Transport-App Chinesischer IT-Riese Baidu steigt bei Uber ein

Zwei umstrittene Firmen schmieden eine Allianz: Baidu investiert Berichten zufolge in Uber. Chinas Suchmaschinenkonzern steht wegen Mitarbeit bei der Internetzensur in der Kritik, die Transport-App wegen Sicherheitsmängeln.

REUTERS

New York - Uber zieht offenbar auch in China Investoren an. Laut "Wall Street Journal" und der Finanzagentur Bloomberg steigt der Internetriese Baidu bei der umstrittenen Transport-App aus Kalifornien ein. Das Investment betrage 600 Millionen Dollar, berichtet der chinesische Radiosender China National Radio.

Uber werde neben Geld auch Zugang zu den Online-Ressourcen des größten chinesischen Suchmaschinen-Betreibers bekommen, hieß es in einigen Berichten. Ein Baidu-Sprecher wollte die Angaben auf Anfrage von SPIEGEL ONLINE weder bestätigen noch dementieren.

Fest steht: Eine Allianz wäre für beiden Firmen von Vorteil. Baidu könnte Uber helfen, den riesigen chinesischen Markt zu erschließen. Uber wiederum könnte Baidu helfen, sein mobiles Serviceangebot zu verbessern und sich gegenüber Konkurrenten wie Tencent und Alibaba zu behaupten.

Uber vermittelt mithilfe seiner Smartphone-App Uber Pop private Fahrer. Eine Fahrt mit Uber ist deutlich günstiger als mit dem Taxi. Das Start-up befindet sich auf rasantem Expansionskurs und ist nach eigenen Angaben bereits in 50 Ländern aktiv. Erst Anfang des Monats hatte die Firma 1,2 Milliarden Dollar von Investoren eingesammelt. Das Start-up aus San Francisco wird derzeit mit 40 Milliarden Dollar bewertet.

Die Firma aus Kalifornien ist stark umstritten. Taxi-Gewerbe und Behörden werfen ihr unfairen Wettbewerb vor. Nach Ansicht von Experten verschlimmert Uber die Billiglöhnerei in der Taxibranche. Zudem stellt der Dienst ein Sicherheitsrisiko da, weil Uber-Fahrer ohne Lizenz und Versicherungspflicht arbeiten. In Indiens Hauptstadt Neu-Delhi wurde der Dienst Anfang Dezember verboten, nachdem ein Uber-Fahrer eine Frau vergewaltigt haben soll.

Auch die chinesische Suchmaschine Baidu steht in der Kritik. Dem IT-Riesen wird vorgeworfen, die chinesische Internetzensur allzu willfährig mitzutragen. Debatten über die Unabhängigkeit Taiwans oder Tibets, Informationen über den Dalai Lama oder über das Massaker auf dem Platz des Himmlischen Friedens, Angaben über den Zusammenbruch der Sowjetunion - all das taucht in ihr nicht auf.

Zwar halten sich auch viele andere chinesische Firmen strikt an die Zensurgesetze. Der Suchmaschine Baidu aber wird aufgrund ihrer Größe und ihrer zentralen Bedeutung im chinesischen Internet von westlichen Beobachtern eine besondere Bedeutung beigemessen.

Ethik der Share Economy

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insgesamt 3 Beiträge
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camilli79 12.12.2014
1. wer steuert?
Der Verbraucher entscheidet. Wir haben die Freiheit Firmen kaputt gehen zu lassen oder uns von ihnen tyrannisieren zu lassen.
Koana 12.12.2014
2. Würden die Abgeordneten....
des deutschen Bundestags je zwei Monatsdiäten für die Infrastruktur der Flüchtlingslager spenden kämen gut 12 Millionen Euro zusammen - damit kann man etwa 100 Tage in 10000 Zelten a 10 Personen soviel Wärme bereitstellen, dass zumindest in diesen Zelten niemand verhungert (bei ca. - 10 Grad Außentemperatur im Schnitt). Aber so warm und behaglich es diese Damen und Herren auch haben - wo kämen wir da hin, wenn die unterbezahlten berufsbetroffenen Lügenschwätzer auch nur einen Euro abdrücken würden - das sollen gefälligst die arbeitenden Schichten erledigen, die dürfen schließlich in einem Land leben, wo es den Menschen so wunderbar gut geht. Klar retten sie damit nicht die Welt - nur - sie würden ein Zeichen setzen!
geotie 13.12.2014
3. yoooh
Zitat von camilli79Der Verbraucher entscheidet. Wir haben die Freiheit Firmen kaputt gehen zu lassen oder uns von ihnen tyrannisieren zu lassen.
Dazu muss erst einmal die Schwarmintelligenz funktionieren. Wenn ein Produkt, eine Dienstleistung bekannt ist, wird das mit der gesteuerten Freiheit, eine Firma kaputt gehen zu lassen, nichts. Meistens ist es gerade Mode, etwas zu nutzen wie Bubbletea oder Facebook, und paar Wochen will niemand das Zeug getrunken oder FB benutzt haben. Eine Intelligenz kann ich bei solchen Handlungen nicht erkennen!
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