Chipproduktion in Dresden EU-Kommission genehmigt Milliardensubvention für TSMC-Fabrik
Kommissionspräsidentin von der Leyen, TSMC-Chef C.C. Wei, Kanzler Scholz: »Das ist erst der Anfang«
Foto: Axel Schmidt / REUTERSEs wirkt ein wenig so, als wolle die frisch wiedergewählte Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen Bundeskanzler Olaf Scholz die Show stehlen: Pünktlich zum Spatenstich für den Bau der ersten europäischen Chipfabrik von TSMC hat die EU die fünf Milliarden Euro schweren deutschen Staatshilfen gebilligt.
Man genehmige die Subventionen für das Halbleiterwerk des weltgrößten Auftragsfertigers, sagte von der Leyen in Dresden. »Aber das ist erst der Anfang«, sagte die CDU-Politikerin. Sie wolle im neuen EU-Haushaltsplan einen neuen Fonds für Investitionen in strategisch wichtige Technologien vorschlagen. »Die nächste EU-Kommission muss und wird eine Investitionskommission sein.«
Im Dresdner TSMC-Werk werden voraussichtlich ab 2027 zwar weniger moderne Halbleiter produziert. Diese Mikrocontroller für Sensoren, Bremsen oder andere Anwendungen sind für die deutschen Automobil- und Maschinenbauer aber wichtig. Diese Branchen hatten wegen ausbleibender Lieferungen während der Coronapandemie ihre Produktion drosseln oder unterbrechen müssen.
Scholz: »Wenn wir das nicht tun, dann tun es andere«
TSMC habe sich für Dresden entschieden, um nahe an den Kunden zu sein, sagte C. C. Wei, Chef des taiwanischen Konzerns, bei der Feierstunde zur Grundsteinlegung. »Wir wollen den führenden europäischen Produktionsstandort schaffen.« Bereits heute ist »Silicon Saxony«, die Region um Dresden, der Hauptpfeiler der europäischen Chipindustrie. So baut beispielsweise Infineon sein dortiges Werk für fünf Milliarden Euro aus.
Auch Kanzler Scholz bekannte sich zur Förderung der Halbleiterbranche. »Wenn wir diese Produktion in Europa haben wollen – wo sie nicht unbedingt am günstigsten zu machen ist – dann müssen wir das finanziell ermöglichen. Wenn wir das nicht tun, dann tun es andere – und unsere Abhängigkeit wächst«, sagte der SPD-Politiker.
Durch die Digitalisierung und die Abwendung von fossilen Brennstoffen wachse der Bedarf an Computerchips, die bislang meist außerhalb Europas produziert würden. Die EU hatte daher den »Chips Act« verabschiedet, der dabei helfen soll, bis 2030 den europäischen Anteil an der weltweiten Produktion auf 20 Prozent zu verdoppeln. Allerdings wird sich der Bedarf bis dahin voraussichtlich ebenfalls verdoppeln. Bei diesen Initiativen gehe es aber nicht um eine Abkoppelung von Märkten wie China, sondern um den Abbau von Risiken, sagte Scholz.
Der Bund fördert den Bau des Werks der European Semiconductor Manufacturing Company (ESMC), an der neben TSMC auch die europäischen Halbleiterhersteller Infineon und NXP beteiligt sind, mit insgesamt bis zu fünf Milliarden Euro. Das Gesamt-Investitionsvolumen beläuft sich auf zehn Milliarden Euro, von denen TSMC 3,5 Milliarden Euro beisteuert.
Mit 30 Milliarden Euro soll die von Intel in Magdeburg geplante Megafab dreimal so teuer werden. Hier will Deutschland für den einzigen europäischen Standort für die Produktion hochmoderner Computerchips zehn Milliarden Euro zuschießen. Die EU-Genehmigung hierfür ist Schätzungen zufolge erst in einigen Jahren zu erwarten. An den Planungen der Fabrik in Magdeburg waren zuletzt Zweifel aufgekommen.
Sachsens Wirtschaftsminister Martin Dulig äußerte sich optimistisch, dass so etwas in Sachsen nicht drohe – und die Produktion 2027 beginnen könne. Er sei zu »100 Prozent« sicher, dass die Unterstützung des Jointventure von TSMC zusammen mit Bosch, Infineon und NXP eine richtige Entscheidung sei. »Und an der wird auch nie gewackelt«, sagte der SPD-Politiker. Auch bezüglich des Zeitplans sei er zuversichtlich. Er verwies auf die minutiösen Vorbereitungen zwischen dem taiwanischen Unternehmen und der sächsischen Landesregierung sowie die Partnerschaft der vier Unternehmen. Grundsätzliche Fragen wie Infrastruktur, Wasser, Abwasser oder die Energieversorgung seien bereits geklärt worden. »Das macht gerade eine besondere Position für Dresden aus und die wollen wir auch nutzen.«