Urteil gegen Dextro Energy EU verbietet Gesundheitswerbung für Traubenzucker

Dextro Energy will seinen Traubenzucker gesund rüberkommen lassen. Das hat der Europäische Gerichtshof nun untersagt. Es sei unerlaubte Gesundheitswerbung - selbst wenn Aussagen stimmen.
Ein Mädchen isst Traubenzucker (Archiv)

Ein Mädchen isst Traubenzucker (Archiv)

Foto: Jens Kalaene/ dpa

Auch künftig darf Dextro Energy nicht mit angeblichen gesundheitlichen Vorzügen seiner Traubenzuckertäfelchen werben. Der Europäische Gerichtshof wies eine entsprechende Klage des Herstellers aus Nordrhein-Westfalen ab. Dieser wollte sein Produkt mit Sätzen wie "Glukose unterstützt die normale körperliche Betätigung" anpreisen. Die EU-Kommission hatte dies aber nicht zugelassen. Deshalb zog die Firma vor Gericht.

Das Unternehmen berief sich unter anderem auf eine wissenschaftliche Expertise, die den Nutzen von Traubenzucker für körperliche Betätigung bestätigte. Selbst die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit Efsa bestätigte, dass getroffene Aussagen richtig und auch weitere formale Kriterien erfüllt seien.

Die Kommission hielt dagegen, die Werbesätze verwirrten Verbraucher, denn grundsätzlich werde empfohlen, weniger Zucker zu verzehren (Rechtssache T-100/15 ). Schon in erster Instanz hatte das EU-Gericht der Kommission deshalb recht gegeben. Die Werbung sende "ein verwirrendes Signal an die Verbraucher", hieß es damals. Dextro Energy legte Rechtsmittel ein und warf der Kommission Ermessensfehler und eine falsche Gewichtung vor. Der EuGH ließ das nun aber nicht gelten.

Zucker-Quiz

Die Verbraucherschutzorganisation Foodwatch begrüßte die Entscheidung und forderte von der Politik klare gesetzliche Regeln zu Gesundheitsversprechen bei der Lebensmittelwerbung. Es sei nun bestätigt, dass ungesunde Produkte "nicht mit irreführenden Gesundheitsversprechen werben" dürften. Die Firma war bereits 2013 ins Visier der Organisation geraten. Damals hatte sie kritisiert, dass das Unternehmen seinen Zucker mit dem Zusatz "Schulstoff" vor allem an Kinder und Jugendliche bringen wolle.

Dextro Energy reagierte enttäuscht. "Wir sind der Meinung, dass mündige Verbraucher vor wissenschaftlich belegten Tatsachen nicht beschützt werden müssen", sagte Geschäftsführer Andreas Romankiewicz zu dem Urteil.

In der EU ist genau festgelegt, welche Art gesundheitsbezogener Angaben Unternehmen verwenden dürfen. Diese sogenannte Health-Claims-Verordnung soll Bürger vor irreführenden, wissenschaftlich nicht belegten Werbebotschaften schützen, Glukose ist dort nicht aufgeführt. Für die Zulassung der Werbesprüche ist die EU-Kommission zuständig.

Aktenzeichen C-296/16

apr/dpa/AFP
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