Lizenzentzug Uber macht per Petition Druck gegen Londoner Behörden

Uber wehrt sich gegen den Rauswurf aus der britischen Hauptstadt. Das Unternehmen fordert Kunden auf, gegen die Entscheidung der Londoner Transportbehörden zu protestieren - eine bewährte PR-Masche.
Smartphone-Nutzerin mit Uber-App in London

Smartphone-Nutzerin mit Uber-App in London

Foto: DANIEL LEAL-OLIVAS/ AFP

Taxis in London haben womöglich bald einen Konkurrenten weniger: Die Transportbehörden der Stadt haben Uber am Freitag die Lizenz entzogen - sie läuft am 30. September aus. Zur Begründung hieß es, es gebe Sicherheitsbedenken. Uber habe sich als untauglich erwiesen, einen Taxidienst anzubieten. Unter anderem seien Überprüfungen von Fahrern mangelhaft gewesen.

Das Unternehmen geht gegen die Entscheidung vor. Um weiterhin im lukrativen Londoner Markt mitmischen zu können, forderte Uber Kunden per E-Mail auf, eine Online-Petition  zu unterschreiben.

Darin stellt sich die Firma als Anwalt von Fahrern und Fahrgästen dar. Die Behörden seien vor einer kleinen Gruppe eingeknickt, die Wahlmöglichkeiten von Konsumenten einschränken wolle, behauptet Uber. Die Entscheidung beraube 40.000 Fahrer ihrer Arbeit und bringe Millionen Kunden um eine günstige und bequeme Transportmöglichkeit, argumentiert Uber weiter. Der Lizenzentzug zeige, dass London nicht offen für innovative Unternehmen sei.

Sicherheit, so heißt es weiter im Petitionstext, sei bei Uber von höchster Wichtigkeit. Zum Schluss kommt der Appell, die Petition zu unterzeichnen, um den Lizenzentzug rückgängig zu machen.

Uber-Nutzer sind potenzielle Wähler

Anvisiert sind eine Million Unterzeichner. Nach gut 24 Stunden sind schon mehr als die Hälfte der Unterschriften zusammengekommen. Allerdings ist unklar, von wem sie stammen - schließlich gehört man mit einem einzigen Klick schon zu den Uber-Unterstützern.

Es gehört zu Ubers bewährtem PR-Repertoire, Kunden um Unterstützung zu bitten, wenn es Ärger mit den Behörden gibt. Das Unternehmen hat diese Methode bereits in Jakarta, Budapest, Toronto und Portland genutzt. Dort sollten Kunden Abgeordneten ihre Unterstützung für die Firma signalisieren. Das verfing: In Portland, Toronto und Jakarta machten die Behörden zumindest Zugeständnisse.

In London bekommt die Sache nun eine politische Dimension. In den vergangenen drei Monaten benutzten rund 3,5 Millionen Menschen in London Uber. Dazu gehören vermutlich auch viele Touristen. Aber es dürften auch Pendler darunter sein - mit anderen Worten: Wähler.

Ubers Taktik scheint zu funktionieren. Greg Hands, in der konservativen Regierung für Belange Londons zuständig, wetterte via Twitter gegen den Lizenzentzug und gegen Londons Bürgermeister Sadiq Khan. Wieder einmal müssten Bürger den Preis für die Handlungen der Labour-Partei zahlen.

"Wir sind weit davon entfernt, perfekt zu sein"

Khan, eine Labour-Größe, sagte jüngst, er würde seinen Töchtern aus Sicherheitsgründen nicht erlauben, bei Uber-Fahrern einzusteigen. Auch private Transportunternehmen müssten sich an die Regeln halten. "Der Schutz und die Sicherheit aller Londoner muss an erster Stelle stehen." Khans Meinung in der Frage ist wichtig, weil er der Vorsitzende von Transport for London ist - der Behörde, die Uber die Lizenz entzog.

Uber-Chef Dara Khosrowshahi twitterte: "Liebes London: Wir sind weit davon entfernt, perfekt zu sein." Er bitte darum, gemeinsam daran zu arbeiten, die Fehler zu beheben.

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Khosrowshahi hatte die Leitung des Unternehmens übernommen, nachdem Mitbegründer Travis Kalanick auf Druck von Investoren zurückgetreten war. Er stand wegen seines rauen Führungsstils und der teils sexistischen Unternehmenskultur stark in der Kritik.

Unter Kalanick hatte Uber missliebige Offizielle scharf attackiert. 2015 ließ Uber seine Kunden wissen, eine von New Yorks Bürgermeister Bill de Blasio unterstützte Maßnahme könne Wartezeiten verlängern. Kalanick warf de Blasio vor, den sozialen Fortschritt zu behindern.

Inzwischen hat sich Uber von solchen Haudrauf-Methoden eher verabschiedet - weil der Fokus zunehmend auf dem Unternehmen selbst liegt. In einer internen E-Mail schrieb Khosrowshahi, ein schlechter Ruf ziehe "hohe Kosten" nach sich. Mitarbeiter müssten integer handeln und lernen, den Städten, in denen Uber-Fahrzeuge unterwegs seien, bessere Partner zu sein.

ulz/AP
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