Trotz Konzernumbaus Sanierer Reilly darf für GM in Europa bleiben

Der neue Chef von General Motors Edward Whitacre räumt den angeschlagenen Konzern auf - und baut die Führung um. Der vorübergehend eingesetzte Europachef Nick Reilly wird seinen Posten behalten. Er soll Opel und Vauxhall mit Staatshilfe zurück in die Gewinnzone führen.

GM-Europachef Reilly mit Opel-Betriebsrat Franz: In drei Jahren wieder Gewinne
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GM-Europachef Reilly mit Opel-Betriebsrat Franz: In drei Jahren wieder Gewinne


Detroit - Der erst vor wenigen Tagen angetretene Chef von General Motors, Edward Whitacre, stellt erste Weichen. Er will den schlingernden US-Autobauer mit einem Umbau der Führungsetage schnell sanieren. "Ich will den Leuten mehr Zuständigkeiten und Kompetenzen in der Organisation geben", sagte Whitacre am Freitag in Detroit. Gleichzeitig müssten die Manager dann aber auch die Verantwortung für Ihr Handeln übernehmen, schob er hinterher.

Der eigentlich nur vorübergehend amtierende GM-Europachef Nick Reilly bleibt auf seinem Posten. Er werde deshalb seine bisherige Funktion als Leiter des internationalen Geschäfts aufgeben, hieß es. Der Brite war Anfang November als zwischenzeitlicher Europachef eingesetzt worden, um Opel und dessen britische Schwestermarke Vauxhall nach dem geplatzten Verkauf an Magna umzubauen.

"Ich freue mich außerordentlich, dass ich Opel und Vauxhall durch diese schwierige Zeit in eine langfristig erfolgreiche Zukunft steuern darf", sagte Reilly. "Wir haben viele Herausforderungen vor uns; es ist keine einfache Aufgabe, aber ich bin davon überzeugt, dass alles vorhanden ist, um erfolgreich zu sein." Am Freitag hatte er verkündet, in der Opel-Entwicklung in Rüsselsheim doch nicht Hunderte Ingenieure zu entlassen, wie es ursprünglich geplant gewesen war.

"Als Europäer bin ich ganz besonders engagiert, was die Zukunft dieses Unternehmens betrifft", sagte Reilly. Derzeit verhandelt er mit den Regierungen der Opel-Staaten über milliardenschwere Hilfen. Reilly kommt nach acht Jahren in Asien wieder nach Europa zurück. Der geborene Waliser war dort zunächst für die Restrukturierung des ehemaligen GM Daewoo Geschäfts zuständig. Im Anschluss war er Präsident von GM Asia-Pacific, und zuletzt Präsident von GM International Operations

77-Jähriger verantwortet Neuentwicklungen und Design

Auch dem GM-Urgestein Bob Lutz weist Whitacre eine neue Rolle zu: Statt ums Marketing soll sich der 77-jährige nun bei Design und Neuentwicklungen einbringen. Lutz war schon einmal Entwicklungschef. In dieser Zeit hat er sich speziell in Deutschland aber wenig Freunde gemacht. Opelaner werfen ihm vor, er sei mitverantwortlich dafür, dass sich die Marke zu langsam weiterentwickelt habe.

Den wichtigen GM-Heimatmarkt verantwortet künftig Mark Reuss. Für das internationale Geschäft ist nun Tim Lee zuständig. Zu seinen Regionen zählt das boomende Asien, Lateinamerika, Afrika und der Nahe Osten. Finanzchef Ray Young bleibt auf seinem Posten, obwohl bereits seit Monaten Spekulationen über seinen Abgang kursieren.

Whitacre hatte erst am Dienstag vorübergehend die Rolle des GM-Chefs übernommen - zusätzlich zu seiner Funktion als Chefkontrolleur des Konzerns. Er drängte den bisherigen Amtsinhaber Fritz Henderson nach immer wiederkehrenden Meinungsverschiedenheiten hinaus, unter anderem beim Thema Opel. Whitacre war es, der die deutsche Tochter mit allen Mitteln behalten wollte und nun Staatshilfe von den Regierungen der europäischen Opel-Länder verlangt.

Am kommenden Dienstag will Whitacre darüber informieren, wie es um GM steht. Der 68-Jährige gilt schon seit Monaten als starker Mann bei GM. Er genießt die Rückendeckung von US-Präsident Barack Obama. Der Staat ist Mehrheitseigner und größter Gläubiger von GM. Kritiker werfen Whitacre jedoch vor, er habe keinerlei Erfahrung im Autogeschäft, was dieser auch freimütig zugibt. Vor seiner Berufung zum GM-Verwaltungsratschef führte er über 17 Jahre lang den Telekomkonzern AT&T. In den kommenden Monaten soll ein endgültiger GM-Chef gefunden werden.

ore/dpa-afx/dpa/Reuters

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Seite 1
mr green 03.11.2009
1.
was soll man sagen?das ganze ist so irrwitzig und abstrakt, dass einem schlicht die worte fehlen...dumm gelaufen....wär fast eine lustige parodie, wenn es dabei nicht um menschen gehen würde. aber rational gesehen, handhaben wir ja zwischenzeitlich alles systemisch...von demher: naiv ist der, der sich noch über irgendetwas wundert!
Haio Forler 03.11.2009
2.
Zitat von sysopGeneral Motors will Opel jetzt doch behalten - und lässt den Deal mit Magna platzen. Wie blamiert ist die deutsche Politik nach dem Hin und her?
Kann nicht Quelle mal langsam Opel übernehmen? Oder Ravensburger? Ich kann das widerlich-langweilige Thema langsam nicht mehr hören. Macht mit Opel, was ihr wollt. Nur lasst uns langsam in Ruhe mit dem Gähnfaktor. Wer kauft schon einen Astra.
erben2 04.11.2009
3. Blamage??
Zitat von sysopGeneral Motors will Opel jetzt doch behalten - und lässt den Deal mit Magna platzen. Wie blamiert ist die deutsche Politik nach dem Hin und her?
Blamiert? Wieso? Die Herren Koch, Rüttgers und zu Gutenberg haben sich schon vorher der Lächerlichkeit preis gegeben. Herr Rüttgers flog in den USA um für die Arbeiter in Bochum zu kämpfen. Herr zu Gutenberg stand als bestangezogener Politiker Deutschlands in New York und war kurz davor den Ackemann zu machen (Victory) und Herr Koch gab uns schon vor Monaten den Schwätzer. Es geht nicht um die Blamage der deutschen Politik, dazu braucht man auch keine Opel-Krise. Es geht um Tausende Menschen, die sich von der Geschwätzigkeit, der Eitelkeit und der Unehrlichkeit der meisten Beteiligten haben veralbern lassen. Es geht um Arbeiter und Angestellte in den Fabriken, denen in deutscher Sprache das Hemd ausgezogen wurde und die jetzt zu hören bekommen, dass die Manager bei GM schuld sind. Die Krise und Wahlkampf - eine schlimme Kombination.
smokeonit 04.11.2009
4. richtig
richtige Entscheidung! nur unter GM hat Opel eine Chance zu überleben!
Philip Marlowe 04.11.2009
5. Die deutsche Politik
hat nur einmal mehr ihre Realitätsverweigerung bewiesen. Spätestens seit der de facto Verstaatlicheung von General Motors steht der Konzern nicht mehr finanziell mit dem Rücken zur Wand und der (Not-)Verkauf eines der produktivsten Unternehmensteile ist unternehmerischer Widersinn geworden. In Detroit konnte man sich beruhigt zurücklehnen und abwarten, wieviele Milliarden die Deutschen bis zur Bundestagswahl noch lockermachen. Und jetzt sagt man den Schwachsinn mit Magna und der quasi-staatlichen russischen Bank eben wieder ab. That's life...
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