Früherer Start-up-Star Kalanick verlässt Uber endgültig - und macht Kasse

Ex-Uber-Chef Travis Kalanick kappt alle Bande mit dem Fahrdienstvermittler und verlässt nun auch den Aufsichtsrat. Gleichzeitig macht er 90 Prozent seiner Aktien zu Geld - was ihm rund 2,5 Milliarden Dollar einbringt.
Travis Kalanick: Nach einer Skandalserie trat er auf Druck der Aktionäre 2017 zurück

Travis Kalanick: Nach einer Skandalserie trat er auf Druck der Aktionäre 2017 zurück

Foto: Reuters Staff/ REUTERS

Travis Kalanick, der umstrittene Gründer und frühere Chef des US-Fahrdienstvermittlers Uber, hat seit November mehr als 90 Prozent seiner Anteile an dem Unternehmen zu Geld gemacht. Das berichten die "Financial Times" und das "Wall Street Journal" unter Berufung auf Unterlagen der US-Börsenaufsicht SEC.

Die Aktien hätten einen Wert von mehr als 2,5 Milliarden Dollar, heißt es in den Berichten weiter. Kalanick halte nun nur noch rund 0,5 Prozent der Unternehmensanteile, aktuell sind diese rund 250 Millionen Dollar wert. Der Unternehmer habe im November begonnen, die Papiere zu verkaufen - nachdem die beim Uber-Börsengang festgelegte Haltefrist geendet war.

Nach Angaben der Nachrichtenagentur Reuters wird Kalanick zudem den Uber-Verwaltungsrat zum Jahresende verlassen. Der Unternehmer hatte Uber 2009 mit gegründet und lange geführt. Nach einer Skandalserie, die von sexuellem Missbrauch über Datenklau bis zu Bestechung und Problemen mit den Behörden reichte, trat er auf Druck der Aktionäre Mitte 2017 schließlich zurück.

Dass Kalanick nun alle Bande zum Unternehmen kappt, deutet darauf hin, dass er kein Vertrauen in die neue Unternehmensführung um Dara Khosrowshahi hat. Tatsächlich musste Uber in den vergangenen Wochen eine Reihe von Rückschlägen verkraften.

Kalanicks neue Geschäftsidee

So entzog die Stadt London Uber Ende November die Lizenz für die Stadt. Und auch in Deutschland erklärte das Landgericht Frankfurt vor einigen Tagen die aktuelle Fahrtvermittlungspraxis Ubers für unzulässig.

Auch an der Börse läuft es für den Fahrdienstvermittler aktuell alles andere als prächtig. Die Aktie dümpelt mehr als ein halbes Jahr nach dem Börsenstart mit rund 30 Dollar weiter deutlich unter dem einstigen Ausgabepreis von 45 Dollar herum. Um den Investoren positive Nachrichten zu bieten und die Verluste einzudämmen, erwägt Uber Berichten zufolge einen Verkauf seines indischen Essensliefergeschäftes.

Beobachter erwarten, dass Kalanick zumindest einen Teil des Geldes in seine neue Unternehmung City Storage Systems stecken wird. Das Unternehmen, auch bekannt unter dem Namen Cloud Kitchen, investiert weltweit in Immobilien und Großküchen, und verleast diese an Essenslieferdienste.

Seit Kalanick im Frühjahr 2018 Uber-Anteile im Wert von 1,4 Milliarden Euro an Softbank Börsen-Chart verkauft hatte, hat er den Berichten zufolge einen Großteil der kapitalintensiven Expansion seines neuen Start-ups selbst gestemmt. Auch der saudi-arabische Staatsfonds PIF soll Berichten zufolge mit 400 Millionen Dollar investiert sein.

ssu/mhe/Reuters

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