Trotz Läster-Attacke Katar kauft 50 Airbus-Maschinen

Airbus hat sich milliardenschwere Großaufträge aus Katar und den USA gesichert. Zuvor sah sich der Flugzeugbauer aber heftigem Spott ausgesetzt: Das Unternehmen sei "immer noch dabei zu lernen, wie man Flugzeuge baut", lästerte ein Airline-Chef.


Dubai/Paris - Der europäische Flugzeugbauer Airbus hat bei der Luftfahrtmesse in Dubai Milliardenaufträge erhalten. Die arabische Gesellschaft Qatar Airways gab am Dienstag eine Festbestellung über 50 Mittelstreckenmaschinen des Typs A320neo und fünf Exemplare des doppelstöckigen Großraumfliegers A380 ab.

Der Flugzeugfinanzierer Aviation Capital Group orderte zudem 30 Exemplare der auf Spritsparen getrimmten A320neo, wie Airbus berichtete. Laut Preisliste haben die beiden Aufträge einen Gesamtwert von 9,1 Milliarden US-Dollar.

Zudem unterzeichnete die US-Fluggesellschaft Spirit Airlines einen Vorvertrag über 45 A320neo sowie 30 herkömmliche A320. Laut Preisliste hätte die Order einen Gesamtwert von 6,7 Milliarden US-Dollar. Allerdings sind bei Flugzeugbestellungen Nachlässe im zweistelligen Prozentbereich üblich.

Deal ging stundenlanger Nervenkrimi voraus

Dem Großauftrag von Qatar Airways war ein stundenlanger Nervenkrimi vorausgegangen. Die Bekanntgabe der Bestellung verzögerte sich erheblich, eine ursprünglich angesetzte Pressekonferenz platzte. Qatar-Chef Akbar Al Baker hatte Verhandlungen über "technische Angelegenheiten" als Grund genannt und gespottet, Airbus sei "immer noch dabei zu lernen, wie man Flugzeuge baut".

Airbus-Verkaufschef John Leahy entgegnete später, Airbus lerne sehr schnell - ohne auf mögliche Zugeständnisse bei Lieferbedingungen oder Rabatten einzugehen.

Für die A320neo hat die EADS-Tochter Airbus nach eigenen Angaben in weniger als einem Jahr mehr als 1200 Bestellungen und Kaufabsichtserklärungen entgegen genommen. Das Modell ist der Nachfolger des langjährigen Kassenschlagers A320. Auch dank neuer Triebwerksmodelle soll die A320neo rund 15 Prozent weniger Treibstoff verbrauchen und deutlich leiser fliegen. Die Markteinführung ist für 2015 geplant.

cte/dpa

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Seite 1
dwhm 15.11.2011
1. Markteinführung
des A320NEO ist für 2016 geplant und nicht wie angegeben schon 2015.
Gani, 15.11.2011
2. Von Scheichs und Prinzen mit grossen Klappen
Allerdings sind diese Suppenkasper in wichtigen Firmenpositionen doch recht selten, denn in der Regel wissen diese Leute wie man Geschäfte macht - nämlich so nicht. Die Retourkutsche wird irgendwann kommen.
el_dahlem 15.11.2011
3. Korrektur
Zitat von dwhmdes A320NEO ist für 2016 geplant und nicht wie angegeben schon 2015.
Leider muss ich Sie korrigieren. Urspruenglich war die A320 NEO fuer 2016 geplant, wurde dann aber wegen der grossen Kundennachfrage um ein halbes Jahr vorgezogen. Zu 95% ist es das gleiche Flugzeug wie es derzeit gebaut wird und unterscheidet sich in erster Linie nur durch neue Triebwerke und Sharklets. Bringt in der Summe aber 15% Spritersparnis. MfG
horstma 15.11.2011
4. Es läuft alles richtig.
Diese verbalen "Scharmützel" zwischen Boeing und Airbus zeigen doch nur eins: Es läuft eine gesunde Konkurrenz zwischen den beiden Rivalen, auf Augenhöhe, mit dem Ergebnis, daß technischer Fortschritt erzielt wird. Hauptsächlich Richtung weniger Verbrauch, und damit auch im Sinn des Umweltschutzes. Man stelle sich nur einmal vor, Airbus gäbe es nicht, und Boeing wäre der Alleinherrscher auf diesem Gebiet. Das wäre dann nämlich so. Dann würde die Luftfahrttechnik seit 30 Jahren stagnieren, weil es für Boeing überhaupt keinen Grund gäbe, sich über Verbesserungen Gedanken zu machen. Dann hätten wir heute noch 737-500, 767, und eine irgendwie vergrösserte 747.
efohy 15.11.2011
5. Sehr richtig...
Zitat von horstmaDiese verbalen "Scharmützel" zwischen Boeing und Airbus zeigen doch nur eins: Es läuft eine gesunde Konkurrenz zwischen den beiden Rivalen, auf Augenhöhe, mit dem Ergebnis, daß technischer Fortschritt erzielt wird. Hauptsächlich Richtung weniger Verbrauch, und damit auch im Sinn des Umweltschutzes. Man stelle sich nur einmal vor, Airbus gäbe es nicht, und Boeing wäre der Alleinherrscher auf diesem Gebiet. Das wäre dann nämlich so. Dann würde die Luftfahrttechnik seit 30 Jahren stagnieren, weil es für Boeing überhaupt keinen Grund gäbe, sich über Verbesserungen Gedanken zu machen. Dann hätten wir heute noch 737-500, 767, und eine irgendwie vergrösserte 747.
... ausserdem würde Boing die Preise diktieren, wie das noch in den 70ern der Fall war. Ein Ticket F - NY würde dann heute mindestens €2000 kosten, Holzklasse, 6 Monate zum Sparpreis vorher gebucht. Und bei der Rechnung ist noch nichtmal der höhere Preis für den Treibstoff einbezogen. Aber wer weiss, vielleicht gäbe es dafür noch die DC-10 ;)
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