Aufsichtsrat Treuevotum für Deutsche-Börse-Chef Kengeter

Deutsche-Börse-Chef Carsten Kangeter braucht keine Angst um seinen Posten zu haben, auch wenn die Fusion mit der Londoner Börse scheitert. Der Aufsichtsrat stellt sich ausdrücklich hinter ihn.

Deutsche-Börse-Chef Carsten Kengeter
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Deutsche-Börse-Chef Carsten Kengeter


Der Aufsichtsratschef der Deutschen Börse, Joachim Faber, spricht Börsenchef Carsten Kengeter trotz des absehbaren Scheiterns der Fusion mit der London Stock Exchange (LSE) das Vertrauen aus. "Herr Kengeter hat sein persönliches Schicksal nicht an die Fusion mit London geknüpft. Er ist und bleibt der richtige Mann an der Spitze, der richtige Vorstandsvorsitzende, um das Wachstum der Börse voranzutreiben", sagte Faber der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung". "Dafür haben wir ihn geholt. Daran werden wir gemeinsam weiterarbeiten."

Die Schuld am Scheitern der Fusionspläne gab Faber dem Brexit-Votum und den Reaktionen in Großbritannien darauf. Die Entscheidung, die EU zu verlassen, habe heftigen Gegenwind ausgelöst, sagte Faber. "Wir wussten monatelang nicht mehr, was die Briten wollen. Und am Ende war der von uns verlangte Doppelsitz ein absolutes No-Go." Kengeter treffe dagegen keine Schuld. Der Börsenchef sei ein Ausnahmetalent. "Von der Sorte haben wir nicht viele - erfolgreich am Kapitalmarkt, als Person akzeptiert in London und New York, in Deutschland verwurzelt."

Kengeter selbst war zuletzt unter Druck geraten. Die Staatsanwaltschaft Frankfurt ermittelt im Zusammenhang mit den Fusionsplänen wegen des Verdachts auf Insiderhandel gegen ihn. Davon unbeeindruckt kündigte der Börsenchef vergangene Woche an, am Ziel festzuhalten, die Deutsche Börse Chart zeigen in die internationale Spitzengruppe zurückzuführen.

Bei der Marktkapitalisierung ist die Deutsche Börse in den vergangenen Jahren vom ersten auf den vierten Platz zurückgefallen. Kengeter hatte im vergangenen Jahr mehrfach gewarnt, der Konzern werde in dem Ranking weiter abrutschen - und müsse deshalb eine Verbindung mit der LSE Chart zeigen und der Finanzmetropole London eingehen.

Die Fusion mit der LSE steht vor dem Aus, weil die LSE eine Auflage der EU-Kommission zur Freigabe der deutsch-britischen Fusion nicht erfüllen will: den Verkauf der italienischen Handelsplattform MTS. In der Folge werden die Wettbewerbshüter den gut 25 Milliarden Euro schweren Zusammenschluss aller Wahrscheinlichkeit nach untersagen.

mik/Reuters

insgesamt 4 Beiträge
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_Mitspieler 04.03.2017
1. Angriff ist die beste Verteidigung
Wenn der AR-Vorsitzende und vorteilsbündelschnürende Herr Faber Herrn Kengeter das Vertrauen auch in der Causa Insidergeschäft ausspricht, dann nur deshalb weil er an diesem Werk einen nicht unerheblichen Beitrag hatte und sich mit der Frage neutraler Dritter konfrontiert sehen muss, warum er dies just in der Vertragsanbahnungsphase mit intensiven multilateralen und zielgerichteten Fusionsvorbereitungsgespräche (incl. Kanzleramt) tat. Dass er ob dieses ihn in die potenzielle Mittäterrolle versetzenden Sachverhalts jetzt die Flucht nach vorn antritt, ist genauso durchsichtig wie beispielsweise das Verhalten unserer Bundeskanzlerin Merkel im Nachgang zu den europäisches Recht negierenden unkontrollierten Grenzdeichflutungen. Würden sich die Verursacher derartiger Verwerfungen offen zu ihren Taten bekennen, müssten sie umgehend die Konsequenzen tragen. Und um dies zu vermeiden, stellen sie sich lieber in gedämpft naiver Rautenhaltung vors Volk und hauen pikiert den Ahnungslosen raus. Siehe auch Monsieur Fillon. Zu durchschaubar, zu primitiv. Das wollen die Menschen nicht mehr sehen.
joking_hazard 05.03.2017
2. Insiderhandel ist ja eh nur ein Kavaliersdelikt
Genau so wie Abgasbetrug und Steuerhinterziehung im grossen Stil. Lappalien eben. Die Ich-komm-aus-dem-Gefängnis-frei-Aussage: Ich habe von nichts gewusst. Bei manchen funktioniert sie tatsächlich. Ich frage mich, wieviele unserer Richter noch wissen, warum Justizia blind ist - also den WAHREN GRUND kennen.
steinbock8 05.03.2017
3. Treuevotum
entweder hat der Aufsichtsrat auch Insiderhandel betrieben oder sie handeln zu früh und unüberlegt am Ende müsste dann der gesamte Aufsichtsrat zurücktreten in diesen Kreisen überrascht mich nichts mehr warten wir es ab
Badischer Revoluzzer 05.03.2017
4. Schmierentheater.
Wie in der Politik. Korrupt und unangreifbar. Wodurch unterscheiden sich die "Eliten" bei uns von denen in totalitären Staaten? Es gibt keine Konsequenzen für Entscheidungsträger. Es gibt nur Konsequenzen für den Normalo.
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