Türkei vor Kommunalwahl Lira geht um mehr als fünf Prozent runter

In der Türkei geraten Lira und Börse erneut unter Druck. Investoren berichten zudem von einem Trick, mit dem Banken versuchen würden, die Währung vor den wichtigen Kommunalwahlen stabil zu halten.
Basar in Istanbul (Archiv)

Basar in Istanbul (Archiv)

Foto: YASIN AKGUL/ AFP

Die Kursturbulenzen an den türkischen Börsen gehen weiter. Anleger zogen sich am Donnerstag erneut fluchtartig aus der Währung des Landes zurück. Dadurch verlor die Währung zum Dollar zwischenzeitlich mehr als fünf Prozent ihres Wertes, erholte sich später allerdings wieder etwas. Türkische Anleihen gerieten ebenfalls unter Druck. Am Londoner Geldmarkt entspannte sich die Lage dagegen. Der Zins für Lira-Übernachtkredite fiel auf 50 Prozent, nachdem er am Mittwoch auf bis zu 1200 Prozent gestiegen war.

Marktteilnehmer hatten zuvor berichtet, türkische Banken würden ausländischen Investoren keine Lira mehr leihen - um weitere Wetten auf einen Verfall der Währung zu erschweren. Der Chef des türkischen Bankenverbandes wies die Manipulationsvorwürfe allerdings zurück.

Zuvor war der Leitindex BIST 100 den vierten Handelstag in Folge gefallen. Bei einem zeitweiligen Verlust am Mittwoch von sieben Prozent büßte er so stark ein wie seit Juli 2016 nicht mehr. Zum Handelsschluss belief sich das Minus auf 5,7 Prozent. Die seit Jahresbeginn eingefahrenen Gewinne sind inzwischen wieder aufgezehrt. Seit dem jüngsten Jahreshoch am 19. März hat der BIST 100 in der Spitze knapp 14 Prozent eingebüßt.

Bei den anstehenden Kommunalwahlen an diesem Sonntag ist die konjunkturelle Lage des Landes eines der Hauptthemen. Beobachter befürchten, die Führung um Präsident Erdogan könnte versuchen, mit administrativen Mitteln in die Wirtschaft einzugreifen, um die Wirtschaftslage zu schönen. Die Wirtschaft der Türkei war zum Ende des Jahres 2018 in eine Rezession abgerutscht.

beb/Reuters
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