Trockenheit in Norddeutschland "Das wird wohl die schlechteste Ernte, die wir bisher eingefahren haben"

Herbst und Winter waren zu nass, der Frühling ist nun viel zu trocken: In Norddeutschland kämpfen die Bauern mit den Folgen des ungewöhnlichen Wetters. Was heißt das fürs Geschäft? Ein Anruf bei Landwirt Dietrich Pritschau.

SPIEGEL ONLINE: Hallo Herr Pritschau, es rauscht etwas in der Leitung. Sind Sie gerade auf dem Acker unterwegs?

Dietrich Pritschau: Dort war ich bis eben. Jetzt habe ich mir was zu Trinken geholt. Mir wäre es lieber, Sie wären von Regen Online.

SPIEGEL ONLINE: Das heißt, Ihre Pflanzen hätten das Wasser bei dem heißen Tag genauso nötig wie Sie?

Pritschau: Ja. Aber das Kernproblem liegt schon im vergangenen Herbst. Wir konnten die Flächen nur zu 60, 70 Prozent bestellen, weil es sehr nass war. Weil dies sehr spät stattfand, entwickelten sich die Pflanzen nur zögerlich und bildeten auch keine Wurzeln aus, weil Feuchtigkeit genug da war.

Zur Person
Foto: bvsh

Landwirt Dietrich Pritschau, 57, bewirtschaftet einen größeren Ackerbaubetrieb mit Frau, Sohn und Bruder rund um Lübeck. Er baut unter anderem Raps, Weizen und Gerste an.

SPIEGEL ONLINE: Und jetzt ist es sehr trocken.

Pritschau: Es gibt ein altes Sprichwort. Ist der Mai kühl und nass, füllt es dem Bauern Scheun' und Fass. Jetzt ist es leider genau anders herum.

SPIEGEL ONLINE: Was heißt das für Sie konkret?

Pritschau: Die Situation ist schon außergewöhnlich. Ich bin jetzt 31 Jahre lang Landwirt - und das wird wohl die schlechteste Ernte, die wir bisher eingefahren haben. Aber ich will nicht jammern. Das Wetter ist unser Berufsrisiko und wir Landwirte ernten nie hundert Prozent.

SPIEGEL ONLINE: Wie hoch beziffern Sie die Ausfälle bereits?

Pritschau: Wenn wir in fünf, sechs Wochen mit der Gerste anfangen, wird es bestimmt ein Drittel weniger geben. Vor 30, 40 Jahren hätte es vielleicht auch Versorgungsengpässe gegeben. Die Globalisierung und der Handel gleichen das heute aus.

SPIEGEL ONLINE: Dieses Frühjahr ist es sehr trocken, letztes Frühjahr klagten gerade Obstbauern über späten Frost. Nehmen extreme Wetterlagen zu?

Pritschau: Der Klimawandel ist nicht wegzureden, ja. Aber solche Jahre gab es immer schon. Es ist halt immer eine gewisse Herausforderung. Wir haben nach dem nassen Herbst etwa dieses Frühjahr die Felder noch mal mit Getreide, Ackerbohnen und Rüben bestellt. So wollten wir zumindest einen Teil des Herbstschadens ausgleichen - doch diese Pflanzen brauchen jetzt genauso Wasser.

SPIEGEL ONLINE: Können Sie denn bewässern?

Pritschau: In der Heide oder in der Geest gibt es Landwirte mit leichtem Sandboden, die bewässern können. Das können wir nicht. Das bedürfte eines großen technischen Equipments, sprich Brunnen, die auch genehmigt werden müssen. Normalerweise brauchen wir das hier im östlichen Hügelland Schleswig-Holsteins auch nicht. Das kostet ja auch Energie und Geld. Wir warten jetzt einfach auf Regen und sind um jeden Tropfen dankbar.

Alles zum Wetter
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SPIEGEL ONLINE: Wann rechnen Sie denn wieder mit Regen?

Pritschau: Es sind Gewitter vorhergesagt, aber die sind ja sehr punktuell. Ob wir da was von abbekommen, wissen wir nicht. Wir sind dankbar für alles, was kommt.

SPIEGEL ONLINE: Aber damit drohen ja auch Unwetter, wie aktuell in Rheinland-Pfalz.

Pritschau: Wenn es hagelt, bin ich natürlich sehr unglücklich. Aber ansonsten nehmen wir den Regen in jeder Form.

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