Übernahmepoker Elon Musk bringt Rabatt für Twitter ins Spiel

44 Milliarden US-Dollar will Elon Musk für Twitter bezahlen – bisher. Zuletzt brachte der Tesla-Chef Bedenken wegen Bots und Fake-Accounts vor. Öffentlich sinnierte er nun über einen möglichen Preisnachlass.
Elon Musk (am 2. Mai)

Elon Musk (am 2. Mai)

Foto: ANDREW KELLY / REUTERS

Im Ringen um einen Deal für Twitter hat Techmilliardär Elon Musk mit Aussagen zu einem möglicherweise niedrigeren Preis aufhorchen lassen. Eine Einigung zu einem niedrigeren Gebot sei »nicht außer Frage«, sagte Musk in einem Videointerview bei einer Konferenz am Montag.

Die Twitter-Aktie beendete den Tag im US-Handel mit einem Minus von gut acht Prozent bei 37,38 Dollar. Das ist weit entfernt von den 54,20 Dollar je Aktie, die der Chef des Elektroautobauers Tesla bisher den Anteilseignern von Twitter in Aussicht stellt.

Musk hatte die Aktie zum Wochenende selbst auf Talfahrt geschickt, indem er den Deal zum Twitter-Kauf für »vorläufig ausgesetzt« erklärte. Er wolle erst Berechnungen dazu abwarten, dass Accounts, hinter denen keine echten Nutzer stecken, tatsächlich weniger als fünf Prozent ausmachten. Diese Zahl hatte der Konzern zuletzt genannt.

Musks Aktion warf viele Fragen auf. Zum einen sieht seine Übernahmevereinbarung mit Twitter kein vorläufiges Aussetzen vor. Zum anderen nannte Twitter die Schätzung von weniger als fünf Prozent Bot- und Fake-Accounts nicht nur im jüngsten Quartalsbericht – sondern bereits seit Jahren. Branchenbeobachter fragten sich danach, ob Musk versuchen wolle, aus dem teuren Deal noch herauszukommen oder zumindest den Preis zu drücken.

Fünf Prozent – oder doch 20?

Bei seinem Konferenzauftritt schätzte Musk, dass Fake-Profile mindestens ein Fünftel aller Twitter-Accounts ausmachen, wie der Finanzdienst Bloomberg berichtete. Er nannte keine Basis für diese deutlich höhere Schätzung.

Zuvor versuchte Twitter-Chef Parag Agrawal die Methodik des Dienstes bei Schätzungen der Zahl von Spam- und Bot-Accounts in einer Serie von Tweets zu erläutern. Musk konterte mit einem Kothaufen-Emoji und fragte unter anderem, ob Twitter versucht habe, Nutzer mit verdächtig aussehenden Accounts einfach anzurufen.

Twitter nennt die Zahl von 229 Millionen täglichen Nutzern, die der Dienst mit seiner Werbung erreichen kann. Die von Twitter identifizierten Fake-Accounts sind in dieser Zahl bereits abgezogen.

Juristen bei Twitter melden Bedenken an

Musks jüngste Tweets hatten auch in der Rechtsabteilung von Twitter für Aufregung gesorgt. Die Juristen hätten ihm den Bruch einer Vertraulichkeitsvereinbarung vorgeworfen, erklärte Musk am Wochenende, ebenfalls auf Twitter. Er habe aus Sicht der Rechtsabteilung zu viel über die Vorgehensweise von Twitter bei der Ermittlung automatisiert twitternder Accounts verraten. »Das ist wirklich passiert«, kommentierte Musk die angebliche Beschwerde.

Der Chef des Elektroautoherstellers Tesla hatte sich mit dem Twitter-Verwaltungsrat auf einen rund 44 Milliarden Dollar schweren Deal geeinigt. Wenn es denn bei dieser Zahl bleibt.

Er ist aber noch darauf angewiesen, dass ihm genug Aktionäre ihre Anteile abtreten wollen. Twitter und Musk wollten die Übernahme bislang bis Jahresende abschließen. Der Milliardär kaufte in den vergangenen Monaten bereits einen Anteil von gut neun Prozent an Twitter an der Börse.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version hieß es in einer Zwischenüberschrift, Musk habe den Anteil der Fake-Profile auf 25 Prozent geschätzt. Er sprach jedoch von mindestens einem Fünftel, also 20 Prozent. Wir haben die entsprechende Zahl korrigiert.

jok/dpa