Vor möglichen Reiselockerungen der EU TUI streicht wegen der Coronakrise 8000 Stellen

Die EU-Kommission will trotz der Coronakrise Sommerurlaub innerhalb Europas möglich machen, auch Österreich kündigt Grenzöffnung an. Der Reisekonzern TUI will dennoch jeden zehnten Arbeitsplatz abbauen.
TUI-Kreuzfahrtschiff "Mein Schiff 3"

TUI-Kreuzfahrtschiff "Mein Schiff 3"

Foto: Sina Schuldt/ dpa

TUI will wegen des Geschäftseinbruchs durch die Corona-Pandemie rund 8000 Arbeitsplätze streichen. Der Reisekonzern solle gestärkt aus der Krise hervorgehen, teilte TUI-Chef Fritz Joussen mit. "Das macht Einschnitte erforderlich." Konkret soll dabei etwa jede zehnte der mehr als 70.000 Stellen weltweit wegfallen. Die Verwaltungskosten sollen um 30 Prozent sinken, Investitionen zurückgefahren werden.

In den ersten fünf Monaten des Geschäftsjahres von Oktober bis Februar stieg der Umsatz zwar um sechs Prozent auf sechs Milliarden Euro. Das operative, um Einmaleffekte bereinigte Ergebnis belief sich in der Wintersaison jedoch auf ein Minus von 240 Millionen Euro, was immerhin eine Verbesserung um ein Fünftel zum Vorjahr war. Mitte März musste TUI dann das Reiseprogramm aussetzen.

Der Tourismus gehört zu den am schwersten von der Krise betroffenen Branchen. TUI hat in Deutschland deshalb auch zu einem staatlich garantierten Überbrückungskredit von 1,8 Milliarden Euro gegriffen. Dennoch bereitet sich der weltweit größte Reiseveranstalter auf eine Wiedereröffnung seiner Hotels in Europa vor. "Die Saison startet später, könnte dafür aber länger dauern."

Empfehlungen werden veröffentlicht

Hoffnung schenkt dem Konzern auch Wirtschaftskommissar Paolo Gentiloni. Kurz vor Beratungen der EU-Kommission zu Grenzkontrollen und dem Tourismussektor zeigte er sich zuversichtlich, dass die europäische Urlaubssaison im Sommer stattfinden wird. "Wir werden definitiv im Sommer eine Touristensaison haben, allerdings mit Sicherheitsmaßnahmen und Einschränkungen", sagte der Italiener der "Süddeutschen Zeitung". Die Kommission will im Lauf des Tages Empfehlungen zur schrittweisen Aufhebung der wegen der Corona-Pandemie eingeführten Grenzkontrollen veröffentlichen.

Die Beschränkungen sollen laut einem Beschlussentwurf zunächst in Gegenden abgeschafft werden, in denen es eine vergleichbar günstige Entwicklung der Corona-Fallzahlen beiderseits der Grenze gibt. Eine Diskriminierung nach Nationalität der Reisenden soll es demnach nicht geben. Auch will die Kommission eine Reihe von Vorgaben und Empfehlungen für Schutzverkehrungen gegen das Virus bei Tourismus und Reisen beschließen. Dazu gehören Sicherheitsabstände in Hotels, Gaststätten sowie Verkehrsmitteln wie Zügen und Flugzeugen.

Eine Gruppe konservativer Europaabgeordneter appellierte an Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen, sich für den Wegfall aller Kontrollen an den Grenzen zwischen den EU-Staaten nach kommendem Freitag einzusetzen. Auch müssten die Mitgliedstaaten ihre Quarantäne-Regelungen für einreisende EU-Bürger aufheben, forderten die 18 Mitglieder der EVP-Fraktion in einem Brief an von der Leyen, der der Nachrichtenagentur AFP vorlag.

Österreich will öffnen

Im Frühstadium der Pandemie seien die Grenzkontrollen aufgrund der stark variierenden Ausbreitung des Virus in den Staaten "angemessen und berechtigt" gewesen, hieß es in dem Brief. Inzwischen sei das Infektionsgeschehen jedoch EU-weit auf ähnlichem Niveau. "Was substanziell gleich ist, darf nicht substanziell anders behandelt werden", betonen die Abgeordneten. Deshalb müssten die Lockerungen der Corona-Restriktionen innerhalb der Mitgliedstaaten mit "einer vergleichbaren externen Flexibilisierung an den Grenzen" einhergehen.

In Deutschland hatte Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) in der vergangenen Woche die Verlängerung der Grenzkontrollen zu Österreich, Schweiz, Frankreich, Luxemburg und Dänemark angeordnet. Einreisen darf weiterhin nur, wer einen triftigen Grund vorweisen kann, wie etwa Berufspendler. Seehofers Anordnung ist aber nur bis kommenden Freitag befristet. In den vergangenen Tagen nahmen die Forderungen an den Minister zu, die Grenzkontrollen zu lockern oder aufzuheben.

Die geschlossene Grenze zwischen Deutschland und Österreich soll nach Informationen der österreichischen Nachrichtenagentur APA am 15. Juni wieder vollständig geöffnet werden. Schon von diesem Freitag an werde es an den Grenzen nur noch stichprobenartige Kontrollen geben, bestätigte das Kanzleramt in Wien am Mittwoch der APA. Der österreichische Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) hatte am Dienstag mit Merkel telefoniert. Die Bundesregierung will bei ihrer Sitzung an diesem Mittwoch über weitere Schritte beraten.

Die österreichische Tourismuswirtschaft ist stark von deutschen Sommerurlaubern abhängig. Vor allem drängte die Branche aber auf Klarheit, was die Sommersaison betrifft. Sie verwies auf Buchungen von deutschen Stammgästen, die Zusagen für neue österreichische Gäste erschwerten.

apr/Reuters/AFP
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