Airlines auf Sparkurs Gewerkschaft warnt vor weiteren Ausfällen bei TUIfly und Air Berlin

Urlauber, die mit TUIfly oder Air Berlin unterwegs sind, müssen weiter bangen: Auch am Dienstag verspäten sich Flüge - oder fallen gleich ganz aus. Gewerkschaftern zufolge könnte das noch länger so bleiben.

Boeing 737-800 von TUIFly
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Seit dem Wochenende läuft es nicht mehr rund bei TUIfly und der zweitgrößten deutschen Fluggesellschaft Air Berlin: Pünktlich zum Ferienbeginn in vier Bundesländern verspäten sich zahlreiche Flüge oder werden gleich ganz gestrichen. Der Grund für das Chaos: Viele Flugbegleiter von TUIfly meldeten sich krank. Weil Air Berlin von dem Ferienflieger mehrere Maschinen mit Besatzung gemietet hat, waren beide Unternehmen betroffen.

Die Krankmeldungen wirken wie eine Reaktion auf die Nachrichten der vergangenen Woche: Air Berlin hatte mitgeteilt, dass sie vom 26. März 2017 an bis zu 40 Maschinen samt Personal an die Lufthansa-Töchter Eurowings und an Austrian Airlines vermietet. Zudem will Air Berlin 1200 Stellen streichen.

Auch TUIfly ist von dem Umbau betroffen: Air-Berlin-Hauptaktionär Etihad Airways verhandelt offenbar mit dem Touristikkonzern TUI darüber, Teile von Deutschlands zweitgrößter Fluggesellschaft mit TUIfly zusammenzulegen und in einer eigenen Ferienfluggesellschaft fortzuführen. Damit ist die Zukunft auch für die TUIfly-Mitarbeiter ungewiss.

"Es kann schon sein, dass einige Mitarbeiter aus Trotz nicht zur Arbeit kommen", sagte Nicoley Baublies, Vorstandsmitglied der Flugbegleitergewerkschaft Ufo, SPIEGEL ONLINE. "Die meisten aber verspüren echte Existenzangst. Das macht sie unsicher - und dann können sie an so verantwortungsvoller Stelle nicht arbeiten." Baublies kritisiert die Unternehmen dafür, dass sie die Mitarbeiter nicht darüber informieren, was mit ihnen geschehen wird.

"Wenn Air Berlin und TUIfly klar ansagen, dass es keine betriebsbedingten Kündigungen geben wird, dann wird sich alles beruhigen", sagt Baublies. Sollten die Beschäftigten aber weiter im Unklaren bleiben, könne die Situation noch deutlich schlimmer werden - mehr Krankmeldungen, mehr Flugausfälle. "Beruhigungspillen können wir nicht austeilen."

Dabei hat Air Berlin gerade einen Dauerkonflikt mit der Gewerkschaft Ver.di beigelegt. Beide Seiten haben sich auf einen einheitlichen Manteltarifvertrag für alle Kabinen-Beschäftigten verständigt, der von 1. November an gelten soll. Laut Ver.di bringt die Vereinbarung für viele Beschäftigte bessere Arbeitsbedingungen mit kürzeren Arbeitszeiten und längeren Pausen.

Die konkurrierende Gewerkschaft Ufo prüft indes eine Klage gegen den neuen Tarifvertrag - weil die anderen Arbeitnehmervertretungen im Konzern nicht einmal über die Gespräche zwischen Ver.di und dem Air-Berlin-Management informiert wurden. Deshalb brodelt es auch bei Eurowings: Ufo-Vorstandsmitglied Baublies rechnet mit Streiks bei der Lufthansa-Billigtochter - womöglich schon in der Ferienzeit.

Mit Material von dpa

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jojack 04.10.2016
1. Existenzangst?
Wer als Air Berlin Mitarbeiter erst jetzt Angst um seinen Arbeitsplatz bekommt, hat sich in den vergangenen Jahren offensichtlich nicht für die wirtschaftliche Entwicklung seines Arbeitgebers interessiert. Dass AB mit dem gegenwärtigen Geschäftsmodell nicht überlebensfähig ist, ist ja nun auch schon seit Jahren immer wieder zu lesen - wohl zu Recht. Insofern sind die Streikaktionen etwas albern und zeugen vor allem davon, dass die jetzt Streikenden reichlich naiv waren, was ihre berufliche Zukunft bei diesem Arbeitgeber angeht.
joey55 04.10.2016
2.
Es geht hier wohl weniger um die Nachrichten der letzten Woche, sondern vor allem um den Tarifvertrag, den ver.di abgeschlossen hat. Es dürfte sich um eine Form des illegalen Streiks handeln. Das bestreitet ufo zwar, gibt aber doch vor, wie man die "Erkrankten" kurzfristig "heilen" kann. Damit zeigt ufo erneut, dass sie kein seriöser Verhandlungspartner sind.
sunnyberlin73 04.10.2016
3.
Zitat von jojackWer als Air Berlin Mitarbeiter erst jetzt Angst um seinen Arbeitsplatz bekommt, hat sich in den vergangenen Jahren offensichtlich nicht für die wirtschaftliche Entwicklung seines Arbeitgebers interessiert. Dass AB mit dem gegenwärtigen Geschäftsmodell nicht überlebensfähig ist, ist ja nun auch schon seit Jahren immer wieder zu lesen - wohl zu Recht. Insofern sind die Streikaktionen etwas albern und zeugen vor allem davon, dass die jetzt Streikenden reichlich naiv waren, was ihre berufliche Zukunft bei diesem Arbeitgeber angeht.
Albern ist allenfalls ihr Unvermögen, einen einfachen Text zu lesen und dann noch zu verstehen. Es geht um die TUI Mitarbeiter !!!
iffelsine 04.10.2016
4. Was ist das für Schwachsinn ?
Also streikende Mitarbeiter, die aber das Budget der Gewerkschaft nicht belasten wollen und sich daher krank melden ? Wie billig ist das denn ? Nun, wir Passagiere wehren uns, ich buche keine Flüge mehr bei Air Berlin und gottseidank bin ich bei Tui noch nie eingestiegen - auf solche Flugbegleiter kann ich verzichten !
Big_Jim 04.10.2016
5. Das ist schon ein dreistes Theaterstück!
Wir können nicht arbeiten weil es vielleicht Kündigungen gibt? Sobald das ausgeschlossen wird sind wir wieder gesund? Das ist ja quasi Krank mit Ankündigung! Die betreffenden Mitarbeitern gehört gekündigt, denn das ist bodenlose Frechheit gegenüber der Firma und den ehrlichen Kollegen die diese Geschichte nicht mitmachen wollen. Abgesehen davon: Das Unternehmen noch ordentlich finanziell zu schädigen ist echt ein brillanter Plan seinen Arbeitsplatz zu erhalten! Wirklich weitsichtig! Deutsche Gewerkschaft eben!
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