Trotz Gipfelbeschluss Anleger setzen auf die große Lösung

Ein bisschen Fortschritt, aber kein durchschlagender Erfolg: Die Anleger haben verhalten auf die ersten Ergebnisse des EU-Gipfels reagiert. Sie setzen auf die Europäische Zentralbank als Retter. Der Banken-Stresstest ließ die Börse überraschend kalt.

Händler an der Frankfurter Börse: Hoffen auf die EZB
REUTERS

Händler an der Frankfurter Börse: Hoffen auf die EZB


Frankfurt am Main - Zwei zentrale Themen beherrschen die Börse zum Wochenausklang: die ersten Ergebnisse des EU-Gipfels und die Befunde des Banken-Stresstests. Die Reaktionen der Anleger fielen dabei weniger heftig aus als befürchtet. Der Dax Chart zeigen schwankte am Donnerstag zwischen leichten Verlusten und Mini-Gewinnen. Nach einem anfänglichen Minus schaffte er es im frühen Handel zunächst ins Plus, drehte dann aber wieder ins Minus.

Den Beschluss der 17 Euro-Staaten, gemeinsam mit sechs weiteren EU-Partnern eine Fiskalunion einzugehen, sehen Analysten nicht als Durchbruch. Die große Lösung - eine Änderung des EU-Vertrags der 27 Mitgliedstaaten - scheiterte am Widerstand Großbritanniens. Die gute Nachricht sei die frühzeitige Einigung, sagte Holger Schmieding, der Chefvolkswirt der Berenberg Bank. "Die schlechte Nachricht: Es gibt keine positiven Überraschungen." Wenn die Europäische Zentralbank (EZB) ihre Verweigerungshaltung in Sachen Anleihenkauf nicht aufgebe, sei das Risiko sehr groß, dass das Gipfelergebnis nicht ausreiche, um die Finanzmärkte zu beruhigen.

Auch Junya Tanase, Währungsstratege bei JP Morgan, sagte, erst wenn die EZB bereit sei, als ultimativer Retter in das Geschehen einzugreifen, werde die Stimmung an den Märkten steigen. "Sich allein auf eine verstärkte Haushaltsdisziplin zu einigen, sorgt an den Märkten nicht für die große Erleichterung."

In Japan hatte sich die Enttäuschung über den EU-Gipfel an der Börse niedergeschlagen. Der Nikkei Chart zeigen-Index schloss im Minus. Dagegen reagierten die Anleger vor allem in südeuropäischen Ländern erleichtert und kauften verstärkt Aktien. Der Mailänder Leitindex kletterte um 0,8 Prozent, der portugiesische Index legte um 0,6 Prozent zu. Auf dem Anleihemarkt dagegen war keine Entspannung erkennbar. Die Renditen der zehnjährigen italienischen und spanischen Anleihen zogen am Freitag sogar an. Auch die Kosten für die Kreditausfallversicherungen (CDS) verteuerten sich. Das spiegelt die Zweifel an der Zahlungsfähigkeit dieser Länder wider.

Deutsche Bank legt im Dax zu

Die Ergebnisse des Banken-Stresstests dagegen interessierten die Anleger kaum. Sechs deutsche Institute rasselten bei der Überprüfung durch. So attestierte die europäische Bankenaufsicht EBA auch der Deutschen Bank Chart zeigen eine Kapitallücke von 3,2 Milliarden Euro. Dennoch war die Aktie des größten deutschen Geldhauses zeitweise der Gewinner im Dax. Auch die Papiere der Commerzbank Chart zeigen legten zu, obwohl diese als Sorgenkind Nummer eins unter den deutschen Banken gilt. Börsianer erklärten die guten Werte damit, dass der Stresstest keine neuen Hiobsbotschaften zutage gebracht habe.

Auch europaweit zählten Banken zu den Favoriten. An der Pariser Börse sorgte die Nachricht, dass die Rating-Agentur Moody's die Kreditwürdigkeit von drei französischen Banken herunterstufte, zeitweise für Kursverluste. Die Noten von BNP Paribas Chart zeigen, Société Générale Chart zeigen und Crédit Agricole Chart zeigen wurden wegen des schwierigen Umfelds für europäische Kreditinstitute herabgesetzt.

mmq/Reuters/dpa-AFX

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peterhausdoerfer 09.12.2011
1. Es hätte gar nicht besser kommen können
Zitat von sysopEin bisschen Fortschritt, aber kein durchschlagender Erfolg: Die Anleger haben verhalten auf die ersten Ergebnisse des EU-Gipfels reagiert. Sie setzen auf die Europäische Zentralbank als Retter. Der Banken-Stresstest ließ die Börse überraschend kalt. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,802696,00.html
Der Euroraum steht zusammen wie ein Block und Störenfried England ist aussen vor, da kann die Börse eigentlich langfristig nur noch steigen. Die Börse -UND- die Medien befinden sich in einer Baisse, die Fundamentaldaten haben längst gedreht.
warndtmensch 09.12.2011
2. Skepsis
glaube kaum dass das alles viel Nutzen wird nach den Erfahrungen der Vergangenheit. Grundsätzlich sollen die einen zahlen und die andern halten die Hand auf. Sanktionen wird es auch künfig nicht geben, da schreckt man vor der Souveränität der einzelnen Staaten letztendlich zurück. Der DAX wird weiter fallen, da bin ich mir ganz sicher...
MiniDragon 09.12.2011
3. Freude- Friede- Eierkuchen an den Aktienbörsen ??
>>NEW YORK (dpa-AFX) - Nach den ersten Ergebnissen vom EU-Gipfel dürfte der US-Aktienmarkt an diesem Freitag fester eröffnen. Mehrere Experten bewerteten die von den 17 Euromitgliedern und anderen EU-Staaten angestrebte Vereinbarung zu größerer Haushaltsdisziplin als einen Erfolg. Der freundliche Trend an den europäischen Aktienmärkten dürfte sich folglich an der Wall Street fortsetzen. Der Future auf den Dow Jones Industrial DJ INDUST.AVERAGE PR USD lag eine runde halbe Stunde vor Handelsstart um 0,26 Prozent über seinem Schlussstand vom Vortag.........
MiniDragon 10.12.2011
4. Happy days are here again
Zitat von MiniDragon>>NEW YORK (dpa-AFX) - Nach den ersten Ergebnissen vom EU-Gipfel dürfte der US-Aktienmarkt an diesem Freitag fester eröffnen. Mehrere Experten bewerteten die von den 17 Euromitgliedern und anderen EU-Staaten angestrebte Vereinbarung zu größerer Haushaltsdisziplin als einen Erfolg. Der freundliche Trend an den europäischen Aktienmärkten dürfte sich folglich an der Wall Street fortsetzen. Der Future auf den Dow Jones Industrial DJ INDUST.AVERAGE PR USD lag eine runde halbe Stunde vor Handelsstart um 0,26 Prozent über seinem Schlussstand vom Vortag.........
Die etwas andere Sichtsweise : EZB druckt jetzt Geld ohne Ende Während alle Welt auf den EU-Gipfel als ultimative Rettungsaktion schielte, spielte die Musik tatsächlich bei der EZB. • Sie versorgt die Banken seit letzter Woche unlimitiert mit US-Dollar. • Seit Draghis Amtsantritt vor wenigen Wochen wurde der Leitzins um insgesamt 50 Basispunkte wieder auf 1 % gesenkt. Das nennt man ultraexpansive Zinspolitik. • Gleichzeitig mit der letzten Zinssenkung wurde die Einlagenfazilität von 0,50 % auf 0,25 % gesenkt, der Spitzenrefinanzierungssatz von 2,0 % auf 1,75 %. • Außerdem können sich die Banken unlimitiert Geld von der EZB zu 1% Zinsen für 36 Monate leihen. • Die für die EZB-Kredite zu leistenden Sicherheitsanforderungen wurden noch weiter gesenkt. Wahrscheinlich bekommen die Banken demnächst auch für Knöpfe und Muscheln Notenbankgeld. • Die Mindesreserve der Banken wird ab dem 18.01.2012 von 2 auf 1 % halbiert. Folge dieser Maßnahmen: Die Geschäftsbanken werden ihre Kreditvergabe ankurbeln und damit neues Geld schöpfen. Auf diese Weise werden sie einerseits ihre Bilanzen aufpolieren und andererseits den Markt mit neuem Geld überfluten und dadurch perspektivisch das allgemeine Preisniveau erhöhen. Die Banken sind die Gewinner, die Bürger die Verlierer. Gleichzeitig wird der Öffentlichkeit suggeriert, dass die EZB hart bleibe und die Notenpresse nicht anwerfe. Die oben angeführten Maßnahmen sind aber nichts anderes als genau das! Aber damit nicht genug: "Der IWF soll stärker in die Schuldenkrise eingebunden werden." So harmlos ließt sich das im Blätterwald. Deutlich gesprochen heißt das: Die EU-Staaten werden über ihre nationalen Notenbanken insgesamt 150 Mrd. Euro an den IWF zahlen, damit der dann "eine größere Rolle bei Rettungsaktionen spielen kann." Der besondere Clou: Vor allem die Deutsche Bundesbank wird jetzt die Notenpresse anwerfen! Das ist nichts anderes als "Quantitativ Easing" nach Art der Europäer: Die Notenbanken drucken Euro und der IWF kauft davon Staatsanleihen. Zusammen mit der EFSF, die bereits Mitte des kommenden Jahres durch den ESM ersetzt werden soll. Und auch hier gilt der Merkel-Put, denn das Volumen des Schutzschirms wird dann neu verhandelt bzw. aufgestockt. IWF-Chefin Christine Lagarde sagte, sie freue sich über den Ausgang des Gipfels. Und Sarkozy mit ihr, denn offenbar ist Merkel samt Bundesbank vor die Wand gefahren. Und auch die Märkte freuen sich über das viele "frische" Geld, das nun vor allem in Aktien und Rohstoffe fließen dürfte. Europa hat geliefert: Auch bei uns wird jetzt der nächst höhere Gang der Notenpresse eingelegt. Gute Voraussetzungen dafür, dass nun auch die Fed mit QE3 nachlegt und China das nächste Konjunkturprogramm vom Zaun bricht. Kurz: Schließt der S&P 500 in der kommenden Woche über 1.263 Punkten, dürfte das der Startschuss für die zweite Phase der Jahresend-Rallye sein. Ihr Thomas Rausch Der BörsenExplorer
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