Umstrittene Fahrdienst-App Kartellamt lobt Uber

"Mehr Wettbewerb kann dem Taxigeschäft nicht schaden": Der Chef des Bundeskartellamtes begrüßt den Eintritt der umstrittenen Fahrdienst-App Uber in den deutschen Markt.

Handy mit Uber-App vor Taxischild: Regularien nicht ausgesetzt
REUTERS

Handy mit Uber-App vor Taxischild: Regularien nicht ausgesetzt


Berlin - Wochenlang standen die Betreiber der Fahrdienst-App Uber hierzulande in der Kritik - jetzt gibt es eine ausgesprochen positive Einschätzung: Das Bundeskartellamt begrüßt den Eintritt des US-Fahrdienstanbieters in den deutschen Taximarkt. "Uber hat Bewegung in den Markt gebracht, mehr Wettbewerb kann dem Taxigeschäft nicht schaden", sagte Behördenchef Andreas Mundt der "Rheinischen Post". Allerdings profitiere das Unternehmen davon, dass es den strengen Regularien für das traditionelle Taxiwesen nicht ausgesetzt sei.

Daher sei es angebracht, "eine liberalere Ausgestaltung der bisherigen Regulierung zu diskutieren", sagte Mundt. Konkret sei denkbar, Ortskenntnisse bei Taxifahrern nicht mehr so scharf zu prüfen. "Navigationssysteme sind ein gutes Beispiel dafür, dass auch technische Weiterentwicklungen Deregulierungen nahelegen können", sagte Mundt der Zeitung.

Uber vermittelt Fahrgäste an private Fahrer. Beide Seiten werden über eine App koordiniert, die Preise des Angebots namens Uber Pop liegen in der Regel unter denen für reguläre Taxifahrten. Dieser Service ist jedoch höchst umstritten. Fahrer, die andere Personen gewerblich befördern wollen, brauchen in Deutschland eine Genehmigung. Anbieter am Markt müssen sich außerdem um eine Konzession bemühen.

Das Taxigewerbe zog deshalb gegen das kalifornische Unternehmen, zu dessen Geldgebern Google und Goldman Sachs gehören, vor Gericht. Die hauptsächlichen Kritikpunkte: Uber-Fahrer besäßen keine Genehmigung zur Personenbeförderung und ihre Fahrzeuge seien nicht entsprechend versichert. Vor Kurzem hatten Gerichte in Hamburg und Berlin vorher verhängte Uber-Verbote bestätigt.

Zuletzt war der Fahrdienstvermittler auf das deutsche Taxi-Gewerbe zugegangen. Die US-Firma führt nun auch in Deutschland seine Plattform Uber Taxi ein, über die Taxi-Firmen ihre Dienste anbieten können. Damit tritt Uber nun in Konkurrenz zu altbekannten Taxiruf-Zentralen, vor allem aber zu etablierten Apps wie MyTaxi.

vks/AFP/Reuters



insgesamt 223 Beiträge
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Koana 04.10.2014
1. Neoliberalismus in Vollendung.....
.... von seinem Smart-Phone gesteuert, geiert der moderne Nutzmensch in seiner Blechbüchse durch die Straßen um andere Nutzmenschlein zu transportieren. Im Hintergrund der clevere Nutzermensch mit seinem Algorithmus der von jedem Umsatz sein Viertel nimmt. Früher der Zehnt heute mal schlicht ein Viertel - das nenn ich Fortschritt! Den Staat, diese Marionettenbande von pseudosozialisierenden Verbrechern, darf das Nutzmenschlein heute jedoch noch dazu finanzieren - sprich von den drei Vierteln kommt nochmals die Hälfte weg.............................. Wobei - das Prinzip gilt doch seit langem - nur statt Maschinen, besitzen die künftigen Plutokraten eben Algorithmen. Die Masse bleibt eine versklavte Horde wuselnder Spieler, die vom Reichtum träumen darf. Glücklich jene die gelernt haben, sich diesem Treiben zu verweigern und dabei Lebensglück empfinden können - in Bereichen, die den Massen wohl auf immer verschlossen bleiben.
stranger66 04.10.2014
2. Ok
...dann befreit das Taxigewerbe auch von den gesetzlichen Auflagen. Wettbewerb ja-aber zu gleichen Bedingungen. Das müßte doch credo der Wettbewerbshüter sein
eta1 04.10.2014
3. Ortskenntnis?
Ich frage mich, bei welchem Taxifahrer Ortskenntnisse abgefragt werden?! Ich musste dem Taxifahrern in München bislang immer den Weg zu meinem Zielort erklären... Erste Frage des Fahrers: "Wo ist das?"
Luscinia007 04.10.2014
4.
Es dreht sich aber beim Thema Uber nicht um Ortskenntnisse oder gar mehr Wettbewerb. Es dreht sich darum, dass die "Arbeitnehmer" als "Schein-" und "Gelegenheitsselbständige" überhaupt keine rechtliche und soziale Absicherung haben. Aber dass die Bundesrepublik Deutschland "ein demokatischer und sozialer Bundesstaat" ist, spielt im Marktradikalismus keine Rolle mehr.
Ursprung 04.10.2014
5. Ohrfeige vom Kartellamt
fuer unser Staatsmonopolsystem. Bezieht sich leider nur auf eine Lappalie unseres Systems. Was ist mit den lobbygefuehrten Vasallen der Wirtschaft in Berlin? Was mit den buergerschaedigenden Interessengruppen der Kohleindustrie, Energieversorgung, Zwangssteuer fuer Gesundheitsversorgung, Pensionsjobs ausgedienter Politkomiker, Ausverkaeufer per TTIP und Ceta? Prioritaetenverkehrung: man kuemmert sich lieber um einen Taxiruf!
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