Streit über Arbeitsbedingungen Uber-Fahrer streiken vor Börsengang

Vor dem Börsendebüt von Fahrdienstleister Uber machen Fahrer weltweit noch einmal deutlich, wo das Problem des Geschäftsmodells liegt.
Uber- und Lyft-Fahrer auf der Brooklyn Bridge: Rund 10.000 Fahrer wollen in den USA protestieren

Uber- und Lyft-Fahrer auf der Brooklyn Bridge: Rund 10.000 Fahrer wollen in den USA protestieren

Foto: Mark Lennihan/ AP

An diesem Freitag will Fahrdienstleister Uber an die Börse gehen. Kurz zuvor haben Fahrer des Unternehmens in Australien, Großbritannien und den USA die Stimmung getrübt. Mit der zeitweisen Abschaltung ihrer Apps protestieren sie gegen schlechte Arbeitsbedingungen.

"Es ist an der Zeit, die Ausbeutung zu beenden", twitterte Australiens Gewerkschaft der Transportarbeiter. Der britischen Gewerkschaft IWGB zufolge kritisieren Fahrern speziell den milliardenschweren Börsengang, der Investoren enorme Einnahmen beschere, während ihre eigene Bezahlung weiter sinke.

Die Organisatoren der Streiks und Proteste fordern bessere Jobgarantien für die Fahrer, ein Ende von in ihren Augen willkürlichen "Deaktivierungen" vom System sowie eine höhere Beteiligung der Fahrer an den Einnahmen der Plattformen. Manche Streikaufrufe galten für 24 Stunden.

Uber vor Börsengang

Die New York Taxi Workers Alliance rief in der US-Ostküstenmetropole zum Abschalten der Apps für zwei Stunden am frühen Mittwochmorgen auf. Die Gewerkschaft erwartete, dass sich rund 10.000 Fahrer beteiligen. Arbeitsniederlegungen und Proteste sind außerdem in Los Angeles und Boston geplant.

Vorwürfe gegen Uber wegen schlechter Arbeitsbedingungen gibt es schon lange. Die Fahrer arbeiten zumeist als sogenannte "freie Unternehmer" und tragen einen großen Teil der Kosten selbst. Seit einiger Zeit erlaubt Uber zumindest die Annahme von Trinkgeld. Uber teilte mit, seine Fahrer seien "das Herzstück unseres Service", ohne sie könne das Unternehmen nicht erfolgreich sein.

Uber will an diesem Freitag an der New York Stock Exchange sein Börsendebüt feiern. Das Unternehmen peilt eine Gesamtbewertung von rund 90 Milliarden US-Dollar an, damit wäre es der größte IPO seit dem des chinesischen Onlinehändlers Alibaba 2014.

Der Börsengang kommt nach einer durchwachsenen Notierung des zweitgrößten Anbieters Lyft - dessen Papiere verloren seit dem Start Ende März bereits rund 15 Prozent an Wert. Uber will wie schon Lyft einige Aktien für seine Fahrer reservieren.

Lyft mit hohem Verlust

Lyft legte am Dienstag erstmals einen Finanzbericht als Aktiengesellschaft vor - und musste für das erste Quartal einen Verlust von 1,1 Milliarden Dollar vermelden. Zugleich verbuchte das Unternehmen, das ebenso wie Uber von den künftigen Umwälzungen im Verkehrssektor profitieren will, eine deutliche Umsatzsteigerung auf 776 Millionen Dollar. Auch die Zahl der aktiven Fahrer legte zu und stieg auf 20,5 Millionen.

Das erste Quartal sei deshalb ein "starker Start in ein wichtiges Jahr" gewesen, sagte Unternehmenschef und Lyft-Mitgründer Logan Green. "Wir befinden uns noch in der sehr frühen Phase einer enormen Verschiebung weg vom privaten Auto und hin zu Transport als Dienstleistung."

Der hohe Quartalsverlust resultierte dem Unternehmen zufolge vor allem aus Kosten in Zusammenhang mit dem Börsengang. Für das laufende Quartal wird demnach ein Minus zwischen 270 und 280 Millionen Dollar erwartet. Zudem kündigte Lyft am Dienstag eine Partnerschaft mit der Google-Schwester Waymo für ein Pilotprojekt für "Roboter-Taxis" im US-Bundesstaat Arizona an.

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brt/dpa-AFX/AFP