Angebliche Terrorhelfer Schwarze Liste der Türkei umfasst 681 deutsche Firmen

Die türkische Liste angeblicher deutscher Terrorunterstützer ist viel länger als bisher bekannt. Statt Dutzenden stehen Hunderte deutsche Firmen darauf.
Recep Tayyip Erdogan

Recep Tayyip Erdogan

Foto: TOBIAS SCHWARZ/ AFP

Die möglichen Verdächtigungen türkischer Behörden gegen deutsche Firmen sind deutlich umfangreicher als bisher bekannt. Die Liste, mit der die türkische Regierung deutsche Unternehmer und Einzelpersonen der Terrorunterstützung verdächtigt, umfasst 681 Namen. Das berichten das "Handelsblatt" und die Nachrichtenagentur Reuters jeweils unter Berufung auf deutsche Regierungs- und Sicherheitskreise.

Am Mittwoch hatte die "Zeit" über eine neue Liste mit 68 Namen von Unternehmen und Einzelpersonen berichtet, denen die Türkei pauschal Hilfe zum Terror unterstellt. Zur genauen Größenordnung der Liste berichtete nun das "Handelsblatt" unter Berufung auf mit der Liste vertraute Quellen: An die von der "Zeit" genannte Zahl müsse "aber noch eine Null gehängt werden".

Erstmals befinden sich auch deutsche Unternehmen auf solch einer Liste. Die Daten sollen bereits vor Wochen dem Bundeskriminalamt (BKA) übergeben worden sein - und Großkonzerne wie Daimler und BASF genauso nennen wie eine Dönerbude. Die Beziehungen zwischen Deutschland und der Türkei sind aber auch wegen der Verhaftung von Deutschen wie dem Menschenrechtler Peter Steudtner angespannt.

Bundesaußenminister Sigmar Gabriel hatte die Existenz der Liste bestätigt - und das Problem ebenfalls als noch deutlich größer bezeichnet. "Wer Dutzenden Unternehmen pauschal Hilfe zum Terror unterstellt, die Liste ist sogar noch viel länger, (...) der will offenbar das Rad der Geschichte zurückdrehen", sagte der SPD-Politiker am Donnerstag. Er kündigte daraufhin eine "Neuausrichtung" der deutschen Türkei-Politik an.

Der türkische Vize-Premierminister, Mehmet Simsek, sagte dem "Handelsblatt": "Ich möchte der deutschen Wirtschaft versichern, dass deutsche Unternehmen keinen Untersuchungen zur Terrorismusfinanzierung durch türkische Behörden unterliegen." Die Berichte, dass türkische Behörden 68 deutsche Unternehmen untersuchten, seien daher falsch. "Deutsche Mitarbeiter, Aktionäre, Verbraucher und Lieferanten sollten keinen Anlass zur Sorge haben", wird er zitiert. Zuvor hatte bereits der türkische Wirtschaftsminister Nihat Zeybekci den Schutz deutscher Investitionen versprochen - und zwar zu "100 Prozent".

Branchenangaben zufolge sind rund 6800 deutsche Unternehmen in der Türkei aktiv. Das bilaterale Handelsvolumen liegt demnach bei 37 Milliarden Euro. Bei den Ausfuhren rangiert die Türkei den Angaben zufolge unter den Zielländern auf Platz 15.

Die deutsche Wirtschaft hatte auf die Liste empört reagiert. Deutsche Unternehmen "benötigen ein stabiles Umfeld, das immer mehr ins Wanken gerät", hieß es aus Kreisen des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI). Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) ging wegen der aktuellen Lage in der Türkei inzwischen davon aus, dass "neue Investitionen vertagt werden".

apr/Reuters
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