Trotz Wohnungsmangel Behörden erteilen weniger Baugenehmigungen

Bauen, bauen, bauen - so lautet das Credo, um den Wohnungsmangel in den Städten zu bekämpfen. Trotzdem sank die Zahl der Baugenehmigungen im ersten Halbjahr 2019 - vor allem für Mehrfamilienhäuser, die dringend gebraucht werden.
Baugerüst (hier in Berlin): Teures Bauland als Bremse für neue Wohnungen

Baugerüst (hier in Berlin): Teures Bauland als Bremse für neue Wohnungen

Foto: Patrick Pleul/ DPA

Obwohl in vielen deutschen Städten Wohnungen fehlen, ist die Zahl der Baugenehmigungen im ersten Halbjahr gesunken.

Die Zahlen des Statistischen Bundesamts besagen, dass im ersten Halbjahr 2019 weniger Baugenehmigungen als im Vorjahreszeitraum erteilt wurden. Von Januar bis einschließlich Juni wurde der Neubau oder Umbau von gut 164.600 Wohnungen erlaubt, teilte das Statistische Bundesamt mit. Das waren 2,3 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum.

In neu zu errichtenden Wohngebäuden wurden in den sechs Monaten knapp 142.400 Wohnungen genehmigt. Das waren 3,1 Prozent oder gut 4500 Einheiten weniger als ein Jahr zuvor. Während das Niveau bei den Einfamilienhäusern fast unverändert blieb (minus 0,1 Prozent), sank die Zahl der Baugenehmigungen für Zweifamilienhäuser (minus 4,7 Prozent) und Mehrfamilienhäuser (minus 3,2 Prozent) deutlicher.

"Insbesondere der Rückgang der Baugenehmigungen bei Mehrfamilienhäusern ist alarmierend. Denn hier gibt es den größten Bedarf", sagte der Bundesvorsitzende der Gewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU), Robert Feiger. Teures Bauland mache den Bau bezahlbarer Wohnungen vielerorts unmöglich.

"Der Grundstücksmarkt, der den Flaschenhals für mehr Baugenehmigungen bildet, ist nahezu ausgetrocknet", sagte der Präsident des Bundesverband Freier Immobilien- und Wohnungsunternehmen (BFW), Andreas Ibel. "Jetzt sind die Kommunen gefragt, ausreichend bezahlbares Bauland auszuweisen und Verfahren zu beschleunigen.", forderte er.

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Um die große Nachfrage nach Immobilien zu decken, müssen nach Einschätzung von Politik und Bauwirtschaft in Deutschland jährlich 350.000 bis 400.000 Wohnungen entstehen. Im vergangenen Jahr wurde der Neubau von knapp 302.800 Wohnungen in reinen Wohngebäuden genehmigt. Inklusive Nichtwohngebäuden gab es im Jahr 2018 gut 347.000 Genehmigungen.

2018 wurden so viele Wohnungen fertiggestellt wie seit 16 Jahren nicht mehr - insgesamt 285.900. Union und SPD streben im Koalitionsvertrag an, bis 2021 rund 1,5 Millionen Wohnungen zu bauen - das wären 375.000 pro Jahr. Experten halten dieses Ziel allerdings für nicht mehr erreichbar.

Der Neubau von Wohnungen stockt, weil Flächen in Ballungsräumen knapp sind, die Grundstückspreise deutlich angezogen haben und weil auch Handwerker wegen voller Auftragsbücher kaum hinterherkommen.

Laut der staatlichen Förderbank KfW befinden sich derzeit etwa 600.000 Wohnungen im Bau, die in den vergangenen Jahren genehmigt worden seien. Insbesondere in den teuren und wachsenden Ballungsregionen müsse "weiterhin etwas gegen Wohnungsknappheit und Überforderung von Mietern getan werden", sagte KfW-Ökonom Martin Müller.

Im Video: Wohnungsnot in Deutschland - Modernes Wohnen

SPIEGEL TV
mmq/dpa/Reuters
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