Investitionen in der Türkei Minister verspricht deutschen Firmen "100 Prozent" Schutz

Erst provozieren, dann beschwichtigen: Nachdem die Türkei Terrorverdächtigungen gegen Daimler und BASF erhoben hat, wirbt der Wirtschaftsminister nun um "unsere deutschen Freunde".

Wirtschaftsminister Nihat Zeybekci
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Wirtschaftsminister Nihat Zeybekci


Der Wirtschaftsflügel in der türkischen Regierung versucht, im Konflikt mit Deutschland zu beschwichtigen. Wirtschaftsminister Nihat Zeybekci sagte der Nachrichtenagentur Reuters, die Regierung in Ankara garantiere den Schutz deutscher Investitionen, und zwar zu "100 Prozent".

Die Beziehungen zwischen Deutschland und der Türkei sind angespannt. Die "Zeit" hatte Mitte der Woche berichtet, dass Ankara den deutschen Sicherheitsbehörden eine Liste mit Namen von Personen und Firmen in Deutschland übergeben hatte, denen Ankara "Terrorunterstützung" vorwerfe. Darunter sind unter anderem die Konzerne BASF und Daimler. Zudem nahmen türkische Behörden den deutschen Menschenrechtler Peter Steudtner in Haft.

Außenminister Sigmar Gabriel (SPD) kündigte daraufhin am Donnerstag eine "Neuausrichtung" der deutschen Türkei-Politik an. Gabriel warnte Türkei-Urlauber vor willkürlichen Verhaftungen. Er rief auch deutsche Firmen auf, Investitionen in der Türkei gut zu überdenken. Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) geht wegen der aktuellen Lage in der Türkei inzwischen davon aus, dass "neue Investitionen vertagt werden".

Die türkische Wirtschaft ist allerdings stark abhängig von Investitionen aus dem Ausland (mehr Informationen zum Thema hier: Erdogan und die Investoren - geliebte Feinde). Wirtschaftsminister Zeybekci dementierte nun, dass die Türkei gegen die auf der Liste genannten deutschen Firmen vorgehen wolle. "Das sind Fake News", sagte er. Er behauptete zudem, die Türkei habe Deutschland gar keine Liste übergeben.

Das Papier liegt deutschen Sicherheitsbehörden gleichwohl vor. Das Bundeskriminalamt hatte Daimler und BASF nach dem "Zeit"-Bericht über die Existenz des Schreibens informiert.

Der türkische Minister hofft, der deutsch-türkische Zwist werde "nur temporär" sein. Wichtig sei "Abstand zu nehmen von Worten, die dauerhaften wirtschaftlichen Schaden verursachen könnten", so Zeybekci. Zuvor hatte der Minister bereits via Twitter "unseren deutschen Freunden" versichert, "alle notwendigen bürokratischen Maßnahmen zu ergreifen und die Rechtssicherheit ausländischer Investoren in der Türkei auf höchstem Niveau zu gewähren".

beb/Reuters

insgesamt 101 Beiträge
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dr_jp 21.07.2017
1. Problem Erdogan
Solange in der Türkei Erdogan an der Macht ist, wird es diese Attacken gegen Deutschland geben, da Erdogan ein Egomane und Diktator ist. So langsam glaubt man, dass dieser Mann nicht mehr ganz zurechnungsfähig ist, so wie er sich aufführt. Die Türken wären gut beraten, diesen gefählichen Demagogen schnellstens abzuwählen, damit wieder Normalität einkehrt.
alex2k 21.07.2017
2. Vertrauen
verspielt. So einem Regime würde ich in keiner Hinsicht über den Weg trauen. Weder politisch, noch wirtschaftlich. Jeder, der sich darauf einlässt, spekuliert. Und sollte nicht hinterher nach der Staatshilfe rufen!
RieserMan 21.07.2017
3. Werbung bei n-tv eingestellt
Die türkische Regierung sollte realisieren, daß sie mit ihren Angriffen auf BASF und Daimler zu weit gegangen ist n-tv hat die ohnehin seltsame Werbung für Investitionen in der Türkei eingestellt. Gibt es unter Erdogan nur Machtpolitik oder auch die Einsicht, daß langfristig gute Beziehungen zu Deutschland sich wirtschaftlich auszahlen ?
Tom63 21.07.2017
4. Scheinheilig
Das was die Türkei nun versucht ist scheinheilig. Solange sie sich nicht an die Menschenrechte halten, sollte jeder die Türkei verlassen. Die werden dann schon sehen wie lange eine Diktatur ohne fremde Hilfe überleben kann.
merlin 2 21.07.2017
5. Ist die Türkei eine Bananenrepublik?
Zumindest kann man den Worten türkischer Politiker nicht mehr trauen. Listen mit Terrorverdächtigen, wo Konzerne wie Daimler drauf stehen, sind ein deutlicher Beleg, wofür die Türkei steht. Hier hilft nur noch die Investitionen zu canceln, alles andere versteht man in der Türkei offensichtlich nicht.
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