Blockierter Schlachthof Tönnies fordert Schadensersatz von Tierschützern

Im Oktober 2019 legten Tierschützer über Stunden den Betrieb einer Fleischfabrik von Clemens Tönnies lahm. Nach dem Willen des Konzerns soll das für die Aktivisten nun teuer werden.
Polizisten während der Räumung des Schlachthofs in Kellinghusen (Oktober 2019)

Polizisten während der Räumung des Schlachthofs in Kellinghusen (Oktober 2019)

Foto: Bodo Marks/ DPA

Nach einer Protestaktion von Klima- und Tierschützern am Tönnies-Schlachtbetrieb im vergangenen Jahr in Kellinghusen in Schleswig-Holstein fordert der Konzern 40.000 Euro Schadensersatz von der Gruppe.

Etwa 30 teils vermummte Aktivisten hatten im Oktober 2019 rund elf Stunden lang mit einer Blockade den Schlachtbetrieb verhindert. Die Polizei trug einige der Teilnehmer davon, schnitt Ketten durch, verteilte Platzverweise. Die Forderung bestätigte am Freitag ein Sprecher des Konzerns mit Sitz in Rheda-Wiedenbrück. Zuvor hatten mehrere Medien berichtet.

Deutschlands größter Schlachtkonzern Tönnies war zuletzt in die Schlagzeilen geraten, weil der Betrieb am Stammsitz in Rheda-Wiedenbrück nach einer hohen Zahl von Corona-Infizierten unter den Mitarbeitern den Betrieb rund vier Wochen stoppen musste. Mittlerweile wird wieder in zwei Schichten geschlachtet.

Ungewöhnliche Solidaritätsbekundungen vom Polizeisprecher

Die Aktion im Oktober 2019 hatte auch deshalb bundesweit für Aufsehen gesorgt, weil der zuständige Polizei-Sprecher vor Ort die Aktivisten gelobt hatte. "Persönlich finde ich das Verhalten der jungen Leute sehr gut, dass sie so mutig sich für das Tierwohl einsetzen. Infrage steht natürlich, ob das mit Straftaten einhergehen muss, aber: Grundsätzlich finde ich es sehr schön, dass die Tiere hier Anwälte gefunden haben", sagte er dem NDR.

Dafür wurde der Beamte scharf gerügt. Zwei Tage nach dem Interview gaben Schleswig-Holsteins Innenstaatssekretär Torsten Geerdts (CDU) und Landespolizeidirektor Michael Wilksen eine Pressemitteilung heraus : Pressesprecher seien zu Neutralität verpflichtet. Sympathiebekundungen für Aktionen, bei denen der Betrieb eines Schlachthofs gestört werde, "haben zu unterbleiben". Es werde sich nicht wiederholen, dass Pressesprecher nicht zwischen offiziellem Auftrag und persönlicher Meinung unterscheiden könnten.

beb/dpa
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