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08. Dezember 2014, 15:03 Uhr

Vergewaltigungsvorwürfe gegen Fahrer

Neu-Delhi verbietet Uber

Nach der mutmaßlichen Vergewaltigung durch einen Uber-Fahrer muss der Fahrdienstvermittler den Service in Neu-Delhi einstellen. Auch in den Niederlanden hat ein Gericht Uber Pop verboten.

Neu-Delhi/Den Haag - Der Fahrdienst Uber darf seinen Service nicht mehr in der indischen Hauptstadt Neu-Delhi anbieten. Zuvor war bekannt geworden, dass eine junge Frau von einem Uber-Fahrer vergewaltigt worden sein soll. Uber dürfe ab sofort keine Fahrten in der Stadt anbieten, teilte die Stadtverwaltung am Montag mit. Das Verbot sei wegen des Verhaltens des Fahrers verhängt worden und gelte ab sofort, berichtete die "Hindustan Times" am Montag. Sie berief sich auf eine Mitteilung des Verkehrsministeriums.

Der beschuldigte Fahrer wurde festgenommen und sollte noch am Montag einem Haftrichter vorgeführt werden. Nach Angaben der Polizei hat der 32-jährige Mann sein Opfer nach der Tat nach Hause gefahren und ihr für den Fall gedroht, dass sie sich an die Polizei wende. Ihr sei es aber gelungen, die Nummer des Fahrers zu notieren und ein Foto des Autos zu machen.

Der Mann war schon vor drei Jahren wegen des Vorwurfs der Vergewaltigung inhaftiert, später aber freigelassen worden. Die Polizei teilte mit, sie prüfe rechtliche Schritte gegen Uber, weil das Unternehmen den Fahrer und dessen Vergangenheit nicht überprüft habe. Uber-Chef Travis Kalanick sagte, der Vorfall in Neu-Delhi sei schrecklich. "Wir werden alles tun, ich wiederhole: alles, um den Täter vor Gericht zu bringen."

Gericht verbietet Uber Pop in den Niederlanden

In den Niederlanden darf Uber seinen Service Uber Pop nicht mehr anbieten. In Den Haag gab die Wirtschaftskammer am Montag der Aufsichtsbehörde recht, die hohe Geldstrafen gegen Uber-Pop-Fahrer verhängt hatte. Der Dienst verstoße gegen das niederländische Taxigesetz, so die Richter. Dass Privatpersonen Kunden gegen Geld in ihrem eigenen Auto chauffieren, ist nach Auffassung der Richter illegal, da die Fahrer nicht über eine Lizenz verfügten. "In diesen Fällen verstößt auch Uber gegen das Gesetz, weil es eng mit diesen Fahrern zusammenarbeitet und an dem Erlös beteiligt ist", teilte das Gericht mit.

Uber will gegen das Urteil Berufung einlegen. Das Unternehmen hatte Geldbußen von jeweils 1500 Euro gegen Fahrer in Amsterdam nicht akzeptieren wollen und dagegen geklagt. Erst in der vergangenen Woche war die Taxi-App auch auf Rotterdam und Den Haag ausgedehnt worden. Das Verbot gilt nicht für den Taxidienst Uber, bei dem die Fahrer eine Lizenz haben.

Das kalifornische Start-up vermittelt mit seinem Pop-Service Fahrgäste über Smartphone-Apps gegen Provision an Gelegenheitsfahrer. Dagegen läuft das Taxigewerbe Sturm. Uber-Fahrer besäßen keine Genehmigung zur Personenbeförderung und ihre Fahrzeuge seien nicht entsprechend versichert, lauten die Argumente der etablierten Unternehmen auch in Deutschland. Wegen dieses Streits unterliegt Uber in mehreren Staaten Einschränkungen.

Weltweit bietet Uber seine Dienste in 45 Ländern an. Das Unternehmen mit Geldgebern wie Google und Goldman Sachs im Rücken hat erst kürzlich bei Investoren weiteres Kapital eingesammelt und kommt damit inzwischen auf einen Firmenwert von 40 Milliarden Dollar.

mik/Reuters/dpa

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