Turbulente Börsen IWF-Chef warnt vor neuer Rezessionspanik

Weltweit brachen die Aktienkurse am Montag ein, nun warnt IWF-Chef Strauss-Kahn vor Panik: "Es wird keine neue Rezession geben." Doch andere Experten sind skeptischer - laut einem Zeitungsbericht könnte allein das britische Sparpaket mehr als eine Million Jobs kosten.


Washington - Die Unsicherheit an den Märkten nimmt wieder zu. Einerseits gibt es Anzeichen für einen spürbaren Aufschwung - andererseits ist die Furcht vor einem Rückfall in die Rezession nach wie vor vorhanden. Angesichts dieser Sorgen hat sich nun der Direktor des Internationalen Währungsfonds (IWF), Dominique Strauss-Kahn, zu Wort gemeldet. Sein Credo: Es wird keinen neuen Konjunktureinbruch geben.

"Die Erholung wird weiter gehen und es wird keine Rezession mit zwei Einbrüchen geben", sagte Strauss-Kahn am Dienstag bei einem Forum in Washington. In seiner aktuellen Prognose sagt der IWF ein Wachstum der Weltwirtschaft in diesem Jahr um 4,2 Prozent voraus. Ähnlich soll es 2011 aussehen.

Doch die Finanzmärkte teilen diesen Optimismus nur bedingt. Am Montag stürzten die Aktienkurse weltweit ab. Der Dax Chart zeigen verlor 3,3 Prozent und fiel erneut unter 6000 Punkte. In London und Paris schlossen die Börsen mit einem Minus von 3,1 beziehungsweise vier Prozent. Auch in New York gaben die Kurse deutlich nach. Begründung der Händler: Sorge um die Konjunktur.

Britisches Sparpaket könnte 1,3 Millionen Jobs kosten

Dass die Gefahr eines Rückschlags keineswegs gebannt ist, zeigt auch ein Bericht des "Guardian". Demnach dürften die drastischen Sparmaßnahmen der britischen Regierung binnen fünf Jahren zum Verlust von 1,3 Millionen Arbeitsplätzen führen. Die Zeitung beruft sich auf unveröffentlichte Schätzungen des Finanzministeriums.

Schatzkanzler George Osborne hatte vergangene Woche massive Ausgabenkürzungen und Steuererhöhungen angekündigt. Damit soll das Rekorddefizit im britischen Haushalt binnen fünf Jahren auf fast Null gedrückt werden.

Laut "Guardian" hat das dramatische Folgen für den Arbeitsmarkt. Bis zu 600.000 Jobs würden im öffentlichen Dienst und bis zu 700.000 Stellen in der Privatwirtschaft wegfallen. Immerhin rechne die Regierung damit, dass die Beschäftigung insgesamt steigen werde. Der Grund: das anziehende Wirtschaftswachstum und die zunehmende Zahl der arbeitsfähigen Bevölkerung.

Durchweg positive Nachrichten werden dagegen am deutschen Arbeitsmarkt erwartet. Nach Berechnungen von Bankenvolkswirten und Konjunkturforschern waren im Juni rund 3,13 Millionen Männer und Frauen ohne Arbeit; dies wären rund 110.000 weniger als im Mai und knapp 280.000 weniger als vor einem Jahr. Die offiziellen Zahlen will die Bundesagentur für Arbeit (BA) an diesem Mittwoch bekanntgeben.

wal/AFP/Reuters/dpa



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sic tacuisses 30.06.2010
1. die gefälschte offiziellen Zahlen sollte es wohl heißen..
Zitat von sysopWeltweit brachen die Aktienkurse am Montag ein, nun warnt IWF-Chef Strauss-Kahn vor Panik: "Es wird keine neue Rezession geben." Doch andere Experten sind skeptischer - laut einem Zeitungsbericht könnte allein das britische Sparpaket mehr als eine Million Jobs kosten. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,703708,00.html
aloa, 30.06.2010
2. Zocker regieren die Welt
Woher kommt diese Nervosität der Devisen- und Aktienmärkte, die Herr Strauss-Kahn und andere regelmäßig zu beruhigen versuchen? Diese sogenannte Volatilität liegt inzwischen vielen Leuten, die mit kurzfristigen Wertpapiergeschäften ihr Geld verdienen (Stichwort "Daytrading"), außerordentlich am Herzen. Sinkt die Volatilität, so sinkt auch die Aussicht auf den kurzfristigen Gewinn, der auf Basis dieser Schwankungen erzielt wird. Wie schafft man Volatilität? Durch das gezielte Streuen von Gerüchten, schlechten oder guten Nachrichten oder blanker Panik. Entstehen dabei größere Strömungen, z.B. indem andere Marktteilnehmer auf den Trend aufspringen, kann es schnell zu größeren Verwerfungen kommen, die das Zocken wiederum attraktiver machen... Wie konnte es dazu kommen? Die Vielzahl an Derivaten, die geringen Gebühren und die Schnelligkeit des Computerhandels haben diese Art von Geschäften erst attraktiv gemacht. Aufgrund der hohen Gewinnmargen sind auch viele institutionelle Anleger hinzugekommen. Insgesamt können so kurzfristig große Volumina bewegt werden. Hinzu kommt der automatische Handel, bei dem die Geschäfte durch eine Software getätigt werden, die ihre Entscheidungen auf Basis der Handelstrends fällt. Was blüht uns? Je mehr Anleger mit dieser kurzfristigen Sichtweise ihr Geld verdienen, desto undurchsichtiger und gefährlicher wird der gesamte Finanzmarkt. Werden die dabei entstehenden Panikreaktionen (wie bereits geschehen) durch die Intervention der Regierungen gebändigt, zahlen am Ende alle die Rechnung - Staatspleiten nicht ausgeschlossen...
prophet46 30.06.2010
3. Psycho-Bullshit
Zitat von sysopWeltweit brachen die Aktienkurse am Montag ein, nun warnt IWF-Chef Strauss-Kahn vor Panik: "Es wird keine neue Rezession geben." Doch andere Experten sind skeptischer - laut einem Zeitungsbericht könnte allein das britische Sparpaket mehr als eine Million Jobs kosten. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,703708,00.html
Strauss-Kahn hat meiner Ansicht nach recht: Es wird am Aktienmarkt keinen neuen Tiefstand wie März 2009 geben. Das ist alles nur Psycho-Bullshit der Händlerkreise am Markt, die gute Einstiegskurse suchen. Daher werden die Kurse im Moment wieder etwas nach unten spekuliert. Wir befinden uns aber in einer länger andauernden Seitwärtsbewegung mit kurzen Amplituden. Die (Klein-)Aktienbesitzer sollten einfach auf stur schalten. Sollen sich die Leerverkäufer ihre Aktien später von sonstwem holen.
rkinfo 30.06.2010
4. Zuviele Banker und Spekulanten in der Welt
Zitat von aloaWoher kommt diese Nervosität der Devisen- und Aktienmärkte, die Herr Strauss-Kahn und andere regelmäßig zu beruhigen versuchen? Diese sogenannte Volatilität liegt inzwischen vielen Leuten, die mit kurzfristigen Wertpapiergeschäften ihr Geld verdienen (Stichwort "Daytrading"), außerordentlich am Herzen. Sinkt die Volatilität, so sinkt auch die Aussicht auf den kurzfristigen Gewinn, der auf Basis dieser Schwankungen erzielt wird. Wie schafft man Volatilität? Durch das gezielte Streuen von Gerüchten, schlechten oder guten Nachrichten oder blanker Panik. Entstehen dabei größere Strömungen, z.B. indem andere Marktteilnehmer auf den Trend aufspringen, kann es schnell zu größeren Verwerfungen kommen, die das Zocken wiederum attraktiver machen... Wie konnte es dazu kommen? Die Vielzahl an Derivaten, die geringen Gebühren und die Schnelligkeit des Computerhandels haben diese Art von Geschäften erst attraktiv gemacht. Aufgrund der hohen Gewinnmargen sind auch viele institutionelle Anleger hinzugekommen. Insgesamt können so kurzfristig große Volumina bewegt werden. Hinzu kommt der automatische Handel, bei dem die Geschäfte durch eine Software getätigt werden, die ihre Entscheidungen auf Basis der Handelstrends fällt. Was blüht uns? Je mehr Anleger mit dieser kurzfristigen Sichtweise ihr Geld verdienen, desto undurchsichtiger und gefährlicher wird der gesamte Finanzmarkt. Werden die dabei entstehenden Panikreaktionen (wie bereits geschehen) durch die Intervention der Regierungen gebändigt, zahlen am Ende alle die Rechnung - Staatspleiten nicht ausgeschlossen...
Bei Daimler fahren sie Sonderschichten wg. großer Auto Nachfrage aus China. Gleichzeitig US-Bewertungen dass China massiv an Wachstum verliert in den letzten Monaten ?! Arbeitslosigkeit ist natürlich ein extremer Faktor für das globale Wachstum. Aber gerade die obigen Spekulanten lösen jene erst richtig aus. USA, GB und teils Spanien haben immer noch die Banker und Spekulanten auch als deutlichen Job-Geber. Die müssen einerseits Schwankungen mit machen um Profite zu realisieren. Andererseits ruinieren sie sich und Anderen so auch die Jobs. *Der IWF ist aber kein großer Durchblicker* - http://www.sueddeutsche.de/geld/duestere-prognose-des-iwf-finanzkrise-kostet-billionen-dollar-1.534859 Anfang Oktober 2008 = VOR dem Beinahe Crash der Weltfinanz setzte man Zahlen an die so nie sich realisierten. Obwohl sich die Lage ja erst danach wirklich verschärfte. Solange der IWF nicht 'Wohlstand für Alle' sondern nur dubiose Wachstumsmodelle der Weltfinanz pflegt sind seine Aussagen kaum zuverlässiger als Voodoo-Zauber. Ohne deutlich reale Zuwächse an Kaufkraft und Wohlstand in Asien, Nahost, Afrika und Südamerika ist ein Wachstumswert für die Weltwirtschaft nur heiße IWF-Luft.
Phyrros1, 30.06.2010
5. ...denn sie wissen nicht was sie tun.
Zitat von sysopWeltweit brachen die Aktienkurse am Montag ein, nun warnt IWF-Chef Strauss-Kahn vor Panik: "Es wird keine neue Rezession geben." Doch andere Experten sind skeptischer - laut einem Zeitungsbericht könnte allein das britische Sparpaket mehr als eine Million Jobs kosten. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,703708,00.html
Zuerst beklagen sich die sogenannten Experten über die riesigen Haushaltsdefizite in Europa, USA etc. und die Kurse stürzen ab. Dann wird von Regierungen versucht gegenzusteuern aber dass ist dann auch nicht ok, weil dass den Aufschwung abwürgen und Jobs kosten könnte. Die Folge ist: die Kurse stürzen ab. Der Euro wird geprügelt und fällt zum USD und GBP obwohl das Haushaltsdefizit beider Länder im Vergleich zur Eurozone viel eklatanter ist. UK steht finanziell nicht besser da als Griechenland und keiner wird doch wirklich annehmen dass die USA jemals ihren Haushalt in Ordnung bringen könnten. Rationelles Marktverhalten sieht anders aus.
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