Umweltschäden Ölkonzern-Chef hält Förderung in Arktis für zu riskant

Mehr als ein Fünftel der weltweiten Ölreserven liegen in der Arktis. Geht es nach dem Chef des Energieriesen Total, sollte der Rohstoff dort dennoch nicht gefördert werden. Der Schaden eines möglichen Lecks wäre schlicht zu groß - vor allem für das Unternehmensimage.

Eisberge bei Grönland: Sensible Ökologie, große Ölreserven
DPA

Eisberge bei Grönland: Sensible Ökologie, große Ölreserven


London - Sie ist für viele Ölkonzerne eine große Hoffnung, doch nun warnt der erste Chef eines Energieriesen seine Zunft vor der Ölförderung in der Arktis. Nach Einschätzung von Total-Chef Christophe de Margerie seien die Risiken einer Ölpest in einer ökologisch derart sensiblen Region schlicht zu hoch - und zwar nicht nur für die Umwelt an sich. "Ein Leck würde dem Unternehmensimage zu großen Schaden zufügen", sagte de Margerie der "Financial Times" ("FT").

Allerdings sprach sich der Total-Chef nicht grundsätzlich gegen die Ausbeutung der Reserven in der Region aus. Der Konzern betreibt selbst einige Förderprojekte für Gas in der Arktis. Lecks bei der Gasförderung seien einfacher zu bekämpfen als bei Öl, sagte de Margerie der Zeitung. Unter anderem ist Total Chart zeigen Teil eines Konsortiums, das das größte bislang unerschlossene Erdgasvorkommen - das russische Schtokman-Feld - erschließen will. Allerdings hat Partner Gazprom Chart zeigen das Vorhaben vor kurzem vorerst auf Eis gelegt. Zu hoch waren offenbar die Kosten.

Durch das Abschmelzen des Eises in Folge der Erderwärmung sind viele der gewaltigen Rohstoffvorkommen in der Polarregion zugänglich geworden - für viele Energiekonzerne eine verlockende Aussicht, da unter dem arktischen Festlandsockel etwa 90 Milliarden Barrel Öl sowie 50 Billionen Kubikmeter Gas lagern. Das ist fast ein Fünftel der weltweiten Reserven.

Dennoch bleibt die Erschließung der Vorkommen eine teure und technisch anspruchsvolle Herausforderung. In der vergangenen Woche musste Royal Dutch Shell Chart zeigen dem Bericht zufolge einen Bohrversuch vor Alaska abbrechen, weil eine Sicherheitskomponente beschädigt wurde. Und das, obwohl das Unternehmen die Bohrung sieben Jahre vorbereitet und 4,5 Milliarden Dollar investiert hatte. Im kommenden Jahr will es der Konzern erneut versuchen.

Umweltschützer begrüßten die Aussage des Total-Chefs. "Die übrige Ölindustrie sollte seine Warnung beachten", sagte Ben Ayliffe, der die Arktis-Kampagne bei Greenpeace leitet, der "FT". Gemessen am Risiko, sei es besser, wenn Unternehmen die Arktis mieden.

Der Trend geht jedoch klar in die andere Richtung: Erst vor wenigen Tagen hatten Russlands größte Energiekonzerne Rosneft Chart zeigenund Gazprom angekündigt, gemeinsam bis 2015 etwa 500 Milliarden Rubel in Förderprojekte in der Arktis investieren zu wollen, umgerechnet 12,2 Milliarden Euro.

fdi/Reuters

insgesamt 20 Beiträge
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na!!! 26.09.2012
1. Rohstoffe sind Überlebenswichtig ...
entweder wir holen sie aus freihen Gebieten oder wir beuten andere Länder aus . wir haben keine andere Wahl . Alle neue Technologie und Recycling reichen leider nicht aus . der Rohstoffhunger ist Imens und wächst weiter . Wir müssen irgendwann diese Gebiete anzapfen .
querdenker22 26.09.2012
2. Gehirnwäsche
Spätestens wenn der Sprit für die Autos knapp wird, brechen alle Umweltbedenken. Das Auto - auf die übliche Weise mit im Schnitt reichlich einer Person besetzt und im Stadtverkehr oft nicht mehr als 5 Kilometer im Einsatz - als den Fortschritt schlechthin und unbedingt erstrebenswerten Alltagsgegenstand so fest in die Köpfe gebrannt zu haben, ist die umfangreichste Gehirnwäsche, die je gelungen ist.
Trolf77 26.09.2012
3. Eine gute Nachricht.
Man kann nur hoffen, daß sich diese Einsicht auch bei anderen Firmen durchsetzt.
meerwind7 26.09.2012
4. 5 bzw. 10%
Beim Öl wären 90 Mrd. Barrel eher 10% der Reserven, nicht 20%. Bezogen auf die ursprünglich vorhanden Reserven (von denen rund die Hälfte schon verbraucht wurde) etwa 5%. Beim Gas kann es auch nicht vie
ir² 26.09.2012
5.
Zitat von sysopAPMehr als ein Fünftel der weltweiten Ölreserven liegen in der Arktis. Geht es nach dem Chef des Energieriesen Total, sollte der Rohstoff dort dennoch nicht gefördert werden. Der Schaden eines möglichen Lecks wäre schlicht zu groß - vor allem für das Unternehmens-Image. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/total-chef-warnt-vor-risiken-der-oelfoerderung-in-der-arktis-a-857969.html
Das Wort "Unternehmensimage" kennt Rosneft nicht. Das Problem ist, es gibt nicht zu wenig sondern zu viel Öl, und TOTAL möchte sich mit dieser "Saubermannkampagne" einen Konkurrenten vom Hals halten. Deutschland ist Hauptkunde von Russlands Öl und Gaskonzernen, und wenn es TOTAL gelingt in Öko-Deutschland deren Image zu beschädigen, springen vielleicht ein paar % Marktanteil für sie dabei ab.
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