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23. Januar 2019, 07:51 Uhr

Konjunktur

Deutsche Exporteure rechnen mit deutlichem Plus

Die deutschen Exporteure blicken trotz Brexit und Handelsstreit noch optimistisch auf die kommenden Monate. Die Prognose: Die Ausfuhren könnten in diesem Jahr um bis zu drei Prozent wachsen.

Die deutsche Wirtschaft hat eher schwache Monate hinter sich. Der Handelsstreit zwischen den USA und China hat Spuren hinterlassen, und die Gefahr eines ungeregelten Brexits ist hoch. Dennoch erwartet der Außenhandelsverband BGA für das laufende Jahr ein Wachstum der deutschen Exporte von bis zu drei Prozent.

"Überall auf der Welt wird nach wie vor gebaut, investiert und vor allem konsumiert", sagte BGA-Präsident Holger Bingmann der "Welt". "Die Situation ist nicht krisenhaft. Wir erwarten deshalb, dass wir in diesem Jahr durch ein Tal müssen, aber dass es relativ schnell sogar wieder etwas besser wird, wenn die offenen Probleme und Risiken nicht eskalieren bzw. sich nicht realisieren. Wir rechnen schon 2020 wieder mit einer leichten Erholung."

Im kommenden Jahr sei dann ein Anstieg der Ausfuhren um 3,5 Prozent möglich. Für das abgelaufene Jahr hatte der BGA seine Prognose im Oktober auf 3,5 von davor plus fünf Prozent gesenkt.

"Wir haben intern auch gerungen, mit welcher Prognose wir in dieses Jahr gehen sollten", sagte Bingmann zu den Wachstumsaussichten für 2019. Selbst ein geordneter Brexit könnte Deutschland 0,3 bis 0,5 Prozentpunkte vom Bruttoinlandsprodukt kosten. Grundsätzlich sei die Verfassung der Weltwirtschaft aber robust genug, um deutschen Exporteuren bessere Geschäfte zu sichern.

"Grundsätzlich dürften die deutschen Unternehmen im europäischen Vergleich am besten auf einen harten Brexit vorbereitet sein, weil sie viel Erfahrung mit Ländern außerhalb der EU haben, in denen es nicht immer ganz einfach ist, Geschäfte zu machen", sagte Bingmann.

Zu den größten Sorgen mit Blick auf den Brexit sagte der BGA-Präsident, viele Unternehmer bezweifelten, dass die Briten eine schnelle Warenabfertigung organisieren könnten. Auch bei Produktzulassungen - etwa im Chemiehandel - oder beim Umgang mit personenbezogenen Daten bei der Lohnbuchhaltung für Mitarbeiter auf der Insel gebe es große Herausforderungen.

Trotz aller Risiken für die Unternehmen lehnt Bingmann aber größere Brexit-Nachverhandlungen ab. "Die EU sollte jetzt auf gar keinen Fall nochmal stark nachlegen oder den Briten mit weitreichenden Zugeständnissen entgegenkommen", sagte er. "Es gibt ein Abkommen, das nun wirklich unter beiderseitigem Zähnezusammenbeißen ausgehandelt wurde und in dem beide Seiten massive Zugeständnisse gemacht haben. Daran sollte nicht mehr gerüttelt werden."

mmq/Reuters/dpa

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