Deutscher Reiseverband Tourismusbranche "massiv existenzbedroht"

"Existenzbedrohend" sei die Lage der deutschen Tourismusbranche, sagt der Deutsche Reiseverband. Die Deutsche Bahn steuert im Oktober gegen - mit der Bahncard 25 für die Hälfte.
Ein ICE-Sonderzug auf der Strecke München - Berlin (Archiv)

Ein ICE-Sonderzug auf der Strecke München - Berlin (Archiv)

Foto: Martin Schutt / DPA

Die deutsche Tourismusbranche steckt in der Überlebenskrise: Angesichts der wachsenden Zahl von Corona-Risikogebieten in der EU und anhaltenden Reisewarnungen für das außereuropäische Ausland sei die Lage der Branche "existenzbedrohend", sagte der Präsident des Deutschen Reiseverbands, Norbert Fiebig, den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Die Umsätze lägen derzeit lediglich bei einem Viertel von jenen des Vorjahres, und "eine Besserung ist nicht in Sicht".

Fiebig verwies auf eine Umfrage seines Verbands, wonach sich die Mehrzahl der Unternehmen "massiv in ihrer Existenz bedroht" sehe. Reisebüros und -veranstalter seien als Erste vom Corona-Lockdown betroffen gewesen - "und sie werden die Letzten sein, die am Ende aus der Krise herauskommen".

Regionen seien zu Unrecht zu Risikogebieten erklärt worden

Der Verbandschef kritisierte, dass etliche Regionen zu Unrecht von der Bundesregierung zu Risikogebieten erklärt worden seien. In Spanien beispielsweise gebe es zahlreiche Inseln wie Lanzarote, Formentera und Menorca, auf denen es keinen einzigen Corona-Hotspot gebe, trotzdem würden sie als Risikogebiete geführt. "Das ist absurd", kritisierte Fiebig.

"Finca-Urlaub ist in keiner Weise gefährlicher als eine S-Bahn-Fahrt in Berlin", sagte der Verbandschef. Und Reisen per se sei es auch nicht - vorausgesetzt, die Menschen hielten sich an die Corona-Regeln.

Erst am Mittwoch hatte die Bundesregierung weitere Regionen in elf EU-Ländern zu Risikogebieten erklärt und entsprechende Reisewarnungen ausgesprochen. Betroffen sind Regionen unter anderem in Tschechien, Österreich und den Niederlanden sowie die Hauptstädte Kopenhagen, Dublin und Lissabon.

Flugverkehr im August schwächer als erhofft

Unterstützung erhielt der Reiseverband von der FDP. Deren Tourismusexperte Marcel Klinge warf der Bundesregierung vor, "mit Kanonen auf Spatzen" zu schießen. "Es ist absolut überzogen, Millionen Beschäftigten im Tourismus den Boden unter den Füßen wegzureißen für Ausfälle Einzelner, die in Deutschland tagtäglich ebenso passieren."

Die Flughafenbetreiber beklagten unterdessen einen Rückschlag im vergangenen Monat. Die Verkehrszahlen hätten sich im August schwächer als erhofft entwickelt, teilte der Flughafenverband (ADV) mit. Im Vorjahresvergleich ging das Verkehrsaufkommen an deutschen Flughäfen demnach um 75,6 Prozent zurück. Grund seien neue Reiseeinschränkungen sowie eine wachsende Ausweisung neuer Risikogebiete. Diese hätten die eingesetzte Belebung "erstickt" und zu einem Einbruch der Nachfrage in der zweiten Augusthälfte geführt.

Bahncard 25 im Oktober für die Hälfte

Auch die Deutsche Bahn leidet an niedrigen Fahrgastzahlen - und steuert gegen: Im Oktober werde die Rabattkarte Bahncard 25 für weniger als die Hälfte angeboten, teilte das Unternehmen mit: Statt 54,60 Euro kostet sie dann nur noch 24,90 Euro. "Dieser Preis ist eine Einladung: an alle, die bislang noch aufs Auto setzen - oder dies aktuell wieder tun", erklärte Fernverkehrsvorstand Michael Peterson am Freitag.

Mit der Bahncard 25 gibt es 25 Prozent Rabatt auf alle Super Spar-, Spar- und Flexpreise des Fernverkehrs sowie auf bestimmte Angebote des Nahverkehrs. Sie gilt ein Jahr lang und ist vom 1. bis 31. Oktober erhältlich. Für die erste Klasse kostet sie im Angebot 69,90 Euro statt regulär 109,90 Euro. Die Auslastung der DB-Züge liegt derzeit bei nur etwa 40 Prozent.

caw/AFP