Trotz Gewinn Bund bangt um Commerzbank-Zinsen

Die Commerzbank hat im dritten Quartal 113 Millionen Euro erwirtschaftet und rechnet für das gesamte Jahr mit einem Milliardengewinn. Doch ob das reicht, um die erhaltenen Steuerhilfen rasch zurückzuzahlen, ist unklar. Die Immobilientochter Eurohypo belastet das Ergebnis.

Commerzbank-Zentrale: Milliardengewinn für 2010 angepeilt
dapd

Commerzbank-Zentrale: Milliardengewinn für 2010 angepeilt


Frankfurt am Main - Die Chancen auf eine baldige Rückzahlung der Steuermilliarden durch die Commerzbank verschlechtern sich: Der Dax-Konzern gab am Montag für das dritte Quartal zwar den dritten Vierteljahresgewinn in Folge aus - ein Plus von 113 Millionen Euro. Zudem bekräftigte die Bank, 2010 einen Milliardenüberschuss anzupeilen. Doch es drohen neue Probleme.

Die teilverstaatlichte Bank kündigte an, sie müsse nach deutschem Bilanzrecht (HGB) im Einzelabschluss eine Abschreibung von mindestens einer Milliarde Euro auf die Immobilientochter Eurohypo vornehmen. Von dem Sorgenkind Eurohypo muss sich die Commerzbank nach einer EU-Auflage bis Ende 2014 trennen.

Sollte die Abschreibung die Commerzbank im Einzelabschluss der AG in die Verlustzone drücken, würde der Bund erneut keine Zinsen auf seine stille Einlage von 16 Milliarden Euro erhalten. Eigentlich müsste die Einlage mit neun Prozent verzinst werden.

In den Jahren 2008 und 2009 hatte die Commerzbank wegen der Übernahme der Dresdner Bank und der Finanzkrise insgesamt jeweils mehrere Milliarden Euro Verlust gemacht. Die Bundesregierung sprang mit 18,2 Milliarden Euro aus dem Bankenrettungsfonds SoFFin ein. Mit 25 Prozent plus einer Aktie ist der deutsche Staat damit Miteigner des Instituts.

Insgesamt "noch nicht am Ziel"

Finanzvorstand Eric Strutz bestätigte trotz der Probleme die Absicht der Bank, spätestens im Jahr 2012 mit der Rückzahlung des staatlichen Rettungsgeldes zu beginnen. Commerzbank-Chef Martin Blessing versicherte: "Die Integration verläuft weiterhin zügig nach Plan, mehr als zwei Drittel der Strecke haben wir geschafft." Allerdings sei die Bank insgesamt "noch nicht am Ziel" und werde ihre Risiken 2011 weiter zurückführen.

Gemessen am internationalen Bilanzierungsstandard (IFRS), bei dem die Eurohypo-Abschreibung nicht fällig wird, rechnet die Commerzbank im laufenden Jahr wieder mit einem Milliardengewinn. Nach neun Monaten stand ein Plus von 1,17 Milliarden Euro in den Büchern - nach einem Minus von knapp 2,7 Milliarden Euro ein Jahr zuvor. Blessing erklärte, das Institut kehre damit ein Jahr früher als erwartet in die Gewinnzone zurück.

wit/dpa/dapd



insgesamt 3 Beiträge
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Fettnäpfchen 08.11.2010
1. Systemrelevanz - ein dummes Märchen!
Na, wer wird denn so kleinkariert denken und die Steuermilliarden jetzt oder im nächsten Jahr zurückfordern wollen? Die 9%-igen Zinsen sind eh nur ein Trinkgeld. War doch nur des Steuerzahlers Geld, mit dem die Regierung gezockt hat. Wichtig ist vor allen Dingen, dass die Boni in diesem und im nächsten Jahr an den Vorstand und die Mitarbeiter in voller Höhe gezahlt werden können. Wenn nicht, dann schießt der Steuerzahler gerne nach, zumal die Bank angeblich "systemrelevant" sein soll. "Gute" Mitarbeiter muß man schließlich mit Boni im Unternehmen zu halten versuchen. Insbesondere dann, wenn gerade diese "guten" Mitarbeiter die Bank an den Rand des Ruins gebracht haben.
rehmet_roland 08.11.2010
2. Strukturreform fehlt immer noch!
Deutschland hat immer noch zu viele (und im internationalen Vergleich zu kleine) Banken. Der notwendige Strukturwandel in der Krise wurde mit viel Steuergeld nur verschoben, ist unausweichlich und steht weiterhin bevor.
ThePikeman 08.11.2010
3. Unverzinstes Fremdkapital
Der Gewinn wird jetzt so lange in den Bilanzen versteckt, bis man die stille Einlage des Bundes möglichst schnell vollständig zurückzahlen kann und hatte so lange Fremdkapital für 0% Zinsen.
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