Tonnenweise Sondermüll Brasilien schickt Schiff nach Hamburg zurück

Illegales Geschäft mit europäischem Müll: Ein aus Hamburg kommendes Schiff hat in Brasilien tonnenweise Sondermüll abgeladen. Nun muss die Reederei 660.000 Euro Strafe zahlen - und der Abfall kommt zurück nach Deutschland.


Sao Paulo - Das Müllgeschäft ist schmutzig - und international. Eine koreanische Reederei verschifft Sondermüll aus Tschechien über einen deutschen Hafen nach Brasilien, um ihn dort illegal zu verklappen. Meist läuft alles rund, und kaum einer bekommt etwas mit von den illegalen Praktiken. Doch diesmal haben die brasilianischen Behörden durchgegriffen.

Konkret geht es um ein aus Hamburg kommendes Schiff, das in Brasilien tonnenweise Sondermüll illegal abgeladen hat. Die koreanische Reederei habe die 22 Tonnen schwere Lieferung als Plastik für eine Recycling-Anlage deklariert, tatsächlich habe die Ladung aber Rückstände von Putzmitteln und anderen Chemikalien enthalten, teilte die brasilianische Umweltbehörde am Dienstag mit.

Gegen die Reederei Hanjin Shipping sei daraufhin ein Bußgeld in Höhe von umgerechnet 660.000 Euro verhängt worden, das brasilianische Entsorgungsunternehmen müsse umgerechnet 180.000 Euro zahlen.

Der Müll soll jetzt nach Hamburg zurückgeschickt werden. Ursprünglich stammte er aus Tschechien.

wal/apn

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werner.harke 18.08.2010
1. Schmuggel hat Hochkonjunktur
Ob Waffen, Lebensmittel, Alkohol und Zigaretten und natürlich Müll: Das Geschäft blüht trotz der angeblich hohen Sicherheitsbarrieren, die in Deutschland zu überwinden sind. Da scheinen die Brasilianer einen Vorsprung zu haben. Eine Blamage für den Deutschen Zoll.
Meckerliese 18.08.2010
2. das gibts doch nicht
Wo war der Zoll bei der Abfertigung des Schiffes? Schlafen wohl selig.
Graphite 18.08.2010
3. zurück nach...
erstaml nach Deutschland und weil wir (bestimmt) zu solidarisch/bescheuert sind schicken wir den Müll nicht weiter nach Tschechien sondern lassen schön brav den deutschen Steuerzahler dafür bluten. schönen Dank auch! Imao sollte Müll überhaupt nicht international verschickt werden dürfen. Enstehungsland=Entsorgungsland
Holledauer, 18.08.2010
4. Da müssen im Vorfeld einige Behörden tief und fest geschlafen haben!
Wenn Abfälle über die Grenze transportiert werden, dann bedarf dies einer Genehmigung (Notifizierung) nach der Baseler Konvention bzw. der EU-Verbringungsverordnung, wenn dies innerhalb der EU geschieht. Offensichtlich ist dieser Transport nicht notifiziert worden. Der Hamburger Zoll (oder de tschechische) hat dann fest und tief geschlafen, dass ihm offensichtlich nicht aufgefallen ist, dass keine genehmigte Notifizierung vorlag. Eine Notifizierung wäre zudem auch schwerlich durchzuführen gewesen, da diese nur genehmigt würde, wenn es im Ursprungsland keine adäquaten Beseitigungs- oder Verwertungsanlagen gibt. Bei Plastikmüll ist das eben nicht der Fall. Der hätte ich Tschechien oder in Deutschland ohne weiteres in Müllverbrennungsanlagen beseitigt werden können. Auch ein mögliches anderes Argument zieht nicht, dass es nämlich derartige Abfälle in Brasilien nicht gäbe. Man kann im Grunde davon ausgehen, wenn Abfälle über sehr weite Strecken transportiert werden, dann stecken meist schmutzige Geschäfte dahinter. Ausnahmen gibt es natürlich, wie z.B. die Aufarbeitung PCB-haltiger Geräte. Hierfür werden höchst spezialisierte anlagen benötigt. (PCB = Polychlorierte Biphenyle. Wurden bis vor etwa 25 Jahren als schwer entflammbare Füllungen für Transformatoren verwendet.)
baschy 18.08.2010
5. .
Mehr Leute für den deutsche Zoll. Bei der Warenmasse die da täglich durch die deutschen Häfen schippert, ist "Sondermüll" wohl noch das geringste Problem. Aber auch interessant, daß die Tschechen Ihre Dreck über Deutschland schleusen, um ihn sauber zu waschen. Dann geht´s weiter nach Brasilien und da schaut wohl kaum einer hin, wenn Sachen aus Good Old Germany kommen. Denn die deutschen bringen nur Gutes.
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