Trotz Inflationsangst Deutschland shoppt sich in den Kaufrausch

Die Löhne steigen, die Jobchancen wachsen - das hebt die Konsumlaune: Das GfK-Barometer ist auf den höchsten Wert seit mehr als drei Jahren gestiegen. Selbst die dämmernden Inflationsängste können den Deutschen die Shopping-Lust nicht verderben.

Schlussverkauf in Berlin: Konsumlaune steigt
ddp

Schlussverkauf in Berlin: Konsumlaune steigt


Berlin - Die sinkende Arbeitslosigkeit und steigende Einkommen beflügeln die Kauflaune der Deutschen. Das GfK-Konsumbarometer für März ist auf 6,0 Punkte geklettert - und erreichte damit den höchsten Wert seit Oktober 2007. Im vergangenen Monat stand das Barometer noch bei 5,8 Zählern.

Die anziehende Inflation werde von der schwindenden Angst vor dem Jobverlust sowie von niedrigen Zinsen überlagert, schrieben die Nürnberger GfK-Marktforscher am Dienstag zu ihrer Umfrage unter 2000 Verbrauchern. Der Konsum spiele eine zunehmend wichtigere Rolle bei der Wirtschaftsentwicklung, sagte GfK-Experte Rolf Bürkl. Für das laufende Jahr erwartet die GfK einen Anstieg der Konsumausgaben um 1,5 Prozent.

Wichtigster Grund für die bessere Stimmung bei den Verbrauchern sind steigende Einkommen. "Vor dem Hintergrund der guten Arbeitsmarktentwicklung sowie der exzellenten wirtschaftlichen Lage eines Großteils der Unternehmen haben die Beschäftigten große Hoffnungen, dass die Lohn- und Gehaltszuwächse in diesem Jahr üppiger ausfallen werden als in den Vorjahren", sagte Bürkl.

Schon jetzt deuten erste Tarifabschlüsse auf stärker steigende Einkommen hin: So erhalten die Volkswagen-Beschäftigten insgesamt 4,2 Prozent mehr Lohn und Gehalt, rund 135.000 Beschäftigte bei der Deutschen Bahn bekommen bis Ende 2012 etwa fünf Prozent mehr Geld, RWE zahlt 3,4 Prozent mehr. Zahlreiche weitere Gewerkschaften gehen nun ebenfalls mit satten Forderungen in die Verhandlungen.

Günstige Aussichten für Konjunktur

"Fast jeder dritte Deutsche schätzt seine eigene Finanzsituation derzeit positiv ein", sagte Bürkl. Die Einkommenserwartung stieg von 37,7 Zählern im Januar auf 42,9 Punkte im Februar. Trotz der steigenden Preise sinkt auch die Anschaffungsneigung kaum: Hier gab das Barometer von 41,8 auf 38,9 Zähler nach.

Die Inflation war im Januar erstmals wieder auf die Marke von zwei Prozent gestiegen. Das belastet üblicherweise den privaten Verbrauch. Doch angesichts der niedrigen Zinsen seien größere Anschaffungen derzeit attraktiver als die Geldanlage, sagte Bürkl.

Die Aussichten für die Konjunktur beurteilen die Verbraucher positiv. Auch in den kommenden Monaten werde mit einer Konjunkturbelebung gerechnet, sagte Bürkl. In den Chefetagen der deutschen Wirtschaft ist die Stimmung so gut wie nie: Der Ifo-Index stieg zum neunten Mal hintereinander und erreichte einen Höchstwert.

Die meisten Experten trauen der deutschen Wirtschaft auch 2011 ein Boomjahr zu. Die Bundesregierung rechnet mit 2,3 Prozent Wachstum, Optimisten erwarten sogar drei Prozent. Schon 2010 war die Wirtschaftsleistung in Deutschland mit 3,6 Prozent so stark gewachsen wie seit der Wiedervereinigung nicht.

ssu/Reuters

Mehr zum Thema


insgesamt 31 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
sfb 22.02.2011
1. Nicht trotz, sondern wegen
Zitat von sysopDie Löhne steigen, die Jobchancen wachsen - das hebt die Konsumlaune der Deutschen. Das GfK-Konsumbarometer ist auf den höchsten Wert seit mehr als drei Jahren gestiegen - trotz zunehmenden Inflationsängsten. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,746902,00.html
Muss es nicht heißen: Wegen Inflationsangst??
arborea 22.02.2011
2. Nicht trotz, sondern wegen
Zitat von sysopDie Löhne steigen, die Jobchancen wachsen - das hebt die Konsumlaune der Deutschen. Das GfK-Konsumbarometer ist auf den höchsten Wert seit mehr als drei Jahren gestiegen - trotz zunehmenden Inflationsängsten. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,746902,00.html
Trotz zunehmender Inflationsängste?? Gerade auch wegen zunehmender Ängste vor steigenden Preisen und damit verbundener Geldentwertung werden Vorratskäufe und vorgezogene Anschaffungen getätigt. Mit entsprechenden Auswirkungen auf den Konsum.
jörg seifert 22.02.2011
3. Nicht trotz
sondern WEGEN der Inflationsangst wird gekauft, man nennt das in Fachkreisen auch den Crack Up Boom, d.h. den finalen Boom am Ende einer Kreditexpansion.
maros 22.02.2011
4. Wsv!
Es ist Winterschlussverkauf. Meine Frau kam gestern mit einer dicken Tüte nach Hause. Grund: Sachen, die mal 50,- gekostet haben, gab es für 12,- usw. Das hat nichts mit Konsumrausch zu tun. Mehr Geld haben wir auch nicht - seit Jahren schon nicht mehr. Von welchen Deutschen wird da geschrieben?
Volker Gretz, 22.02.2011
5. -
Zitat von sysopDie Löhne steigen, die Jobchancen wachsen - das hebt die Konsumlaune der Deutschen. Das GfK-Konsumbarometer ist auf den höchsten Wert seit mehr als drei Jahren gestiegen - trotz zunehmenden Inflationsängsten. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,746902,00.html
Sogar Frau Merkel ist letztes Jahr für 300 Milliarden Euro "einkaufen" gegangen. Leider auf Pump. Klar bei Jobboom und Kaufrausch der Untertanen kann man im Megaufschwungsjahr 2010 die Verschuldung schon mal um 18% auf jetzt 4 Billionen DM erhöhen (ist leider im medialen Vorwahl-Nebel etwas untergegangen) Wehe, wenn sich herausstellt (nach den Landtagswahlen), dass sich Rekordschuldenkanzlerin Merkel die deutsche Wirtschaft bald nicht mehr leisten kann.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2011
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.