgreich durch die schwerste Krise seiner Geschichte zu führen«, begründete Tönnies damals in einem Brief an den Verein den Schritt.

Zwischen Hauptaktionär Robert Tönnies und seinem Onkel Clemens Tönnies hatte es in der Vergangenheit immer wieder Streit gegeben. Unter anderem appellierte ein Konzernsprecher an Robert, »sich in der Tradition der Familie Tönnies der Sache des Unternehmens zu widmen«. Clemens Tönnies kontrolliert rund 45 Prozent der Anteile, bei Robert Tönnies liegen rund 50 Prozent. Im Konzern arbeitet auch Maximilian Tönnies, Sohn von Clemens Tönnies, der ebenfalls Gesellschafter ist. Er war unter anderem mit der Expansion in den Markt für vegetarische Lebensmittel betraut worden. Tönnies ist dort unter anderem mit dem Marken »Vevia« und »Gutfried veggie« vertreten.

caw/Reuters
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.