Aus für Läden in den USA Mitarbeiter bangen um deutsche Toys"R"Us-Filialen

In den USA macht Toys"R"Us alle Filialen dicht. Das sorgt bei den Mitarbeitern der deutschen Tochter für Unruhe. Sie wollen wissen: Wie geht es in Deutschland mit dem Spielzeughändler weiter?
Laden vor der Schließung in Coventry, Großbritannien

Laden vor der Schließung in Coventry, Großbritannien

Foto: HANNAH MCKAY/ REUTERS

Alle Rettungsversuche sind gescheitert: Der US-Spielwarenhändler Toys"R"Us schließt auf seinem Heimatmarkt sämtliche Filialen. Das insolvente Unternehmen hat in den USA 880 Niederlassungen. US-Medienberichten zufolge fallen durch die Schließungen bis zu 33.000 Jobs weg.

Insgesamt beschäftigt Toys"R"Us weltweit rund 65.000 Menschen. Etwa 1800 Mitarbeiter sollen es in Deutschland sein. Angesichts der Schließungen in den USA sind auch die Beschäftigten der deutschen Tochtergesellschaft alarmiert. "Die Nachrichten aus den USA verstärken unsere Sorge, dass die Krise der Muttergesellschaft auch Folgen für die deutschen Standorte hat", sagte die Vorsitzende des Gesamtbetriebsrats von Toys"R"Us Deutschland, Daniela Rogge, der "WirtschaftsWoche".  Die Mitarbeiter möchten wissen, wie es weitergehe. "Doch bislang gibt es dazu keine konkreten Informationen", sagte Rogge.

Toys"R"Us betreibt nach eigenen Angaben 66 Märkte in Deutschland. Laut einer Pressemitteilung gab es noch im Januar eine Neueröffnung eines 600 Quadratmeter großen Ladens im nordrhein-westfälischen Sankt Augustin.

Mit Aussagen zur aktuellen und künftigen Entwicklung hält sich das Unternehmen aber zurück. Alle Filialen und Onlineshops in Deutschland, Österreich und der Schweiz hätten weiterhin normal geöffnet, teilte die Pressestelle mit. Man arbeite daran, "die Auswirkungen der Insolvenz der amerikanischen Landesgesellschaft auf Kanada und die anderen internationalen Unternehmenseinheiten so gering wie möglich zu halten". Die Sanierung und die Investorensuche für die internationalen Unternehmenseinheiten werde vorangetrieben.

Die Frage, ob es Pläne für Filialschließungen in Deutschland gebe oder Standortzusagen für die Beschäftigten, blieb zunächst unbeantwortet.

"Wir können in Zentraleuropa auf ein sehr solides Geschäftsjahr und eine gute Weihnachtssaison zurückblicken und werden auch weiterhin daran arbeiten, unser Unternehmen voranzutreiben und unseren Kunden sowohl im stationären Handel als auch Online ein hervorragendes Einkaufserlebnis zu bieten", sagte Detlef Mutterer, Geschäftsführer von Toys"R"Us in Zentraleuropa.

Auch in Großbritannien schließt Toys"R"Us alle Läden

Als Toys"R"Us im September vergangenen Jahres in den USA Insolvenz beantragte, hieß es, die deutschen Läden seien nicht betroffen. Ob das noch gilt, ist offen: Erst am Mittwoch verkündete Toys"R"Us die Abwicklung seiner britischen Tochter. Die etwa 100 Filialen in Großbritannien sollen in den kommenden Wochen geordnet heruntergefahren werden. Davon sind etwa 3200 Mitarbeiter betroffen.

Toys"R"Us wurde 1948 von Charles Lazarus gegründet. In Deutschland ist der Spielwarenhändler seit 1986 vertreten. Das Aus für die Läden in den USA bedeutet das Ende einer Ära. Dies sei "ein tieftrauriger Tag für uns und die Millionen Kinder und Familien, denen wir in den vergangenen 70 Jahren gedient haben", sagte Unternehmenschef Dave Brandon.

Toys"R"Us hatte in den USA, wo die Kette seit Jahrzehnten fester Bestandteil des Spielwarenmarktes ist, im vergangenen Herbst Gläubigerschutz nach dem US-Insolvenzrecht beantragt, um damit seine Schuldenlast reduzieren zu können.

Das Unternehmen hatte vor allem in den Achtziger- und Neunzigerjahren auf große Spielwarenniederlassungen im Kaufhausstil gesetzt. Angesichts der massiven Online-Konkurrenz war dieses kostspielige Konzept zuletzt aber zunehmend unerschwinglich geworden.

mmq/Reuters/AFP
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