Traditionswerft Blohm + Voss-Verkauf an Finanzinvestor steht vor Abschluss

Der Konzern ThyssenKrupp verkauft den zivilen Teil der Traditionswerft Blohm + Voss an den britischen Finanzinvestor Star Capital. Die Verträge, heißt es aus Insider-Kreisen, sollen in den nächsten Tagen unterschrieben werden.

Trockendock von Blohm + Voss: Fast 500 Millionen Euro Umsatz
DPA

Trockendock von Blohm + Voss: Fast 500 Millionen Euro Umsatz


Hamburg - Der Mischkonzern ThyssenKrupp will nach Angaben aus Unternehmenskreisen große Teile der Hamburger Traditionswerft Blohm + Voss an den britischen Finanzinvestor Star Capital Partners verkaufen.

Die Verträge sollten in den nächsten Tagen unterzeichnet werden, dies wurde mehren Nachrichtenagenturen bestätigt. Der Aufsichtsrat der Werftentochter ThyssenKrupp Marine Systems (TKMS) hat demnach bereits zugestimmt. "Die Verhandlungen mit einem europäischen Finanzinvestor laufen auf ein erfolgreiches Ende zu", sagte ein Sprecherin von ThyssenKrupp, nannte aber keinen Namen. Star Capital lehnte eine Stellungnahme ab.

Nach Informationen des Senders NDR 90,3 zahlt der britische Finanzinvestor einen dreistelligen Millionenbetrag. Der Bremer "Weser-Kurier" hatte davor von einem Kaufpreis in Höhe von nur 20 bis 22 Millionen Euro und von einer fünfjährigen Beschäftigungsgarantie berichtet. Nach Informationen der FAZ unterzeichnet Star Capital die so genannte "Steinwerder Erklärung": Darin sind Prinzipien zur Standortsicherung und zum Umgang mit den Mitarbeitern festgeschrieben. Eine echte Beschäftigungsgarantie ist das jedoch nicht.

ThyssenKrupp hatte seit Monaten mit den Briten über einen Verkauf der zivilen Bereiche der Werft verhandelt. Blohm + Voss baut und repariert in Hamburg Schiffe und fertigt große Jachten. In dem Bereich sind etwa 1500 Mitarbeiter beschäftigt.

ThyssenKrupp will sich im Schiffbau auf den lukrativen militärischen Bereich konzentrieren. Der Konzern hatte sich in den vergangenen Jahren bereits aus weiten Teilen des zivilen Schiffbaus zurückgezogen. So hatte ThyssenKrupp den größten Teil der Emder Nordseewerke an die Siag-Gruppe verkauft.

Im Sommer war nach zweijährigen Verhandlungen ein Verkauf von Blohm + Voss an die arabische Schiffbaugruppe Abu Dhabi Mar geplatzt. Auch zu einem Joint Venture mit den Arabern im militärischen Bereich war es nicht gekommen. Beide Seiten einigten sich lediglich auf die Übernahme des zivilen Geschäfts mit 180 Beschäftigten von HDW-Gaarden in Kiel durch Abu Dhabi Mar.

Neben Star Capital bemühte sich auch die Bremer Lürssen-Werft um Blohm + Voss und unterbreitete ungefragt ein Kaufangebot, das aber sowohl von ThyssenKrupp als auch von den Betriebsräten brüsk zurückgewiesen wurden. Anfang der Woche erklärte Werftchef Friedrich Lürssen, er habe kein Interesse mehr.

Die 1877 durch Hermann Blohm und Ernst Voss gründete Werft Blohm + Voss gehört zu den traditionsreichsten deutschen Schiffbaubetrieben. Seit 2005 gehört sie dem Werftenverbund ThyssenKrupp Marine Systems AG an, der aus dem Zusammenschluss von ThyssenKrupp Werften und der HDW-Gruppe entstanden ist. Unter anderem werden bei Blom + Voss Luxusyachten gebaut, Schiffe repariert und modernisiert und Maschinen gebaut.

pad/Reuters/dpa



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