Twitter-Tiraden gegen Firmen Der Mythos der Trump-Crashs

Investoren zitterten vor Donald Trumps Twitter-Tiraden. Aber war die Angst vor Kursstürzen bei Konzernen wie Amazon und Boeing berechtigt? Ökonomen haben es jetzt genauer untersucht.
Da war noch alles in Ordnung: Trump bei der Vorstellung einer Maschine von Harley-Davidson (2017)

Da war noch alles in Ordnung: Trump bei der Vorstellung einer Maschine von Harley-Davidson (2017)

Foto: Pablo Martinez Monsivais/ dpa

Solange er noch Präsident war – und nicht von der Plattform verbannt – war Donald Trump ein außergewöhnlich aktiver Nutzer von Twitter. Von Beginn seiner Präsidentschaft bis zum Ende jagte er über 5000 Kurznachrichten um die Welt, im Schnitt waren es sieben Tweets pro Tag. Vor allem zu Beginn seiner Amtszeit ging es dabei oft um Großkonzerne, mit denen Trump sich anlegte. Mal war es der Flugzeugbauer Boeing, mal Amazon, mal der Motorradkonzern Harley-Davidson.

Viele Investoren alarmierte das, sie befürchteten jäh einbrechende Kurse. Teils ließen die sich auch tatsächlich beobachten. Eine Investmentbank versuchte sich sogar daran, ein Maß für die erratische Instabilität zu entwickeln, die von Trump im Weißen Haus für die Finanzmärkte ausging. Das Geldhaus nannte es den »Volfefe Index«, eine Kombination aus den Begriffen »Volatität« und »Covfefe«, jener kryptischen Buchstabenkombination, die Trump eines Tages absetzte.

Ja, es gab sogar Versuche, ob es nicht möglich sein müsste, mit Trumps Tweets Geld zu verdienen. Wenn Trumps Kurznachrichten Börsenkurse ganz unvermittelt bewegen können, dann müsste es möglich sein, daraus Kapital zu schlagen, wenn man nur schnell genug Wertpapiere kauft oder verkauft. Das war die Idee des »Botus«, des Bot of the U.S. Ein Team von Reportern des Radiosenders NPR ließ ihn so programmieren, dass der Investmentbot dauerhaft Trumps Twitteraccount beobachtete – und automatisch Wertpapierdeals abschloss, sobald Trump eine börsennotierte Firma erwähnte.

Mehr Hintergrundrauschen als Breaking News

Sonderlich erfolgreich war »Botus« dabei nicht. Das muss allerdings nicht nur daran gelegen haben, dass die Macher Fehler in der Programmierung gemacht haben. Tatsächlich hatten seine Tweets insgesamt nur sehr geringen Einfluss auf die Finanzmärkte, wie Ökonomen des Frankfurter Leibniz-Instituts für Finanzmarktforschung SAFE jetzt herausgefunden haben. Im Gegenteil: Trumps Twitter-Aktivitäten drehten sich überwiegend um Themen, die an den Märkten bereits eingepreist waren.

»Die Twitter-Nachrichten von Donald Trump waren meist Reaktionen auf bereits existierende Trends an den Finanzmärkten«, sagt Zorka Simon, eine der Autorinnen der Untersuchung. »Der Blick auf historische Marktdaten hilft also eher bei der Vorhersage, ob Trump zu einem bestimmten Thema twittert oder nicht.«

Wie die Studie zeigt, hatten zwar einzelne von Trumps Tweets tatsächlich das Potenzial, kurzfristig die Märkte zu beeinflussen. Allerdings gelang es den Finanzmärkten, den Informationsgehalt dieser Tweets einzuordnen: Sie reagierten dann nicht, wenn Trumps Tweets keine nennenswerte Information beinhalteten, sondern lediglich zum »Hintergrundrauschen« der allgemeinen Nachrichtenlage beitrugen.

Für die wissenschaftliche Analyse evaluierten die Wissenschaftler:innen etwa 1400 Twitter-Nachrichten zum Thema »Wirtschaft«, die Trump von seinem Twitterkonto @realDonaldTrump im Beobachtungszeitraum abgesetzt hatte. Trump ging in seinen Tweets mit der Zeit häufiger auf Wirtschaftsthemen ein. Versendete er im Jahr 2017 noch 481 Tweets zu diesen Themen, waren es 2018 bereits 811.

beb
Mehr lesen über
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.