Was wurde aus Uber? "Wir haben noch zu wenige Autos auf den Straßen"

Lange nichts gehört vom Taxischreck: Uber-Deutschlandchef Fabien Nestmann glaubt noch immer fest an die Zukunft des Fahrdienstvermittlers. Zurzeit kann nur jeder zweite Kunde befördert werden.

Fabien Nestmann, 34, ist Deutschland-Manager des Fahrdienstes Uber
REUTERS

Fabien Nestmann, 34, ist Deutschland-Manager des Fahrdienstes Uber

Ein Interview von


SPIEGEL ONLINE: Sie mussten im Frühjahr Uber Pop auf Druck der Gerichte einstellen - ein Angebot, bei dem Privatpersonen Menschen befördern. Glauben Sie an eine Rückkehr des Dienstes in Deutschland?

Nestmann: Wir sind weiterhin der Auffassung, dass unser Angebot gesetzeskonform war. Diverse Gerichte sind anderer Meinung. Ich glaube, es wird Veränderungen in der Gesellschaft geben, die Uber Pop auch in Deutschland alltäglich werden lassen.

SPIEGEL ONLINE: Seit Mitte Mai sind Sie mit uberX am Start, dabei kommen nur lizenzierte Mietwagen zum Einsatz. Die Preise sind nur wenig günstiger als die eines Taxis. Warum sollte man den Dienst nutzen?

Nestmann: Wir haben eine einfache App, alle Fahrer sind lizensiert und überprüft, man kann bargeldlos bezahlen. Wir sind im Vergleich zu den Taxen gut 20 bis 30 Prozent günstiger. Hierzulande wird unterschätzt, dass Verbrauchern günstige Angebote wichtig sind.

SPIEGEL ONLINE: Will man uberX ordern, gibt es meistens keinen verfügbaren Wagen.

Nestmann: Wir haben noch zu wenige Autos auf den Straßen. Wir bauen den Dienst aus, aber derzeit können wir nur knapp die Hälfte der Anfragen annehmen. Der Genehmigungsprozess ist zäh, viele Vorgaben sind veraltet. Aber: Allein in den vergangenen vier Wochen hatten wir 10.000 neue Anmeldungen von Kunden. In München haben wir zum Beispiel derzeit 60 Fahrer, die für uberX fahren. Die haben jetzt schon deutlich mehr als eine Fahrt pro Stunde.

SPIEGEL ONLINE: Und das trotz der gesetzlichen Auflage, dass die Fahrer neue Aufträge nur in ihrer Betriebsstätte annehmen dürfen und nicht wie ein Taxi auf der Straße? Immerhin wurde Ihr Limousinenfahrdienst Uber Black wegen eines Verstoßes gegen diese Verordnung in Berlin verboten.

Nestmann: Die Fahrer müssen sich an geltendes Recht halten, auch wenn es einen Nachteil für die Verbraucher bedeutet.

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KJB 29.06.2015
1. Taxi Lobby muss weg
Alle regen sich immer über Lobbys auf die gegen die Interessen der Kunden arbeiten. Hier wird ein verkrustetes Gewerbe geschützt welches nicht schützenswert ist. Die Sicherheit der Wagen, die Fahrtüchtigkeit des Fahrers müssen überprüft werden, eine Versicherung muss vorhanden sein und Sozialabgaben geleistet werden aber sonst gehört dieses Gewerbe gnadenlos dereguliert. Im übrigen habe ich mit Uber Pop im Ausland nur gute Erfahrungen gemacht, von wegen alte Schrottkisten und abgehalfterte Fahrer, die gabs nur bei der offiziellen Taxi Konkurrenz!
Rainer Helmbrecht 29.06.2015
2.
Ich finde schon, Geiz ist geil, wird alle Probleme lösen. Ob der Fahrer gesund, das Auto OK, der Fahrer die Regeln des Verkehrs noch erfüllen kann, egal. Ich möchte nicht, dass Mitglieder meiner Familie als Chrash Dummys missbraucht werden. Mit dem Argument Unkosten, bin ich mir Sicher, dass der Privatfahrer seine Kosten noch garnicht genau berechnet hat, denn es wird nicht ausgerechnet, dass der Fahrer davon leben will, nicht nur am Samstagabend, sondern auch, in einer mauen Zeit. Es würde ja auch billiger sein, wenn man einen Notarzt durch einen Metzger ersetzen würde, denn der kann auch Blut sehen, ob das als Qualifikation ausreicht kann nicht jeder entscheiden, da sind mir gesetzliche Regelungen lieber. MfG. Rainer
larsmach 29.06.2015
3.
Zitat von KJBAlle regen sich immer über Lobbys auf die gegen die Interessen der Kunden arbeiten. Hier wird ein verkrustetes Gewerbe geschützt welches nicht schützenswert ist. Die Sicherheit der Wagen, die Fahrtüchtigkeit des Fahrers müssen überprüft werden, eine Versicherung muss vorhanden sein und Sozialabgaben geleistet werden aber sonst gehört dieses Gewerbe gnadenlos dereguliert. Im übrigen habe ich mit Uber Pop im Ausland nur gute Erfahrungen gemacht, von wegen alte Schrottkisten und abgehalfterte Fahrer, die gabs nur bei der offiziellen Taxi Konkurrenz!
Liebe(r) Herr/Frau KJB, darf ich fragen, was sie beruflich tun? Haben Sie jemals - ganz ehrlich! - darüber nachgedacht, dass jemand ein Startup gründet, das Ihre Dienstleistung durch das "Share-Economy" Konzept anbietet, sie also entlassen werden und fortan selbständig arbeiten werden ...und natürlich wird sich der Tarif dann nach den Angeboten der größten Selbstausbeuter unter Ihren vielen Mitstreitern richten. Der Gewinn wird abgeschöpft durch eine hohe Vermittlungsgebühr, die im Ausland versteuert wird. Sie werden zunächst schimpfen, dass man für die Ausübung Ihres Berufes doch ein "Informatik-Studium" oder "eine ordentliche Ausbildung zum Raumpfleger oder Mechaniker oder Steuerberater" haben müsse, um Büros zu reinigen, Autos zu reparieren oder anderer Leute Steuererklärungen auszufüllen. Doch es wird nichts nützen: Sie werden stattdessen hämischen Kommentaren ausgesetzt sein, dass "endlich mehr Wettbewerb" in Ihrer Branche herrsche... - und dann kommt auch noch der Brief von Ihrer Bank, die Ihnen mitteilt, dass Leasing- und Ratenkredite fällig gestellt werden, weil Sie mangels Einkommensnachweis eine geringere Bonität hätten. Schöne neue Welt, nicht wahr?
hauser 29.06.2015
4.
Ich bin vor zwei Wochen in Muenchen mit Uber gefahren. Der Fahrer kam von einem Mietwagenunternehmen aus Bad Tölz. Da kann jetzt jeder selbst urteilen, ob der Fahrer nach jedem Auftrag in seine Betriebsstätte zurückkehrt. Ja, er bestätigte, dass er einen Personenbeförderungsschien hat (allerdings nicht in München ausgestellt...). Die Fahrt war allerdings nicht 20% billiger wie Herr Nestmann sagt, hat 11.50 gekostet, sonst mit den Taxi ca. 13 Euro
sonnemond 29.06.2015
5. Was ist denn das für ein fragwürdiges Interview?
Frankreich hat gestern Uber verboten und heute den Uber-Frankreich-Chef verhaftet. Und Sie sprechen über nette Belanglosigkeiten? Uber steht im Dienste seiner Investoren wie Goldman Sachs, Amazon, Google und Co. Für seinen Chef Kalanick liegen in mehreren Ländern Haftbefehle vor. Kalanick ist ein Hyper-Aggressor und Sie legen so ein Pipifax-Interview vor? Wer weitaus bessere und engagiertere Informationen möchte, lese das zur SPIEGEL-Gruppe gehörende Manager-Magazin Online. Dieses hat zu Uber exzellente Recherchen zu bieten. Z. B.: "Die Uber-Kämpfer" oder "Deutsche Großstädte lehnen Partnerschaft mit Uber-Chef Kalanick ab" oder "Berlin nimmt Uber und Facebook aufs Korn".
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