Reiseanbieter Tour Vital stellt Insolvenzantrag

Zum Angebot von Tour Vital gehören Reisen in zahlreiche Länder. Aktuell jedoch sind keine Buchungen mehr möglich: Die Kölner Firma, die früher zu Thomas Cook gehörte, hat einen Insolvenzantrag gestellt.

Ostseestrand (Symbolbild): Für manche Herbstreise werden die Reiseveranstalter-Insolvenzen zum Problem
Tina Terras & Michael Walter/ Getty Images

Ostseestrand (Symbolbild): Für manche Herbstreise werden die Reiseveranstalter-Insolvenzen zum Problem


"Komfortabel und sicher die Welt entdecken", "Sicher und sorgenlos reisen in ärztlicher Begleitung": Mit solchen Versprechungen warb Tour Vital noch vor Kurzem um Kunden. Auf ihrer Website hatte die Kölner Reisefirma zum Beispiel Kreuzfahrten und Rundreisen in Ländern wie Australien, Thailand und China im Angebot.

Nun jedoch erwartet Besucher der Seite nur noch ein Texthinweis. Tour Vital teilt darin mit, einen Insolvenzantrag gestellt zu haben. Hintergrund seien die derzeitigen "Rahmenbedingungen im Reisemarkt", schreibt das Unternehmen, das bis vor knapp einem Jahr zum mittlerweile ebenfalls insolventen Reisekonzern Thomas Cook gehörte.

Das Amtsgericht Köln habe einen vorläufigen Insolvenzverwalter bestellt. Dieser verschaffe sich derzeit mit der Geschäftsleitung einen Überblick über die Situation: "Der Verkauf von Reisen ist derzeit gestoppt."

Die Firma schreibt weiter,

  • dass gebuchte Reisen mit selbst organisierter Anreise "zunächst bis zum Anreisedatum 30. September" abgesagt würden;
  • und dass man bei den übrigen Reisen "bis zum Abreisedatum zunächst 30. September 2019" das "Risiko einer nicht ordnungsgemäßen Leistungserbringung am Reiseziel" als gering einschätze. Ein Ausfall könne aber auch nicht völlig ausgeschlossen werden.

Versichert seien die Reisen wie bei Thomas Cook bei der Zurich Versicherung. Angaben dazu, wie viele Kunden die Ankündigung betrifft, machte Tour Vital nicht.

Thomas Cook hatte Tour Vital 2018 an einen niederländischen Finanzinvestor verkauft. Es gab jedoch weiter eine Zusammenarbeit. Thomas Cook werde weiter Tour-Vital-Produkte über den Kooperationspartner-Katalog verkaufen, hieß es seinerzeit.

mbö/dpa



insgesamt 10 Beiträge
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rreniar 28.09.2019
1. Fehlende Logistik?
Da gab es wohl nicht nur Kooperation beim Katalog. Sehr wahrscheinlich dürfte es auch noch eine weitreichende Kooperation bei Vertriebskanälen, Buchungssystem/Zahlungsabwicklung, Servern etc. gegeben haben. Ein Jahr wird kaum ausreichend gewesen sein um eine komplett von Thomas Cook unabhängige Logistik aufgebaut zu haben. Ein komplett eigenständiges System dürfte sich für einen kleinen Spezialveranstalter wiederum kaum rentieren und einen neuen großen Partner aus der Reisebranche hatte der Finanzinvestor wohl noch nicht gefunden. Mit der Pleite von Thomas Cook fallen nun sämtliche dort eingekauften Backofficeleistungen weg, da ist die eigene Pleite nicht mehr zu verhindern. Wäre nun nur noch interressant herauszufinden ob es beim damaligen Verkauf durch Cook überhaupt um eine echte Zukunft für Tour Vital ging oder ob es nicht von vornherein eher als "Bestattung" gedacht war...
ganzeinfach 28.09.2019
2. Zurich sahnt ab
Nachdem die Thomas Cook wohl schon über 25 Jahre eine Insolvenzversicherung bei Zurich buchte, welche nie benutzt wurde, stehen die Kunden bei einer Deckelung von 110 Mio Euro dumm da. Allein 160 Tausend Kunden unterwegs - und wohl zusätzlich mehr als 100000, welche gebucht, bezahlt und bald abreisen wollten. Ein Desaster. Auch die Tour Vital hat das Versicherungs-Pferd nicht gewechselt - wohl aber zu viel niedrigerem Deckel, welche die Kunden zur Weissglut treiben wird. Derweil die Zurich (Zürich Versicherung) sich mit besten Zahlen (2018 in CHF) präsentiert: 3 Mia Schaden-Umsatzeinnahmen, Gewinn (Schaden) 361 Mio. bei einem Schadensatz von rund 62% (Daten von Zurich Medienmitteilungen). Die lachen sich ins Fäustchen. Warum? Weil sie ausser Aufwand keinen Schaden zahlen, da rückversichert. (haha!) ganzeinfach
christianwitten 28.09.2019
3. System Versicherung und Rückversicherung
Wer sich informiert, der weiß, es ist völlig Normal was da stattfindet. Private Versicherer (AG) beschäftigen Risikoanalysten und die Gremien entscheiden, ob eine Beteiligung an zu versichernden Risiko oder aber als allein Risikotragender angesagt ist. Gewinnmargen sind Teil der Kalkulation. Welcher Versicherer ging bisher pleite? Alles im Lot, ich arbeite im Übrigen als Agentur für die Zurich. Reisebüros aus dem regionalen Umfeld gaben den Rat an betroffene Kunden: Ruf doch eine Zurich Agentur an, der weiß Bescheid. Erbärmlichkeit nenne ich das, Amateurhaft ohne Interesse am betriebenen Geschäft und dem Kunden.
herkurius 28.09.2019
4. 110 Mio Deckelung
Der gleiche Versicherer (Zürich)? Nach allen Informationen, die man dieser Tage lesen konnte, gilt der 110-Millionen-Höchstbetrag für alle Kunden eines Versicherers zusammen, und zwar für den Zeitraum von 12 Monaten aufaddiert. Was bedeutet, dass die Auszahlungsquote für die Tour Vital - Reisenden genauso niedrig sein wird wie für die von Thomas Cook.
juanth 29.09.2019
5. Quatsch
Zitat von herkuriusDer gleiche Versicherer (Zürich)? Nach allen Informationen, die man dieser Tage lesen konnte, gilt der 110-Millionen-Höchstbetrag für alle Kunden eines Versicherers zusammen, und zwar für den Zeitraum von 12 Monaten aufaddiert. Was bedeutet, dass die Auszahlungsquote für die Tour Vital - Reisenden genauso niedrig sein wird wie für die von Thomas Cook.
Die Deckungssumme gilt pro Veranstalter und Saison, d.h. bei Tour Vital stehen bis zu 110 Millionen fuer ein paar Gaeste zur Verfuegung, bei TC sogar 2 x 110 Millionen da das Geschaeftsjahr in der Touristik am 31.10. endet und dann das neue Jahr anfaengt. Beide Firmen hatten rechtlich nichts mehr miteinander zu tun.
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