Tönnies-Schließung Klöckner fordert rasche Abnahme schlachtreifer Schweine

Durch die Corona-bedingte Schließung einer Tönnies-Fleischfabrik steigt auf Bauernhöfen die Zahl schlachtreifer Schweine. Der Tierschutz leidet. Ministerin Klöckner dringt auf eine rasche Lösung.
Ein Kühlhaus des Fleischunternehmens Tönnies (Archivbild)

Ein Kühlhaus des Fleischunternehmens Tönnies (Archivbild)

Foto: Bernd Thissen/ DPA

Bundesagrarministerin Julia Klöckner dringt auf Lösungen der Schlachtbranche, um trotz geschlossener Betriebe wegen der Coronakrise die Abnahme von Tieren aus den Ställen zu sichern. "Trotz eingeschränkter Schlachtkapazitäten darf der Tierschutz auf keinen Fall vernachlässigt werden", teilte die CDU-Politikerin mit. Die Fleischwirtschaft habe zugesichert, alle Möglichkeiten auszuschöpfen, um Prozesse zu optimieren.

Weil Schlachthöfe wegen Corona-Fällen in der Belegschaft geschlossen sind oder nur eingeschränkt arbeiten, fehlen laut Ministerium aktuell etwa 14 Prozent der normalen Schlachtkapazitäten für Schweine. Dies lasse sich derzeit auffangen, indem andere Schlachthöfe einspringen. Grundsätzliche Kapazitätsengpässe gebe es nach Branchendarstellung nicht.

Klöckner will außerdem klären lassen, ob es höhere Risiken zur Übertragung des Coronavirus auch in anderen Branchen gibt, die mit Kühlung arbeiten - etwa Molkereien oder der Großhandel mit Obst und Gemüse. Die Branchen seien um Problemanalysen gebeten worden.

Nach einem großen Corona-Ausbruch war das Tönnies-Fleischwerk in Rheda-Wiedenbrück vor drei Wochen geschlossen worden. In Deutschland gibt es laut Bundesministerium 317 Schlachtbetriebe (ohne Geflügel) mit mehr als 20 Beschäftigten. Bei Schweinen schlachteten 2018 die größten zehn Unternehmen 79 Prozent von insgesamt 56,7 Millionen Tieren.

Über die Wiederaufnahme der Produktion am Tönnies-Hauptstandort ist noch keine Entscheidung gefallen. Für eine Gesamtbewertung sei es noch zu früh, sagte die Detmolder Regierungspräsidentin Judith Pirscher (FDP) nach Beratungen über ein Hygienekonzept des Unternehmens.

Die Stadt Rheda-Wiedenbrück kündigte lediglich an, dass die technischen Dienste ihren Betrieb wieder aufnehmen dürften. Darunter fallen beispielsweise das Montieren von Schutzelementen in Kantinenbereichen und Teilen der Produktion. Außerdem erfolgt die Installation einer neuen Filtertechnik.

Ein Tönnies-Sprecher sagte, man habe ein erweitertes Hygienekonzept vorgelegt. "Behörden und Unternehmen haben beide festgehalten, alles zu tun, um den Betrieb stufenweise wieder ans Laufen zu bekommen."

Unterdessen sorgte ein Fernsehteam für einen Polizeieinsatz am Privathaus von Unternehmer Clemens Tönnies in Rheda-Wiedenbrück. Nach Polizeiangaben wird nach dem Vorfall vom Dienstag wegen Hausfriedensbruchs ermittelt. Ein Tönnies-Sprecher sagte, es sei zu einer "aus unserer Sicht rechtswidrigen und äußerst abstoßenden Aktion eines Fernsehteams gekommen". Drei Personen hätten dem Gesellschafter aufgelauert und ihn in einem Auto bis zu seinem Wohnhaus verfolgt. "Dabei drangen sie mit ihrem Fahrzeug auch auf das Privatgrundstück von Herrn Tönnies ein und blockierten teilweise seinen Wagen." Sie hätten pausenlos gefilmt. Man habe Anzeige gestellt wegen Hausfriedensbruch und Nötigung.

ssu/dpa
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