Wegen Massenentlassung Angestellte kapern Twitter-Account von HMV

Wenn Konzern-PR nach hinten losgeht: Wütende Angestellte der insolventen britischen Handelskette HMV haben für einige Minuten den offiziellen Twitter-Account ihres Arbeitgebers übernommen - und ätzende Kommentare gegen die Entlassungswelle im Unternehmen in die Welt geschickt. 
Screenshot des Twitter-Kanals von HMV: "Massenhinrichtung von loyalen Angestellten"

Screenshot des Twitter-Kanals von HMV: "Massenhinrichtung von loyalen Angestellten"

London - Ein aufmerksamer Leser konnte sich denken, dass da etwas nicht stimmte: "Wir twittern live von der Beschäftigtenversammlung, auf der wir alle entlassen werden. Aufregend!" hieß es plötzlich auf dem offiziellen Twitter-Account der britischen Handelskette HMV. Zwei Minuten später: "Eine Massenhinrichtung von loyalen Angestellten, die die Marke lieben." Und schließlich: "Ich habe gerade unseren Marketing-Direktor (der übrigens seinen Job behält) sagen hören: Wie schalte ich Twitter ab?"

Wie die britische Zeitung "The Guardian" berichtet, ließen die Angestellten des insolventen Entertainment-Einzelhändlers HMV ihrem Ärger für einige Minuten freien Lauf, dann wurde der Kanal abgeschaltet und die Tweets unter dem Hashtag #hmvXFactorFiring gelöscht. Wie die Angestellten an die Zugangsdaten des Accounts kamen, ist unklar. Das Konto soll vor zwei Jahren von einem unbezahlten Praktikanten eingerichtet worden sein.

Die Insolvenzverwalter, die bei HMV vor zwei Wochen die Geschäfte übernommen haben, wollten den Vorfall nicht kommentieren. Sie bestätigten aber Pläne, 190 Angestellte zu entlassen. Insgesamt sind in dem fast hundert Jahre alten Traditionsunternehmen 4500 Arbeitsplätze gefährdet. HMV, das vor allem CDs, Unterhaltungselektronik und Bücher anbietet, leidet unter der Konkurrenz des Internethandels.

ade
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