Trotz Stellenstreichungen Wirtschaftsforscher sehen stabilen deutschen Arbeitsmarkt

Sind der Jobabbau bei BASF und Deutscher Bank Vorboten einer Beschäftigungskrise? Nein, sagen Ökonomen. Dennoch müsse die Regierung vorsorgen.

6000 Stellen sollen weltweit wegfallen: Anlage des Chemiekonzerns BASF
Ronald Wittek/EPA-EFE/REX

6000 Stellen sollen weltweit wegfallen: Anlage des Chemiekonzerns BASF


Für die betroffenen Mitarbeiter ist es bitter: Die Deutsche Bank streicht weltweit 18.000 Stellen, bei BASF fallen insgesamt 6000 Stellen weg - davon die Hälfte in Deutschland. Trotz solch prominenter Fälle erwarten Wirtschaftsforscher aber keinen flächendeckenden Jobabbau in Deutschland. "Über die gesamte Wirtschaft rechnen wir nicht mit einem Beschäftigungsabbau, sondern nur mit einer Verlangsamung der Neueinstellungen", sagte der Präsident des Kieler Instituts für Weltwirtschaft, Gabriel Felbermayr, den Zeitungen der Funke Mediengruppe.

Zwar schlage die derzeitige Konjunkturschwäche auch zunehmend auf den Arbeitsmarkt durch, besonders in der verarbeitenden Industrie laufe es schlecht. Allerdings gebe es dafür auch hausgemachte Gründe, und diese Entwicklung lasse nicht zwingend Rückschlüsse auf die Konjunktur insgesamt zu. "Die deutsche Wirtschaft war zuletzt sehr stark ausgelastet, was eher zu einer Arbeitskräfteknappheit führte", erklärte Felbermayr.

Auch Marcel Fratzscher, Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), sagte den Funke-Zeitungen, es gebe keinen Grund, wegen der anstehenden Entlassungen bei der Deutschen Bank und bei BASF "in Panik zu verfallen". Anpassungen bei einzelnen Unternehmen habe es schon immer gegeben und werde es auch immer geben. Die deutsche Wirtschaft sei robust und sollte in diesem sowie im nächsten Jahr unter dem Strich mehr neue Jobs schaffen, als alte wegfallen.

Das größte Risiko für die deutsche Wirtschaft ist laut Fratzscher der globale Handelskonflikt, der sich in den kommenden Monaten verschärfen könnte. "Der US-Präsident scheint Deutschland als seine nächste Zielscheibe auserkoren zu haben", sagte der DIW-Präsident. Die Bundesregierung müsse daher "ein kluges Investitionsprogramm vorbereiten".

EU-Kommission senkt Wachstumsprognose

Auch die EU-Kommission warnt vor den Folgen des Handelskonflikts. Sie beurteilt die Aussichten für das Wirtschaftswachstum in den Euroländern und speziell auch in Deutschland etwas vorsichtiger. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) dürfte 2020 in Deutschland nur noch um 1,4 Prozent statt der bislang erwarteten 1,5 Prozent wachsen, teilte die EU-Kommission in ihrer Sommerprognose mit.

Die kurzfristigen Aussichten für die europäische Wirtschaft würden derzeit von externen Faktoren und erheblicher politischer Unsicherheit überschattet. Diese Situation belaste nach wie vor das Unternehmervertrauen im verarbeitenden Gewerbe, das von der Entwicklung des Welthandels am stärksten abhängig ist, und dürfte die Wachstumsaussichten für den restlichen Jahresverlauf schwächen. Für 2019 rechnet die EU-Kommission unverändert mit einem BIP-Wachstum von 0,5 Prozent in Deutschland.

Auch die Aussichten für die Wirtschaft der Eurozone bewertet die Kommission vorsichtiger. Das BIP der 19 Länder der Währungsunion dürfte demnach 2020 nur noch um 1,4 Prozent statt der bislang erwarteten 1,5 Prozent zulegen.

Wie funktioniert die Civey-Methodik?
Das Meinungsforschungsinstitut Civey arbeitet mit einem mehrstufigen vollautomatisierten Verfahren. Alle repräsentativen Echtzeitumfragen werden in einem deutschlandweiten Netzwerk aus mehr als 20.000 Websites ausgespielt ("Riversampling"), es werden also nicht nur Nutzer von SPIEGEL ONLINE befragt. Jeder kann online an den Befragungen teilnehmen und wird mit seinen Antworten im repräsentativen Ergebnis berücksichtigt, sofern er sich registriert hat. Aus diesen Nutzern zieht Civey eine quotierte Stichprobe, die sicherstellt, dass sie beispielsweise in den Merkmalen Alter, Geschlecht und Bevölkerungsdichte der Grundgesamtheit entspricht. In einem dritten Schritt werden die Ergebnisse schließlich nach weiteren soziodemografischen Faktoren und Wertehaltungen der Abstimmenden gewichtet, um Verzerrungen zu korrigieren und Manipulationen zu verhindern. Weitere Informationen hierzu finden Sie auch in den Civey FAQ.
Warum ist eine Registrierung nötig?
Die Registrierung hilft dabei, die Antworten zu gewichten, und ermöglicht so ein Ergebnis für die Umfragen, das für die Wahlbevölkerung in Deutschland repräsentativ ist. Jeder Teilnehmer wird dabei nach seinem Geschlecht, Geburtsjahr und Wohnort gefragt. Danach kann jeder seine Meinung auch in weiteren Umfragen zu unterschiedlichen Themen abgeben.
Wie werden die Ergebnisse repräsentativ?
Die Antwort jedes Teilnehmers wird so gewichtet, dass das Resultat einer Umfrage für die Grundgesamtheit repräsentativ ist. Bei der Sonntagsfrage und beim Regierungsmonitor umfasst diese Grundgesamtheit die wahlberechtigte Bevölkerung in Deutschland. Die Gewichtung geschieht vollautomatisiert auf Basis der persönlichen Angaben bei der Registrierung sowie der Historie früherer Antworten eines Nutzers. Weitere Details zur Methodik stehen im Civey-Whitepaper.
Erreicht man online überhaupt genügend Teilnehmer?
Meinungsumfragen werden in der Regel telefonisch oder online durchgeführt. Für die Aussagekraft der Ergebnisse ist entscheidend, wie viele Menschen erreicht werden können und wie viele sich tatsächlich an einer Umfrage beteiligen, wenn sie angesprochen werden. Internetanschlüsse und Festnetzanschlüsse sind in Deutschland derzeit etwa gleich weit verbreitet - bei jeweils rund 90 Prozent der Haushalte, Mobiltelefone bei sogar 95 Prozent. Die Teilnahmebereitschaft liegt bei allen Methoden im einstelligen Prozentbereich, besonders niedrig schätzen Experten sie für Telefonumfragen ein.
Es gibt also bei beiden Methoden eine Gruppe von Personen, die nicht erreicht werden kann, weil sie entweder keinen Anschluss an das jeweilige Netz hat oder sich nicht an der Umfrage beteiligen möchte. Deshalb müssen für ein aussagekräftiges Ergebnis immer sehr viele Menschen angesprochen werden. Civey-Umfragen sind derzeit neben SPIEGEL ONLINE in mehr als 20.000 andere Webseiten eingebunden, darunter auch unterschiedliche Medien. So wird gewährleistet, dass möglichst alle Bevölkerungsgruppen gut erreicht werden können.
Woran erkenne ich die Güte eines Ergebnisses?
Bis das Ergebnis einer Umfrage repräsentativ wird, müssen ausreichend viele unterschiedliche Menschen daran teilnehmen. Ob das bereits gelungen ist, macht Civey transparent, indem zu jedem Umfrageergebnis eine statistische Fehlerwahrscheinlichkeit angegeben wird. Auch die Zahl der Teilnehmer und die Befragungszeit werden für jede Umfrage veröffentlicht.
Was bedeutet es, wenn sich die farbigen Bereiche in den Grafiken überschneiden?
In unseren Grafiken ist der statistische Fehler als farbiges Intervall dargestellt. Dieses Intervall zeigt jeweils, mit welcher Unsicherheit ein Umfragewert verbunden ist. Zum Beispiel kann man bei der Sonntagsfrage nicht exakt sagen, wie viel Prozent eine Partei bei einer Wahl bekommen würde, jedoch aber ein Intervall angeben, in dem das Ergebnis mit hoher Wahrscheinlichkeit liegen wird. Überschneiden sich die Intervalle von zwei Umfragewerten, dann können streng genommen keine Aussagen über die Differenz getroffen werden. Bei der Sonntagsfrage heißt das: Liegen die Umfragewerte zweier Parteien so nah beieinander, dass sich ihre Fehlerintervalle überlappen, lässt sich daraus nicht ableiten, welche von beiden aktuell bei der Wahl besser abschneiden würde.
Was passiert mit meinen Daten?
Die persönlichen Daten der Nutzer werden verschlüsselt auf deutschen Servern gespeichert und bleiben geheim. Mitarbeiter von Civey arbeiten für die Auswertungen lediglich mit User-IDs und können die Nutzer nicht mit ihrer Abstimmung in Verbindung bringen. Die persönlichen Angaben der Nutzer dienen vor allem dazu, die Antworten zu gewichten und sicherzustellen, dass die Umfragen nicht manipuliert werden. Um dies zu verhindern, nutzt Civey statistische wie auch technische Methoden. Darüber hinaus arbeitet Civey mit externen Partnern zusammen, die Zielgruppen für Werbetreibende erstellen. Nur wenn Nutzer die Datenschutzerklärung sowohl von Civey als auch von einem externen Partner akzeptiert haben, dürfen Ihre Antworten vom Partner zur Modellierung dieser Zielgruppen genutzt werden. Ein Partner erhält aber keine Informationen zu Ihren politischen und religiösen Einstellungen sowie solche, mit denen Sie identifiziert werden können. Civey-Nutzer werden auch nicht auf Basis ihrer Antworten mit Werbung bespielt. Der Weitergabe an Partner können Sie als eingeloggter Nutzer jederzeit hier widersprechen. Mehr Informationen zum Datenschutz bei Civey finden Sie hier.
Wer steckt hinter Civey-Umfragen?
An dieser Stelle haben Leser in der App und auf der mobilen/stationären Website die Möglichkeit, an einer repräsentativen Civey-Umfrage teilzunehmen. Civey ist ein Online-Meinungsforschungsinstitut mit Sitz in Berlin. Zur Erhebung seiner repräsentativen Umfragen schaltet die Software des 2015 gegründeten Unternehmens Websites zu einem deutschlandweiten Umfragenetzwerk zusammen. Neben SPIEGEL ONLINE gehören unter anderem auch der "Tagesspiegel", "Welt", "Wirtschaftswoche" und "Rheinische Post" dazu. Civey wurde durch das Förderprogramm ProFit der Investitionsbank Berlin und durch den Europäischen Fonds für regionale Entwicklung finanziert.

mmq/Reuters/AFP



insgesamt 10 Beiträge
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karlo1952 10.07.2019
1. Es ist zumindest positiv, dass
einige Ökonomen noch nicht an den wirtschaftlichen Abschwung glauben, denn sonst verfallen wir mit jeder Hiobsbotschaft schneller in die selbsterfüllende Prophezeiung.
three-horses 10.07.2019
2. Bescheidend am Anfang.
"Die Bundesregierung müsse daher "ein kluges Investitionsprogramm vorbereiten"...ja, die Infrastruktur, Energie und Wasser. Und eine Transferstraße wo man die Autos verschrottet. Muss nicht gleich sein, bis Wochenende reicht schon mal. Dann kann man ein Projekt starten, wo die Politiker ein normales Gehirn eingepflanzt bekommen. Für der Anfang sollte es reichen.
Duggi 10.07.2019
3. Von wem werden sie zu Vortragsveranstaltungen eingeladen und bezahlt?
Der Produktivitätsgewinn durch Digitalisierung wird in vollem Umfang von der Kapitalseite vereinnahmt werden, die Arbeitnehmerseite wird ihn mit Beschäftigungslosigkeit und sozialem Abstieg bezahlen. Die ersten Ankündigungen von Massenantlassungen sind draußen und nur die Vorboten der bevorstehenden Verwerfungen am Arbeitsmarkt.
soisses1 10.07.2019
4. Eigentlich
sind solche Artikel die perfekten Kontraindikatoren. Habe mir nen Memo gesetzt. DAX Short wäre ein logischer weiterer Schritt.
Duggi 10.07.2019
5. Wirtschaftsforscher?
Sie kommen mir immer mehr wie von der Wirtschaft bestellte Schamanen vor, die bei Bedarf wild gestikulierend und Beschwörungsformeln ausrufend aufgeregt durch die Agenturen und Redaktionen tanzen. :-)
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